Ihr SAT.1 Regionalmagazin für Rheinland-Pfalz und Hessen

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Steuersenkung soll Gastronomie entlasten

Apr. 16, 2025

Es ist ein Dauer-Hickhack-Thema: Die Mehrwertsteuer in der Gastronomie. In Corona-Zeiten von 19 auf 7 Prozent gesenkt – letztes Jahr wieder erhöht. Die Gastrobranche hat sich aber gewehrt – und das wohl mit Erfolg. Im neuen Koalitionsvertrag von Union und SPD steht drin, dass die Mehrwertsteuer wieder gesenkt werden soll. Was das für den Wirtschaftszweig – aber auch für uns als Restaurantkunden bedeutet – das wollten wir genauer wissen und sind dafür nach Bad Kreuznach gefahren.
Leckeres Essen – toller Service – gute Gespräche – erschwingliche Preise.
So sieht wohl die Traum-Vorstellung von Gastronomen und deren Kundschaft aus.
Doch die vergangenen Jahre, haben nicht nur die Preise, sondern auch die Existenzängste steigen lassen. Auch bei Andreas Röth. Seit 26 Jahren betreibt er gemeinsam mit seinem Geschäftspartner das Brauwerk in Bad Kreuznach.

Andreas Röth, Gastronom
„Es hat natürlich auch mit der Existenz zu tun, da wir ja die letzten fünf Jahre eigentlich ziemlich gebeutelt worden sind. Einmal – ich muss es leider immer wieder sagen – Corona, auch wenn’s jetzt ein paar Jahre her ist, aber wir zahlen heute noch Kredite ab davon und für uns ist das natürlich ein warmer Regen.“

Aufatmen- zumindest beim Mehrwertsteuersatz.
Und das kann man auch wenige Kilometer weiter in der Innenstadt hören – im Restaurant Mühlentor.
Für Geschäftsführerin Stephanie Hilgert ist die geplante Senkung der Mehrwertsteuer auf Speisen im Restaurant von 19 auf 7 Prozent ein dringend notwendiger Schritt, um auch international wettbewerbsfähig zu bleiben.

Stephanie Hilgert, Gastronomin
„Ich denke, dass wir auch gerade im internationalen Vergleich mit anderen europäischen Ländern einfach da mitziehen müssen, weil viele europäische Länder schon die 7 Prozent Mehrwertsteuer in der Gastro haben und da zieht Deutschland einfach nur nach.“

Seit dem Ukrainekrieg sind die Preise für Energie um knapp 30 Prozent, die Preise für Lebensmittel um rund 26 Prozent gestiegen. Im vergangenen Jahr haben deshalb alleine in Rheinland-Pfalz rund 500 Restaurants Insolvenz angemeldet oder ihren Betrieb ganz eingestellt.
Die Kunden in Bad Kreuznach begrüßen die Mehrwertsteuer-Senkung zwar, mit Vergünstigungen rechnen viele allerdings trotzdem nicht.

Stefanie Stüber, aus Groß-Gerau
„Ob die Preise sinken, wär auch schön, wenn man wieder zu guten Preisen essen gehen kann … ich glaub das allerdings nicht.“
Andreas Themann, aus Jugenheim
„Ich denke mal, wir leben in Deutschland, uns geht’s allen noch realtiv gut und wenn man losgeht und man isst was, dann sollte man nicht auf den Euro drauf gucken.“
Ralf Jensen, aus Kleve
„Also ich denke auch, dass wir als Verbraucher davon profitieren, also hoffe zumindest auch, aber ich finde es grade auch für die kleineren Gastronomiebetriebe sinnvoll auch.“

Runter auf 7 Prozent. Das war das erklärte Ziel von Gereon Haumann, dem Präsidenten des Hotel- und Gaststättenverbandes in Rheinland-Pfalz. Auch ihn haben wir gefragt, ob der Restaurantbesuch im nächsten Jahr denn wieder günstiger wird?

Gereon Haumann, Präsident DEHOGA Rheinland-Pfalz
„Unser Appell an alle Gastgeber in Rheinland-Pfalz ist, ihre Preise nach den entsprechenden Regeln zu kalkulieren. Das heisst, zu schauen: Welche Einstandskosten habe ich? Welche Mitarbeiterkosten haben ich? Welche Unternehmerlöhne muss ich einpreisen? Und da, wo Platz für Reduzierungen sind, weil in der Vergangenheit Preise angehoben wurden, da sollen die Betriebsinhaber damit verantwortlich umgehen und im Zweifel für den Gast dann auch hier ein Entgegenkommen zeigen und die Preise senken.“

Da bleibt also nur: Abwarten und Tee trinken – oder schön Essen gehen und es als das betrachten, was es ist: ein kleiner Alltagsluxus, der eben seinen Preis hat.