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Krise in der Automobilbranche: Im Gespräch Auto-Analyst Jürgen Pieper

Okt. 6, 2025

Markus Appelmann spricht mit Jürgen Pieper über die Probleme der Automobilindustrie.
Markus Appelmann, Moderator:
Und über diese ernste Lage sprechen wir jetzt mit dem Frankfurter Automobilexperten Jürgen Pieper. Ich grüße Sie.
Jürgen Pieper, Automobilexperte:
Guten Tag.
Appelmann:
Herr Pieper, wir wollen über die Fehler, die gemacht wurden, auf Managementseite, aber auch auf Politikseite sprechen. Beginnen wir beim Management. War es denn ein Fehler, frühzeitig zu verkünden, auf Verbrenner zu verzichten, schon vor 2035, vor dem offiziellen Aus?
Pieper:
Ja, diese totale Hinwendung zur E-Mobilität, die gerade bei Volkswagen und Mercedes – sind ja zwei Riesenkonzerne natürlich mit entsprechend vielen Zulieferern – ausgerufen worden ist vor ein paar Jahren von Herrn Diess oder auch von Herrn Källenius bei Mercedes, das war kam sehr abrupt und war in dieser Art etwas zu extrem. Man hätte so einen mittleren Kurs eine Zeit lang fahren sollen. Man hat ja Kunden, die man auch gerne mal befragen kann, was meines Erachtens viel zu wenig geschehen ist. Und die hätten wahrscheinlich gesagt: “Ja, wir wollen oder wir glauben schon an die Zukunft der E-Mobilität, aber nicht innerhalb von fünf Jahren und nicht eine 180-Grad-Wende.”
Appelmann:
Nicht in der Geschwindigkeit. Wir haben gerade eben die Probleme gesehen bei Batteriehersteller BorgWarner. So sieht es in Kaiserslautern aus. Hier sollten seit Anfang 2025 Batterien für 600.000 E-Autos pro Jahr vom Band gehen in einer XXLFabrik. Die damalige Ministerpräsidentin Malu Dreyer sprach bei der Vorstellung der Pläne von “einer Sternstunde für Rheinland-Pfalz und Kaiserslautern”. Daraus wurde bislang nichts. Herr Pieper, ist die Produktion in Deutschland einfach viel zu teuer?
Pieper:
Ist eine sehr komplexe Angelegenheit, eine sehr komplexe Frage, bzw. die Antwort, sie man geben sollte, ist sehr komplex. Ich glaube, Batterie, das ist richtig, darauf zu setzen. Das ist das zentrale Produkt eines E-Autos und das E-Auto wird die Zukunft des Automobils sein. Nicht innerhalb von fünf Jahren, aber innerhalb von zehn bis 15 Jahren. Und die Batterie ist so essenziell dafür, dass man darauf nicht verzichten sollte als europäische oder deutsche Autobauer.
Pieper:
Man sollte daran arbeiten. Man sollte auch versuchen, Batteriefabriken ins Land zu holen. Dass das bisher gescheitert ist, liegt hauptsächlich daran, man kann nicht so schnell mit Chinesen und Asiaten insgesamt mithalten. Das heißt, die haben einfach diesen Vorsprung von fünf, sechs, sieben Jahren, den kann man nicht innerhalb kürzester Zeit aufholen. Das heißt, so schnell kann man nicht ins Geschäft reinkommen. Man muss sich da einen wirklich sehr langen Atem geben und da ist man offensichtlich zurzeit entweder nicht bereit oder man überlegt noch, ob man es wirklich machen soll oder nicht.
Appelmann:
Es wird ja ein großes Thema sein diese Woche. Der Kanzler Friedrich Merz hat zum Autogipfel eingeladen für diesen Donnerstag. Er hat sich ja neu positioniert. Das Aus vom Verbrenner-Aus. Ist das die richtige Message in diesen Tagen von der Politik?
Pieper:
Ich würde sagen, man sollte den Akzent auf die Zukunftstechnologien setzen. Das wäre für mich die richtige Überschrift. Dass man das lange offenhalten soll, technologisch, halte ich für richtig. Das Verbrenner-Aus finde ich auch in der Form nicht … Das bringt eigentlich nix, weil die Kunden werden entweder Kaufverweigerung betreiben, die werden nicht alle mitziehen wollen und werden dann eben jahrelang sich mit Kaufen zurückhalten und die Folgen sieht man jetzt schon. Diese schwache Konjunktur kommt auch daher, dass die Kunden einfach wirklich nicht mehr wissen, was sie machen sollen. Zumindest viele davon. Und deswegen: Das Signal, zu sagen: “Dann ist es aus”, halte ich für verkehrt. Man soll es offen lassen, aber der Markt wird das schon in die Richtung bringen.
Appelmann:
Sie haben gerade eben gesagt, die Kunden sind verunsichert, die E-Autos sind teuer, wir haben einen teuren Strom auch in Deutschland. Wenn jetzt jemand am Fernsehgerät gerade sagt: “Ich will mir ein Auto kaufen”, was geben Sie ihm denn als Rat?
Pieper:
Ich würde sagen, die Zukunft gehört dem E-Auto. Ich würde jetzt aber noch … und das Angebot ist noch überschaubar. Die Preise sind noch ein bisschen zu hoch, die Probleme mit Ladesäulen usw. sind auch noch da. Wird aber alles relativ schnell besser werden. Ich würde einfach noch zwei bis drei Jahre warten, und im Übergang finde ich Hybride eine tolle Lösung.
Appelmann:
Also Verbrenner mit E-Auto sozusagen zusammen. Sagt Jürgen Pieper, der Frankfurter Automobilexperte. Danke für den Besuch.
Pieper:
Sehr gerne.