Seltene Berufe – Die Feintäschnerin
Karla Marquardt, Feintäschnermeisterin in Obertshausen
Ich designe die Handtaschen selber. Das macht mir Spaß. Ich kann selber auch entscheiden, welche Farben ich dafür nehme. Ich hab gerne bunte Sachen. […] Der Umgang mit dem Leder, ist ein ganz tolles Material, sehr flexibel. […] Ich heiße Karla Marquardt und bin von Beruf Feintäschnermeisterin.
Karla Marquardt in ihrer Werkstatt in Obertshausen bei Offenbach. Als selbständige Feintäschnerin stellt sie Lederwaren wie Handtaschen her, aber auch Geldbörsen, Etuis, Gürtel und mehr. Dafür greift sie zu Skizze, passendem Leder und zwei verschiedenen Schnittmustern.
Karla Marquardt, Feintäschnermeisterin in Obertshausen
Ich brauche halt einen Rand drum herum, für die Verarbeitung, um hinterher das Leder einzuschlagen. Deshalb trennt man das, das ist einmal das Zuschneidmuster und das ist einmal das Arbeitsmuster. Die muss ich vorneweg natürlich machen.
Feintäschnerin – ein vielfältiger Handwerksberuf, wie die Herstellung dieses Handgriffs zeigt. Karla Marquardt verklebt Lederstreifen mit verschiedenen Einlagen. Mit Messern und anderem Werkzeug trennt sie Ecken ab, schlägt Kanten ein, formt Rundungen. Dann kommt die Nähmaschine zum Einsatz. Von der klassischen Handtasche bis zur Sonderanfertigung – immer wieder sucht Karla Marquardt die Herausforderung.
Karla Marquardt, Feintäschnermeisterin in Obertshausen
Zu gucken, wie krieg ich den Schnitt hin, wie krieg ich die Konstruktion hin. Passt das dann auch hinterher. Und wenn das dann fertig vor mir steht, und das hat alles gepasst, ist auch toll.
Die Ausbildung zur Feintäschnermeisterin führt sie Ende der 80er Jahre nach Offenbach, einst bedeutendes Zentrum für lederverarbeitendes Gewerbe. Berufserfahrung sammelt sie in sechs Betrieben. Einer nach dem anderen gibt auf – nicht so Karla Marquardt. 2018 macht sie sich selbständig, mit ihrer eigenen Manufaktur und so manchem Relikt aus der Vergangenheit, wie dieser Spaltmaschine aus den 60er Jahren.
Karla Marquardt, Feintäschnermeisterin in Obertshausen
Die brauch ich, um das Leder in der Fläche dünner zu machen. Das heißt, zum Verarbeiten bestimme ich, wie dünn das Leder sein muss. Dann kann ich das hier durchhalten. Und dann hab ich eine gewünschte Stärke und kann’s gut weiterverarbeiten.
Da sind ein gutes Auge, Fingerfertigkeit und Geduld gefragt. Bis eine Tasche fertig ist, vergehen schon mal 25 Stunden. Meist in einsamer Stille.
Karla Marquardt, Feintäschnermeisterin in Obertshausen
Ich sitze hier manchmal tagelang und vertiefe mich in ein Modell, Taschenmodell, wo ich mir gedachte habe: So das probierst du jetzt aus, das willst du jetzt machen. Und dann, so knips – ich bin weg […] und arbeite vor mich hin. […] Ich liebe meinen Beruf, ich mach den leidenschaftlich. Ich würd nie was anderes machen. Und ich mach das, so lange ich’s kann.
Ein Beruf mit ungewisser Zukunft. Ausbildungs– und Arbeitsplätze sind hierzulande rar geworden. Für Einzelkämpferin Karla Marquardt heißt das auch, sich immer wieder neu zu erfinden. Mit kreativen Eigenkreationen und viel Liebe zum Detail.









