Ihr SAT.1 Regionalmagazin für Rheinland-Pfalz und Hessen

Ihr SAT.1 Regionalmagazin für Rheinland-Pfalz und Hessen

Betreiber von Opel-Entwicklungszentrum Segula ist insolvent

Okt. 29, 2025

Lange war es eine Befürchtung, jetzt ist es aber endgültig bittere Gewissheit: Die Investorensuche bei Segula war nicht erfolgreich. 330 Menschen verlieren ihren Job – der Großteil von ihnen schon Ende dieser Woche. Und klar ist damit jetzt auch: Der Betrieb der Opel-Teststrecke in Dudenhofen wird bereits in dieser Woche eingestellt. Bedeutet das nun das endgültige Aus für die legendäre Teststrecke?

„Wagen 18, Schnellfahrbahn, 5. Runde. Geschwindigkeit maximal. Aber vergessen sie niemals: Dies ist keine Rennstrecke. Dies ist ein Prüffeld. Sie fahren nicht nur einen Wagen, sie fahren einen Versuch.“

1966 eröffnet Opel das Testzentrum im Wald zwischen Dudenhofen und Babenhausen.
Mittlerweile gehört es zu den größten Testzentren Europas. Rüttelstrecken und Steilwandkurven inklusive.
Bisher hatte Opel das Testgelände an Segula vermietet. Doch jetzt ist klar: Das Aus für die Testsparte von Segula  ist besiegelt.
Opel hat bereits angekündigt, die Tests in Dudenhofen nicht weiterzuführen, der Autobauer sucht jetzt einen neuen Betreiber.
Automobil-Experte Jürgen Pieper geht davon aus, dass diese Suche nicht lange dauern wird.

Jürgen Pieper, Automobil-Experte
„Opel trifft viele Entscheidungen heutzutage nicht mehr selbst. Schon seit der Übernahme durch Peugeot, durch Stellantis, werden eigentlich solche strategischen Entscheidungen in Paris oder heutzutage in den Niederlanden getroffen. Und Opel kann eben diese Geschicke sozusagen nicht mehr in die Hand nehmen. Ich glaube, sie würden sehr sehr gerne dieses Testzentrum behalten und ich rechne damit, dass entweder Volkswagen oder Mercedes – einer der großen deutschen Konzerne – das im Endeffekt übernehmen wird.“

Hoffnung also für die Teststrecke. Die Hoffnung auf den Erhalt ihrer Arbeitsplätze mussten die Mitarbeiter hier aber jetzt aufgeben.
Für den Betriebsrat eine Entwicklung, die abzusehen war.

Jörg Wink, Betriebsrat Segula
„Dudenhofen war besonders, weil hier Opel Eigentümer ist und wir Betreiber sind, aber die ganzen Fixkosten aufgebürdet bekommen haben und sogar noch dementsprechend, wenn wir externe Kunden bekommen haben, eine Gebühr an Opel zahlen mussten.“

Den rund 80 Mitarbeitern in Dudenhofen wurde der Wechsel in eine von Opel finanzierte Transfergesellschaft angeboten, den rund 250 Angestellten hier in  Rüsselsheim dagegen nicht – sie  verlieren ihren Job.
Viele von ihnen waren früher direkt bei Opel angestellt – oft schon jahrzehntelang. 2019 verkaufte Opel große Teile seines Entwicklungszentrums an Segula. Rund 700 Opelaner wechselten zum neuen Eigentümer. Ursprünglich war sogar von bis zu 2.000 die Rede.
Die Insolvenz von Segula: Für Automobil-Experte Jürgen Pieper ist sie symptomatisch für die derzeitige Krise in der Autoindustrie. Denn die zeige sich im Moment eben besonders bei Zulieferern und Servicebetrieben, wie Segula einer sei.

Jürgen Pieper, Automobil-Experte
„Diese Entwicklungsleistungen werden jetzt wieder mehr in das eigene Haus zurückgeholt. Also Volkswagen oder Mercedes zum Beispiel, die entwickeln jetzt lieber selbst, um ihre Leute zu beschäftigen. Um damit eben keine Arbeitslosigkeitsprobleme zu bekommen, keine großen jedenfalls. Und darunter leidet ein externer Entwickler wie Segula.“

Der Opel-Mutterkonzern Stellantis hat in den vergangenen Jahren viele Millionen in Teststrecken im Ausland investiert. Testet unter anderem vermehrt in Turin.
Das Testzentrum hier im Wald bei Dudenhofen wird am 1. April kommenden Jahres 60 Jahre alt. Es könnte ein stiller Geburtstag werden – ganz ohne durchgeschüttelte Autos auf der Teststrecke.