Diskussion um neues Jagdgesetz
Christoph Hildebrandt ist unterwegs durch sein 485 Hektar großes Revier, bei Weinsheim im Kreis Bad Kreuznach. Der Berufsjäger hat auf neun solcher Flächen im Wald Kräuterwiesen angelegt – als Futter für Wildtiere, um Schäden im Wald zu reduzieren. Wo das Wachstum junger Bäume gefährdet sei, werde intensiver gejagt. In Rheinland-Pfalz würden über 100.000 Rehe pro Jahr geschossen, Tendenz steigend.
Christoph Hildebrandt, Landesjagdverband Rheinland-Pfalz
„Aber, dass das jetzt noch mal zentralisiert werden soll, dass das von behördlicher Seite uns auch noch weiter vorgeschrieben werden soll, wenn ihr das nicht umsetzt, ein Kündigungsrecht eingeführt wird, ein Sonderkündigungsrecht. Immer mit dem Ziel vor Augen, noch mehr zu schießen.“
Ein wesentlicher Kritikpunkt am neuen Jagdgesetz, das derzeit im rheinland-pfälzischen Landtag debattiert wird. Dagegen laufen viele Jäger Sturm, wie hier am Rande des Landesparteitags der Grünen in Idar-Oberstein. Ihr Protest richtet sich gegen das zuständige Umweltministerium. Dort hat man wenig Verständnis für den Unmut der Jäger.
Erwin Manz (Bündnis 90 / Die Grünen), Staatssekretär Umweltministerium Rheinland-Pfalz
„Wir haben sogar manches dereguliert, dass dort Waldbesitzende und Jäger eben privatrechtlich Vereinbarungen machen können. Sanktionen gibt es nur dort, wo Jäger ganz offensichtlich eben dieser Eigenverpflichtung nicht nachkommen und wo zu viel Verbiss ist.“
Die Hürde dafür sei aber hoch, hier setzt man auf Jagdkonzepte und Kooperation mit den Jägern. Christoph Hildebrandt ist überzeugt: Mehr Jagd schadet dem Wald, weil Wildtiere tiefer in ihn hinein getrieben würden.
Christoph Hildebrandt, Jäger aus Weinsheim
„Wenn die dann ihr Leben nur noch auf zwei bis fünf Hektar haben, dann ernähren die sich ein ganzes Jahr auf diesen fünf Hektar.“
Erwin Manz (Bündnis 90 / Die Grünen), Staatssekretär Umweltministerium Rheinland-Pfalz
„Es geht nicht drum, dass das ganze Jahr über Tag und Nacht gejagt wird. Und wirklich das Wild scheu gemacht wird. Man kann auch über Drückjagden, über Bewegungsjagden mit sehr kurzen, schnellen Eingriffen dafür sorgen, dass sehr effizient gejagt wird.“
Gezielte Maßnahmen also, um höhere Abschussquoten zu erreichen. Und genau dagegen wehren sich die Jäger. Darüber hinaus bleibt bei Christoph Hildebrandt und seinen Kollegen die Sorge, dass mit dem neuen Landesjagdgesetz künftig per Verordnung weitere Auflagen folgen könnten.
Christoph Hildebrandt, Landesjagdverband Rheinland-Pfalz
„Das ist eben so eine der Blackboxen, dass wir nicht wissen, was in diesem Verordnungsweg steht. Und das ist eben eine massive Grundlage für uns Jäger, dass wir auch wissen, was auf uns zukommt.“
Und so dürfte der Streit weitergehen. Auch im Parlament, das nun über das neue Landesjagdgesetz entscheiden muss, das in zwei Jahren in Kraft treten soll.









