Ihr SAT.1 Regionalmagazin für Rheinland-Pfalz und Hessen

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Schwierige Zeiten für die Luftfahrt

Okt. 20, 2025

Während im Rest von Europa inzwischen mehr geflogen wird als vor Corona, hinkt die deutsche Luftfahrt hinterher.Vor allem die gestiegenen Luftverkehrssteuern bereiten deutschen Flughäfen und Airlines gleichermaßen Sorgen. Ganz besonders an Deutschlands größtem Airport in Frankfurt.
In Sachen Luftverkehr ist Deutschland der „kranke Mann Europas“: Beim VhU-Luftverkehrsforum am Frankfurter Flughafen findet diese Aussage von Condor-Chef Peter Gerber viel Anklang. Ein Beispiel dafür nennt  Lufthansa-Vorstand Michael Niggemann: Immer mehr Inlandsflüge der Kranich-Linie stehen vor dem Aus: Sie seien schlichtweg nicht mehr kostendeckend zu betreiben. Und auch der Chef des Frankfurter Flughafens  Stefan Schulte rechnet vor, warum der Standort Deutschland gerade immer mehr an Wettbewerbsfähigkeit einbüßt.

Stefan Schulte, Vorstandsvorsitzender Fraport AG
„Wenn Sie ganz konkret einen interkontinentalen Flug nehmen, der von Madrid nach New York geht. Und sie nehmen den von Frankfurt oder von München nach New York. Dann haben wir hier das Achtfache an staatlichen Kosten. Das zahlen Sie als Passagier. Und das führt dazu, dass weniger über Frankfurt, über München geflogen wird. Das heißt am Ende: Wir haben weniger internationale Anbindung, die wir Passagieren, aber vor allem der Wirtschaft anbieten können. Und das ist ein negativer Standortfaktor. Das kostet uns in Deutschland Wirtschaftswachstum in Summe.“

So seien die staatlichen Standortkosten in Deutschland seit dem Jahr 2019 um rund 70 Prozent gestiegen – im restlichen Europa dagegen nur um 39 Prozent. Von den Standortvorteilen außereuropäischer Flughäfen wie Dubai oder Singapur ganz zu schweigen. Braucht es also Steuerermäßigungen für deutsche Flughäfen und Airlines? Nein, sagt der ehemalige hessische Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir, der inzwischen für die Grünen im Bundestag sitzt und dort den verkehrspolitischen Ausschuss leitet.

Tarek Al-Wazir (Bündnis 90 / Die Grünen), Vorsitzender Verkehrsausschuss Bundestag
„Das Fliegen ist die klimaschädlichste Form der Fortbewegung. Und deswegen ist es aus meiner Sicht wichtig, erstens nur zu fliegen, wenn man es wirklich muss – also Stichwort andere Kontinente oder weiter entfernte Ziele. Kurzstreckenflüge gehören auf die Schiene. Und zweitens ist es natürlich genau so wichtig, dass wir gemeinsam daran arbeiten, das Fliegen CO2-neutral zu machen.“

Damit macht sich der grüne Wirtschafts- und Verkehrsexperte bei den Vertretern der Luftverkehrsbranche keine Freunde. Die fordern von der Politik Reformen – vor allem eine geringere  Luftverkehrssteuer, die so auch im Koalitionsvertrag festgehalten sei, aber bei der Bundesregierung wohl gerade nicht ganz oben auf der Agenda stehe.