Ihr SAT.1 Regionalmagazin für Rheinland-Pfalz und Hessen

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Im Studiogespräch: Condor-Chef Peter Gerber

Nov. 24, 2025

Eva Dieterle spricht mit Peter Gerber über die Probleme im Luftverkehr.
Eva Dieterle, Moderatorin:
Viel zu besprechen also mit Condor-Chef Peter Gerber, den ich jetzt bei mir im Studio begrüße. Guten Abend.
Peter Gerber, Vorstandsvorsitzender Condor:
Guten Abend.
Dieterle:
Herr Gerber, Sie sind ja heute nicht nur als Condor-Chef hier, sondern auch als Präsident des Bundesverbandes der deutschen Fluggesellschaften. Aus Ihrer Sicht. Wie ernst ist denn die Lage?
Gerber:
Die Lage ist tatsächlich sehr ernst. Wir haben es eben im Beitrag auch gehört, Deutschland liegt sehr stark zurück bei der Erholung des Luftverkehrs nach Corona, Also ganz aktuell sind wir bei 86 % des Verkehrsniveaus von 2019, also direkt vor Corona. Alle anderen wichtigen europäischen Staaten sind schon jenseits von 110 %. Und das zeigt das Ausmaß der Krise.
Dieterle:
Jetzt haben Sie gerade die Lage geschildert. Natürlich muss jetzt die Frage folgen: Was brauchen Sie denn? Also, was fordern Sie vielleicht auch von der Politik?
Gerber:
Wir müssen schlicht die Standortkosten senken, die zu den höchsten der Welt gehören und ganz sicher die höchsten in Europa sind. Dabei geht es im Wesentlichen um die staatlichen Standortkosten – Luftverkehrssteuer, Flugsicherungskosten, Luftsicherheitsgebühren, also das, was bezahlt wird, wenn untersucht wird, körperlich. Und die Kosten müssen stark sinken. Einfach zumindest auf das europäische Durchschnittsniveau. Und dann wird sich der Luftverkehr in Deutschland auch entsprechend erholen.
Dieterle:
Aber da hat die Politik ja auch schon Bewegung signalisiert. Es gab jetzt diese Rücknahme der Erhöhung, diese 350 Millionen, die das Erleichterungen bringt. Ist das nicht schon ein erster Schritt in die richtige Richtung?
Gerber:
Absolut. Das ist wirklich ein klarer Schritt in die richtige Richtung, den wir sehr begrüßen und für den wir auch sehr dankbar sind. Die Regierung hat das angekündigt, die Regierung hat hier geliefert, das muss man klar sagen. Die Regierung hat auch gesagt und auch das haben wir ja in dem Beitrag schon gesehen, auch bei den Luftsicherheitskosten und den Flugsicherungskosten muss sich noch etwas bewegen. Auch da gibt es schon Ankündigungen und das muss tatsächlich im nächsten und den darauffolgenden Jahren passieren, damit wir auf ein Niveau kommen, was uns insgesamt als deutsche Airlines in Europa wieder wettbewerbsfähig macht.
Dieterle:
Schauen wir jetzt auf das, was unsere Zuschauer natürlich ganz besonders interessiert. Und das sind die Ticketpreise.
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Die Luftverkehrssteuer – sie wird oft auch als „Ticketsteuer“ bezeichnet. Besteuert werden alle Abflüge von einem deutschen Flughafen.
Im Moment bezahlen die Airlines je nach Flugziel 16 bis 71 Euro  – pro Passagier.
Kosten, die von den Fluggesellschaften meistens an die Passagiere weitergegeben werden.
Auf Druck der Flughafenbetreiber und der Airlines wird die Steuererhöhung jetzt also zurückgenommen.
Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder macht im Gespräch mit uns deutlich, was er jetzt von den deutschen Fluggesellschaften erwartet.
Patrick Schnieder (CDU), Bundesverkehrsminister
„Ich erwarte in einem ersten Schritt, dass die Airlines wieder verstärkt ihre Flotten in Deutschland stationieren. Also die Entscheidungen, die sie zum Teil flächendeckend getroffen haben, nämlich ihre Maschinen von hier abzuziehen, revidieren. Der Standort wird wieder attraktiver und wenn wir zunehmend wieder mehr Flugverkehr in Deutschland auch haben, dann wird sich das auch auf die Ticketpreise niederschlagen – das erwarten wir auch, dass dann der Passagier davon dann auch was merkt.“
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Dieterle:
Ja, ganz klare Erwartungen. Fangen wir mit den Ticketpreisen an. Wann werden Flugtickets endlich wieder günstiger?
Gerber:
Also eins ist klar: Die Senkung der Luftverkehrssteuer, die ja ein erster Schritt ist, die wird ab 01.07. nächsten Jahres greifen. Also ab dann kann das im Raum stehen und wir werden die Steuern, die es da gab, die auch extra auf dem Ticket stehen, die werden dann anschließend nicht mehr auf dem Ticket stehen und deswegen wird es um den Teil auch auf jeden Fall billiger werden. Das sagt natürlich nichts über den Gesamtflugpreis, weil da ja noch viele andere Aspekte eine Rolle spielen, wie die anderen staatlichen Standortkosten, nämlich Flugsicherungsgebühren, Luftsicherheitskosten. Die müssen auch noch entscheidend sinken, damit er noch mehr sichtbar wird. Aber natürlich gehören auch Spritkosten und andere Dinge zum Gesamtpreis dazu. Aber dieser Steuerteil, der wird weg sein und das wird man auch sehen.
Dieterle:
Und was bedeutet das für den nächsten Sommerurlaub im kommenden Jahr? Da wird es dann noch nicht günstiger sein, oder wie verstehe ich Sie da?
Gerber:
Das kann man nicht genau sagen, aber da es schon ab 01.07. greift, kann ich mir schon vorstellen, für die, die danach fliegen, dass es sich etwas auswirkt. Wie gesagt, würde jetzt bedeuten, wenn die anderen Kosten alle stabil bleiben oder auch sogar sinken, dann werden wir das ganz sicher sehen. Denn für uns ist ja klar als Airline, das, was wir vor allem machen wollen, ist möglichst viel Fliegen für unsere Kunden da, wo sie hin möchten. Und deswegen werden wir alles dransetzen, das natürlich möglich zu machen.
Dieterle:
Können Sie da eine Größenordnung nennen? Wir haben ja gerade Herrn Schnieder gehört. Es war ja kein Wunsch, das war eine Erwartung. Also was können denn die Kunden erwarten?
Gerber:
Also ich glaube, in einem ersten Schritt ist es vielleicht ein bisschen. Das liegt einfach daran: In den letzten fünf Jahren sind die staatlichen Standortkosten von 2,5 Milliarden auf circa 5 Milliarden gestiegen und 350 Millionen von den 2,5 Milliarden, die es mehr gegeben hat, die kommen runter. Also das heißt, ein kleiner Teil, so ungefähr 15 %, und das ist dann die Größenordnung, über die wir da sprechen kann. Also ist der Schritt eher klein. Das ist so, wie wenn manni ins Lokal kommen, das heißt, es gibt Preissenkungen. Trotzdem würden Sie nicht erwarten, dass, wenn Sie 2 € da bezahlen, dass Sie dafür ein Schnitzel bekommen. Dafür gibt es eben Laugenstange. Aber wir müssen in Richtung Schnitzel arbeiten. Das ist der entscheidende Punkt. Dieser Preis, um den geht es, um eine solche Senkung der Kosten und dann wird hier in Deutschland wieder deutlich mehr geflogen, weil auch andere, die nicht auf Deutschland angewiesen sind, dann nach Deutschland zurückkommen und die Kosten insgesamt senken. Das ist ja der Witz, weil dann auch die Flughafenentgelte und alles andere sinken kann, weil es eine größere Menge gibt.
Dieterle:
Ein weiteres Stichwort hat der Minister genannt und das sind Standortentscheidungen. Ich frage Sie das jetzt auch als Präsident des Bundesverbandes: Werden Condor und andere Airlines dann die Flugzeuge, die sie an anderen europäischen Flughäfen ausgelagert haben, wieder zurückholen.
Gerber:
Überall da, wo sie es lohnt, werden wir das ganz bestimmt tun. Und es wird ganz bestimmt auch Airlines geben, nicht deutsche Airlines, die diese Standortentscheidung immer ganz nach betriebswirtschaftlichen Gegebenheiten treffen. Und von denen werden wir auch entsprechende Entscheidungen sehen, weil es einfach wieder wirtschaftlicher ist, in Deutschland ein Flugzeug zu betreiben, anstatt in einem anderen europäischen Staat, dann werden die das tun. Deutschland ist ein sehr interessanter Markt, der größte Markt in Europa.
Dieterle:
Überall da, wo es sich lohnt, ist ja sehr offen formuliert. Also können Sie das ein bisschen konkretisieren?
Gerber:
Das ist natürlich schwierig, weil ich nicht in den Kostenrechnungen der einzelnen Airlines drinstecke und auch nicht sagen kann, was die anderen Staaten mit ihren Standort kosten machen. Aber ich glaube, es sieht sehr gut aus. Wenn man die Kosten in Richtung europäischen Durchschnitt entwickelt, dann wird man sagen können, Deutschland ist ein sehr interessanter Markt mit großer Kaufkraft. Dann wird ganz sicher mehr in Deutschland geflogen als anderswo.
Dieterle:
Also eine angespannte Zeit. Trotzdem spüre ich Bewegung. Herr Gerber, vielen Dank, dass Sie heute zu diesem Themen bei uns waren.
Gerber:
Ich danke Ihnen.