Berühmte Gemälde von Emil Nolde werden in kleinem Stadtmuseum gezeigt
Diese gezeichneten Riesen sind ein Schlüsselwerk von Emil Nolde. Sie stehen für den Beginn des Expressionismus. Zu sehen sind sie äußerst selten. Denn, das Blatt gehört, genauso wie all die anderen Werke, die Christoph Breitwieser höchstpersönlich aufgehängt hat, zu einer Privatsammlung aus den USA. Der Museumsleiter hat ein paar studentische Aushilfskräfte. Ansonsten managt er hier alles alleine. Wände streichen, Wandtexte schreiben, die Bilder in einer sinnvollen Reihenfolge aufhängen. – Eben eine Ausstellung gestalten.
Christoph Breitwieser, Leiter Stadtmuseum Bensheim
“Natürlich braucht man erstmal ein Organisationstalent, aber das ist in der Museumsbranche allgemein gültig. Also, wir sind alle Projektmanager. Wenn man einen guten Projektplan hat und weiß, wann die Anlieferung ist, wann ist die Ausstellungseröffnung. Und so muss man einfach zurückrechnen: Was muss alles gemacht werden, wie soll die Szenerie sein, wie soll die Wandfarbe sein, wie werden die Bilder gehängt, in welcher Reihenfolge. Das muss man einfach richtig vorbereiten.”
Um selten gezeigte Werke eines großen deutschen Expressionisten an die hessische Bergstraße zu bekommen, braucht es ein gutes Netzwerk. Christoph Breitwieser, kennt jemanden, der die Sammler kennt. Alle kommen ins Gespräch und jetzt hängen all die Noldes im Stadtmuseum von Bensheim. Inklusive Hintergrundinfos zum privat eher schwierigen Künstler.
Christoph Breitwieser, Leiter Stadtmuseum Bensheim
“Das Besondere an dieser Ausstellung, an dieser Sammlung ist, dass die Sammlung eine kluge Sammlung ist. Also sie geht nicht unbedingt nach Effekthascherei, nach großen, farbigen Bildern, sondern sie geht nach Inhalten. Wir sehen hier viel Information zur Technik, zur Biografie Emil Noldes. Jedes Bild erzählt seine eigene Geschichte und Geschichten aus der Zeit heraus.”
Zur Biografie Emil Noldes gehört: Er war ein Nazi und wurde gleichzeitig von den Nazis geächtet. Von keinem anderen Maler sind so viele Bilder beschlagnahmt und als „entartet“ diffamiert worden. Vor dem Expressionismus hing hier Kunst der Gegenwart. Der weltberühmte Neo Rauch und seine Bilder waren zu Gast. Der Maler hat selbst angeboten, nach Bensheim zu kommen!
Christoph Breitwieser, Leiter Stadtmuseum Bensheim
“Da musste ich erst mal nachdenken, ob ich das überhaupt will, denn Neo Rauch ist wirklich eine der großen Positionen in Deutschland, und kann ich dem als kleines Museum so gerecht werden? Ich habe zugesagt, und am Ende war das, glaube ich, doch für alle eine sehr, sehr schöne und erfreuliche Geschichte.”
Durchweg positiv sind auch die Einträge im Gästebuch zur Nolde-Ausstellung. Sie bleibt bis Februar in Bensheim. Danach wird Christoph Breitwieser es garantiert wieder schaffen, spektakuläre Kunst an die selbstgestrichenen Wände des Stadtmuseums zu hängen.









