Ihr SAT.1 Regionalmagazin für Rheinland-Pfalz und Hessen

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Diskussion über Migrationsquote an Schulen

Juli 11, 2025

Eine Migrationsquote an Schulen hat Bundesbildungsministerin Karin Prien jetzt in Spiel gebracht. Schnell hagelte es Kritik aus allen Ecken. Der Vorschlag der CDU-Politikerin sei rassistisch, populistisch und nicht umsetzbar. Doch Fakt ist auch: Es gibt ein Problem an deutschen Schulen. Ein Problem, das dringend angegangen werden muss. Viele Kinder sprechen bei ihrer Einschulung kaum Deutsch. Trauriges Negativbeispiel: die Gräfenau-Grundschule in Ludwigshafen.
Die Grundschule Gräfenau in Ludwigshafen – sie sorgt immer wieder für Schlagzeilen. Regelmäßig bleiben hier pro Schuljahr rund 30 Erstklässler sitzen. So auch in diesem Jahr. Ein Grund dafür: Mangelnde Deutschkenntnisse. Denn viele Kinder hier sprechen zuhause in ihren Familien kaum oder gar kein Deutsch. Fast alle haben einen Migrationshintergrund.
Doch eine Migrationsquote, wie sie Bundesbildungsministerin Karin Prien angedacht hat, sei an den Grundschulen im Land schlicht nicht umsetzbar, sagt der rheinland-pfälzische Bildungsminister Sven Teuber. Das sähe man auch am Beispiel Gräfenauschule.

Sven Teuber (SPD), Bildungsminister RLP
„Weil das in allen Schulen in Ludwigshafen nahezu über 50 Prozent an Migrationshintergrund gibt. Das hieße für ganze viele Kinder, ihr fahrt entweder an andere Schulen – entweder nach Worms oder nach Speyer – und das können wir ja nicht wirklich Familien und Kindern erzählen.“

Die Rektorin der Grundschule, Barbara Mächtle, wünscht sich, dass Kinder besser und vor allem früher gefördert werden – bereits VOR der Einschulung.

Barbara Mächtle, Leiterin Gräfenauschule Ludwigshafen
„Kinder können in einem Jahr nicht Sprache lernen und alle anderen Kompetenzen. Da brauchen sie Zeit und wenn sie diese Zeit erst in der Schule bekommen und die Förderung die sie brauchen, dann wird sich dieses Problem nicht lösen lassen.“

So sieht das auch die neue schwarz-rote Bundesregierung. Im Koalitionsvertrag heißt es, man wolle „die verpflichtende Teilnahme aller Vierjährigen an einer flächendeckenden, mit den Ländern vereinbarten Diagnostik des Sprach- und Entwicklungsstands einführen“. Gäbe es Förderbedarf müsse das Land für „geeignete, verpflichtende Fördermaßnahmen und –konzepte“ sorgen.
Genau das mache man bereits in Hessen, sagt Armin Schwarz, der zuständige Bildungsminister. Hier hat jeder zweite Grundschüler einen Migrationshintergrund. Die Landesregierung setzt unter anderem auf Sprachtestes in den Kitas und auf Tests ein Jahr vor der Einschulung.

Armin Schwarz (CDU), Bildungsminister Hessen
„Ein Drittel eines Jahrgangs in Hessen nehmen mittlerweile für ein Jahr an den verpflichtenden Deutschkursen statt, teil. Damit die entsprechend fit sind für die ersten Klasse. Das ist ein guter Einstieg. Und im Übrigen dort, wo wir besondere Brennpunkte sehen, senden wir mehr Lehrer hin, da haben wir eine besondere Lehrerzuweisung. Auch das hilft sehr.“

Außerdem bekämen alle Zweitklässler seit einem Jahr eine Stunde Deutschunterricht pro Woche zusätzlich. So ist es auch in Rheinland-Pfalz. Und künftig soll hier der Sprachstand ALLER viereinhalbjährigen Kinder erhoben werden. Dazu startet jetzt ein Pilotprojekt in 300 Kitas.

Sven Teuber (SPD), Bildungsminister RLP
„In den Kitas werden Verfahren mit den Kitas entwickelt und der Wissenschaft, um dann gezielte Fördermaßnahmen anzuordnen, die dann auch dafür sorgen, dass Kinder mit einem guten Sprachstand schon in die Schule kommen.“

Der rheinland-pfälzische Philologen-Verband fürchtet der Vorstoß könnte „am Ende nicht mehr als heiße Luft sein“ und dass man es beim „Hinschauen und Erforschen bewenden lasse“.
So oder so: Für die Kinder, die nach den Sommerferien eingeschult werden, kommt dieser Vorstoß zu spät – auch für die Kinder an der Ludwigshafener Gräfenauschule.