Im Studio: Staatskanzlei-Chef Fedor Rose (SPD)
2022: Viele Ukrainer fliehen vom russischen Angriffskrieg, suchen Schutz. Auch in Rheinland-Pfalz. Der Verein „Wäller helfen“ schaltet sich ein. Innerhalb von sechs Wochen bringt der Verein mit seinen ehrenamtlichen Helfern 500 ukrainische Familien unter, vermittelt 700 private Wohnmöglichkeiten.
Nur ein Beispiel für die ehrenamtliche Arbeit des Vereins für Nachbarschaftshilfe. Angefangen hat alles zu Beginn der Corona-Pandemie.
Björn Flick, Vorsitzender „Wäller helfen e.V.“
„Wo wir einfach dachten, wenn ab Montag alles zu ist, keiner wusste, was das heißt, vielleicht sollte man sich im Ort ein bisschen vernetzen, um sich gegenseitig zu unterstützen. Und dann haben wir Samstagabends die Facebook-Gruppe „Wäller helfen“ gegründet. Und sind einfach bis heute massiv explodiert damit.“
Mittlerweile erreichen den Verein 100 Hilfsanfragen pro Monat. Innerhalb von fünfeinhalb Jahren bewegt „Wäller helfen“ mehr als 10.000 Menschen dazu, sich ehrenamtlich zu engagieren.
Björn Flick, Vorsitzender „Wäller helfen e.V.“
„Wer mäht mir den Rasen? Wer schaufelt mir den Schnee? Wer fährt mich mal zum Arzt von A nach B? Mein persönliches Credo ist einfach: Vom auf der Couch sitzen und Nichtstun, kann ich nichts bewegen. Also man muss einfach schon mal aufstehen und dann kann man in der Gesellschaft eigentlich auch was erreichen. Und das Ehrenamt ist eine tragende Säule dieser Gesellschaft. Und deshalb kriegt mich auch keiner Müde mich so intensiv damit zu beschäftigen und Leute zu begeistern.“
Eine neue App soll jetzt die Vermittlung der Nachbarschaftshilfe erleichtern: Wer im Westerwald, Neuwied oder Altenkirchen Hilfe braucht, kann sein Anliegen in der App beschreiben. Dann bekommen alle anderen direkt eine Benachrichtigung auf Ihrem Handy.
Björn Flick, Vorsitzender „Wäller helfen e.V.“
„Grundsätzlich haben wir herausgefunden, dass uns eine ganze Generationengruppe verloren geht, die auf unseren bisherigen Kanälen einfach nicht aktiv war. Und das Schöne ist einfach, mit einem Tastendruck, mit einer Push-Mitteilung erreichen wir einfach in ganz, ganz kurzer Zeit, ganz, ganz viele freiwillige und ehrenamtliche Helfer und jeder sucht sich gerade das raus, was für ihn am besten passt.“
Björn Flick will mit seinem Verein weitermachen. Denn mittlerweile sind viele Menschen auf die Hilfen angewiesen, sagt er.
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Markus Appelmann, Moderator:
Politischer Ansprechpartner für das Ehrenamt in Rheinland-Pfalz ist die Staatskanzlei und der Chef der Staatskanzlei ist bei mir. Fedor Rose. ich grüße Sie.
Fedor Rose (SPD), Chef der Staatskanzlei RLP:
Hallo Herr Appelmann.
Appelmann:
Herr Rose, sind Sie denn – erst mal persönlich gestartet – auch ehrenamtlich engagiert oder lässt das Ihr Terminkalender einfach nicht mehr zu?
Rose:
Ja, mittlerweile ist der Terminkalender wirklich eng gefüllt und gut getaktet. Aber mein ehrenamtliches Engagement ist in vielen Bereichen gewesen, war sportlich aktiv, im Verein aktiv, war kirchlich engagiert und lass das nicht so ganz los. Auch wenn ich kein Amt mehr habe, bin ich noch unterwegs.
Appelmann:
Rheinland-Pfalz ist ganz vorne in Sachen Ehrenamt. Was macht da Rheinland-Pfalz anders als andere Bundesländer? Oder ist es einfach die Mentalität der Rheinland-Pfälzer?
Rose:
Ich glaube, das ist so die Mischung. Wir sehen, dass wir ganz viele Menschen in Rheinland-Pfalz haben. Wir haben es ja jetzt auch im Film gesehen, dass man sich ehrenamtlich engagiert, dass man sich einbringt in die Gemeinschaft. Das ist schon was ganz Spezielles. Da können wir auch wirklich stolz sein. 42 % der Rheinland-Pfälzerinnen und Rheinland-Pfälzer, also 1,5 Millionen, sind ehrenamtlich engagiert. Ich glaube, das ist einfach schon mal eine Marke für sich. Und natürlich begleiten wir das als Landespolitik sehr engagiert und schauen, dass wir mit Förderung, mit Unterstützung, aber eben auch mit Auszeichnung und mit Dankeschön sagen dafür sorgen, dass die Menschen ehrenamtlich engagiert bleiben.
Appelmann:
Sie haben gerade das Dankeschön angesprochen, die Auszeichnung, den Ideenwettbewerb Ehrenamt in Rheinland Pfalz haben die “Wäller helfen” gewonnen, haben wir gerade im Beitrag gesehen, aus dem Westerwald. Die haben auch digitale Innovationen eingeführt in dieses Ehrenamt, damit man auch gut vernetzt ist als Ehrenamtler. Wie wichtig ist es denn, mit dem Ehrenamt auch mit der Zeit zu gehen?
Rose:
Sehr wichtig. Denn wenn man sich unterhält mit den Menschen, die in den Vereinen, in den Initiativen engagiert sind, dann sagen die schon: “Schaut, dass wir die Möglichkeiten haben, uns auch im 21. Jahrhundert zu engagieren”. Und deswegen haben wir viele Unterstützungsangebote für digitale Tools. Aber natürlich auch wir haben einen digitalen Werkzeugkoffer, den man quasi nutzen kann. Wir haben Technikverleih, wenn man selber mal was Außergewöhnliches produzieren will und so. Wir sind da breit aufgestellt bei uns in der Leitstelle Ehrenamt und bürgerschaftliches Engagement. Und da gehen wir auch mit der Zeit und schauen, dass wir die Herausforderungen, die das Ehrenamt hat, auch gut begleiten können.
Appelmann:
Jetzt haben wir eine große Veranstaltung vor der Brust, vor allem Sie, den Ehrenamtstag in Alzey am Sonntag. Wer ist da alles eingeladen und was gibt es zu erleben?
Rose:
Alle sind eingeladen und es gibt ganz viel zu erleben. 55 Initiativen aus allen Bereichen des Ehrenamtes stellen sich vor. Wir haben eine Blaulichtmeile, das heißt also die Blaulichtfamilie – Feuerwehr, THW, Rettungswesen, die stellen sich alle vor und da kann man auch mal in die einen oder anderen Gerätschaften reinschauen, die Kinderaugen vielleicht ein bisschen größer werden lassen. Wir haben auch Bühnenprogramm, Musik geht am Vorabend los mit einem musikalischen Opening und die Familienprogramme sind natürlich auch in der ganzen Stadt verteilt. Alzey wird zum Familienort.
Appelmann:
Die Einladung zum Ehrenamtstag Rheinland-Pfalz von Feder Rose, vom Chef der Staatskanzlei. Danke, dass Sie heute im Studio waren.
Rose:
Vielen herzlichen Dank.









