Ältestes Jugendzentrum in Darmstadt schließt
Die Band Scheiba bei ihren Proben in der Hütte in Darmstadt. Seit über drei Jahren nutzen die Jungs die Räumlichkeiten. Probieren sich als Musiker aus, knüpfen Kontakte und dienen als Ansprechpartner für die Jüngeren. Als sie von der geplanten Schließung erfahren, sind sie fassungslos.
Mauricio Homberg, Band Scheiba
„Ein ganzes kulturelles Netzwerk von Menschen, die Musik machen, von Menschen, die Poetry Slam machen, Theater, Tanz: All das kommt hier zusammen und vernetzt sich. Und diese Vernetzung fällt weg.“
Sebastian Nieraad, Band Scheiba
„Das erste Gefühl ist eine gewisse Art von Unglaube und auch eine gewisse Art von Machtlosigkeit. Erst mal die ganz große Frage dann für uns war jetzt: ‚Was machen wir‘?“
Es folgen Kundgebungen und Petitionen, um auf die drohende Schließung aufmerksam zu machen.
Das Jugendzentrum wird 1958 eröffnet. Seitdem gibt es Feste, Freizeitangebote und einfach einen Ort an dem Kinder und Jugendliche zusammenkommen können. Doch Anfang des Jahres dann der Schlag ins Gesicht. Die Hütte muss saniert werden. Kostenpunkt – rund 200.000 Euro.
Eine Summe, die die Kirche als Träger nicht zahlen kann und den Vertrag mit wem? kündigt. Die Entscheidung sei den Verantwortlichen nicht leicht gefallen.
Sven Sabary, stellv. Dekan Evangelisches Dekanat Darmstadt
„Das Dilemma ist seit Jahren bekannt. Der gesellschaftliche Wandel macht auch vor der Kirche nicht Halt. Wir haben deutliche Austrittszahlen und wenn unser Mitgliederbestand schwindet, dann schwindet natürlich auch unsere finanzielle Kraft. Wenn sie keine Miete und keine Einnahmen bekommen, dann können sie auch keine Rücklagen bilden, um aus den Rücklagen dann anstehende Sanierungen zu bezahlen.“
Man habe direkt den Kontakt mit den Verantwortlichen der Stadt gesucht, doch schnell ist klar: Auch die möchte nicht in das Gebäude investieren.
Barbara Akdeniz (Bündnis 90 / Die Grünen), Bürgermeisterin Darmstadt
„Also das ist ein Grundstück auf dem verschiedene Einrichtungen der evangelischen Kirche, des Dekanats, stattfinden. Hinten hat das Dekanat ja alles frisch umgebaut, obendrüber ist Stadtjugendpfarramt. Es ist kein Gebäude was sich herauslösen lässt separat. Es ist auch für uns keine Option auf so einem Grundstück ein Gebäude zu kaufen.“
Da die offene Kinder- und Jugendarbeit ein kommunales Angebot ist, gilt es jetzt schnellstmöglich neue Räumlichkeiten zu finden.
Das Jugendzentrum bleibt noch bis Ende des Jahres geöffnet. In der Zeit wollen die betroffenen aber weiter um den Fortbestand ihrer Hütte kämpfen, zum Beispiel mit Spendenaktionen.









