Ihr SAT.1 Regionalmagazin für Rheinland-Pfalz und Hessen

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Start der Keltersaison

Sep. 10, 2025

Leuchtend grün oder knackig rot – so kommen sie in diesen Tagen in die Pressen der Keltereien. Wer selbst Apfelbäume besitzt, hat wahrscheinlich aktuell auch alle Hände voll zu tun – und so geht es auch den Apfelwinzern, die gerade fleißig ihre Tanks für den neuen Ebbelwoi füllen. Pünktlich zum Herbstanfang geht sie in Hessen los – die Keltersaison.
Die Bäume hängen voll, der regenreiche Sommer hat für pralle Äpfel gesorgt. Nach zuletzt drei eher überschaubaren Jahren erwarten die hessischen Kelterer mit 10.000 bis 15.000 Tonnen Obst eine reiche Ernte.

Martin Heil, Verband der Hessischen Apfelwein und Fruchtsaft-Keltereien
„Mit jedem Sonnenstrahl wächst der Fruchtzuckergehalt. Und mit jedem bisschen Regen wächst der Apfel. Und von daher ist das einfach eine gute Kombination, dass wir jetzt schon Äpfel bekommen in den Keltereien, die viel Fruchtzucker haben ungewöhnlich viel für den frühen Zeitraum.“

Spritzig, herb-süß – so soll der Apfelweinjahrgang 2025 werden. Besser als vergangenes Jahr.

Louis Walther, Kelterer in Bruchköbel
„Wir hatten letztes Jahr einige Probleme damit, dass er recht hell war. Und der Säuregehalt ist dieses Jahr viel besser, weil die Sonne nicht so extrem war. Letztes Jahr zum Beispiel hatten wir sehr viel Sonne und sehr wenig Regen, d.h. wenig Obst und vor allem sehr süßes Obst“

Im Schnitt produzieren die hessischen Verbandskeltereien bis zum Saisonende Anfang November zusammen 33 Millionen Liter Apfelwein.
Durch die gute Ernte sei der Anteil heimischer Äpfel dieses Jahr höher.
Sorgen macht den Kelterern neben der Konkurrenz durch internationale Großkonzerne jedoch der Apfelnachschub.

Martin Heil, Verband der Hessischen Apfelwein und Fruchtsaft-Keltereien
„Wenn dann einer nach Feierabend keine Lust mehr hat, sich auf einer Obstwiese auszutoben, kann man das ein bisschen verstehen. Auf der anderen Seite geht man aber auch ins Fitnessstudio, naja gut, da kann ich auch auf die Obstwiese.“

Louis Walther, Kelterer in Bruchköbel
„Wir haben vor allem viele ältere Leute, die am Silo ihre Äpfel abgeben und man merkt schon, dass die jüngere Generation nicht so nachrückt, wie es für uns notwendig wäre. … Man kann sagen, dass diese ganze Streuobstwiesenkultur und das Lesen, dass das ein bisschen ausstirbt. … Wenn alle Keltereien wenig Obst bekommen, dann ist diese Kultur halt auch bedroht.“
Deshalb zähle jeder Apfel, den Privatleute noch zum traditionellen Lohnmosten vorbeibringen, also als Tauschgeschäft für Saft oder Wein.

Klaus Ott, hat Gartenäpfel zum Lohnmost abgegeben
„Da muss ich jetzt ganz offen und ehrlich antworten: Für mich ist das gar nicht so anstrengend. Das macht nämlich gerne meine Frau die hat so einen Apfelpflücker, das liebt die (lacht) … Wir hatten früher zehn Bäume und haben jetzt nur noch zwei. Also die Bäume, die jetzt abgestorben sind, die wurden gefällt und nicht ersetzt, warum auch immer. Sie wurden halt nicht ersetzt. Und wenn es Anderen genauso geht, dann wird die Ernte natürlich geringer ausfallen.“

Bis zu 400 Kilo wird der Garten von Familie Ott wohl wieder beisteuern. Die Apfelweinkelterer hoffen noch auf viele weitere Lieferungen für Hessens flüssiges Kulturgut.