Ihr SAT.1 Regionalmagazin für Rheinland-Pfalz und Hessen

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Größtes Weinanbaugebiet Deutschlands – Rheinhessen zieht Lesebilanz

Okt. 7, 2025

Ungewöhnlich früh ging es in diesem Jahr mit der Weinlese los – schon Mitte August. Über eine Woche früher als im vergangenen Jahr. Und dann hieß es für die Winzer in Rheinland-Pfalz und Hessen: „An die Trauben, fertig, los!“ – und das ziemlich schnell. Praktisch eine Turbo-Lese, um dem anhaltenden Regen zuvorzukommen. Heute Mittag haben die rheinhessischen Winzer eine erste Bilanz gezogen.
Für Anfang Oktober ist es ungewöhnlich still in den rheinhessischen Weinbergen. Schon jetzt sind keine Schießanlagen oder Weinbergschützen mehr zu hören. Die Vögel müssen nicht mehr von den Reben vertrieben werden, denn in Deutschlands größtem Weinanbaugebiet ist die Lese zu 95 Prozent beendet. Auch Martin Fischborn aus Dexheim ist nicht mehr draußen unterwegs, er arbeitet jetzt im Weinkeller.

Martin Fischborn, Winzer aus Dexheim
„Entscheidende Phase. Die Weine gehen quasi dem Ende der Gärung zu und das muss kontrolliert werden, damit wir nachher den Restzuckergehalt bestimmen können und wissen, wann wir mit der Gärung beenden wollen.“

Es gärt nicht in allen Stalltanks. Denn der Winzer hat 30 Prozent weniger geerntet, als im vergangenen Jahr. Deshalb sind einige Tanks leer.

Martin Fischborn, Winzer aus Dexheim
„Also, wir hatten während der Blüte im Juni, kalte, nasse Phasen gehabt, da sind die Beeren nicht richtig bestäubt worden und der Fruchtansatz ist nicht gebildet worden, und dann hat im August der Regen gefehlt, und so hatten wir dann auch in den Beeren nicht so viel Wassereinlagerung, dafür aber mehr Zuckerextrakt, was die Weine fruchtig und elegant schmecken lässt.“

Heute Mittag hat der rheinhessische Weinbauverband in Oppenheim eine erste Erntebilanz  gezogen. „Tolle Weine, wenig Menge“  – heißt das Fazit. Doch die Freude über die gute Qualität ist getrübt. Der Weinkonsum sinkt seit Jahren, nicht nur in Deutschland.

Jens Göhring, Weinbaupräsident Rheinhessen
„Es ging leicht bergab, aber in ausländischen Märkten geht es stärker bergab als in Deutschland, und die ausländischen Weinproduzenten probieren natürlich, mehr im deutschen Markt unterzubringen, weil sie selber zu viel haben, und das bringt natürlich einen riesen Druck im Marktgefüge.“

Dennoch sind die Gläser heute halbvoll und nicht halbleer. Trotz US-Zölle ist der Export der rheinhessischen Weine ins Ausland um 1,2 Prozent gestiegen. Für Martin Fischborn ist wichtig, dass potenzielle Kunden wissen, dass Wein mehr ist als ein alkoholisches Getränk.

Martin Fischborn, Winzer aus Dexheim
„Das ist eigentlich das Sinnvolle, da wollen wir auch daran arbeiten, wirklich das Kulturelle in den Vordergrund zu stellen und nicht unbedingt nur den Weinkonsum.“

Seit 276 Jahren baut die Familie Fischborn Wein an. Die Weinberge sind in Rheinhessen das landschaftliche Erkennungsmerkmal.