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Millionenbau in Bitburg liegt auf Eis

Apr. 16, 2025

Es ist nun fast genau drei Jahre her, da sorgten große Investitionspläne in der Eifel für Hoffnungen auf Tausende Arbeitsplätze und auf hohe Gewerbesteuereinnahmen. Damals wurde bekannt, dass der britische Sportwarenhändler Frasers auf dem Flugplatz in Bitburg ein großes Verteilzentrum bauen will. Seitdem lässt der Bau aber auf sich warten, vor allem weil die Klage eines Umweltverbandes das Projekt ausbremst. Bei den Investoren und Planern sinkt so langsam die Geduld, stattdessen steigt die Nervosität.
Viel fliegt hier nicht mehr am Bitburger Flugplatz. Zur Zeit des kalten Krieges ein wichtiger Nato-Stützpunkt, bis die US-Amerikaner hier Mitte der 90er Jahre Goodbye sagten und viele Arbeitsplätze verloren gingen. Neue Höhenflüge sollten die Pläne der britischen Frasers-Group versprechen, Jahresumsatz knapp 6,6 Milliarden Euro. Die Baugenehmigung für ihr europäisches Hauptquartier liegt auf dem Tisch des Landrats, doch noch darf er nicht unterschreiben.

Andreas Kruppert (CDU), Landrat Eifelkreis Bitburg-Prüm
„Ich würde gerne liebend unterschreiben, weil ich weiß, dass das für die gesamte Region wirklich ein unglaublich wichtiges Projekt ist, und daher tut es schon weh, dass wir da noch nicht weiter sind.“

Dass die Fließbänder nicht längst schon laufen, liegt an der Klage des Bundes für Umwelt und Naturschutz BUND gegen die Entscheidung der Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord. Die Behörde hatte der Firma für den Bau erlaubt, 38 Hektar geschützter Magerwiesen auf dem Fluggelände zu versiegeln. Aus Sicht des BUND ein Unding.

Agnes Tillmann-Steinbuß, Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND)
„Das ist ein bestimmter Biotoptyp, EU-weit geschützt und gerade bei uns im Kreis extrem selten geworden. Dazugehörig sind typische Kleinlebewesen, Feldlerchen, der seltene Raubwürger, Neuntöter und die Ausgleichsmaßnahmen sind Stückwerk, also sehr weit entfernt, sodass nicht einmal die Feldlerchen diese Bereiche erreichen können.“

Landrat Kruppert entgegnet: Alle Naturschutzvorgaben wurden erfüllt.

Andreas Kruppert (CDU), Landrat Eifelkreis Bitburg-Prüm
„Hier ist überhaupt nichts mit heißer Nadel gestrickt, hier sind wirklich ganz akribisch, dass diese Fläche sehr wohl an anderer Stelle dann erhalten werden kann und wahrscheinlich sogar in besserem Zustand, weil wir da diese Vorbelastung durch den Flugbetrieb nicht haben.“

Die Fläche sei nicht ersetzbar, sagen die Umweltschützer. Ihre Klage hatte das Verwaltungsgericht Trier zwar im vergangenen Jahr abgewiesen, doch der BUND hat Berufung vor dem Oberverwaltungsgericht Koblenz eingelegt. Dort rechnet man erst im Herbst mit einer Verhandlung. Solange liegen die Pläne der Frasers Group auf Eis. Die hatte angekündigt, 350 Millionen Euro zu investieren und 800 Arbeitsplätze zu schaffen. Bisher eine Luftnummer.

Andreas Kruppert (CDU), Landrat Eifelkreis Bitburg-Prüm
„Die Stimmung ist natürlich angespannt, weil man uns natürlich auch dauernd fragt: „Wann können wir damit rechnen dass es endlich losgeht?“. Aber das sage ich auch ganz klar: Solch lange Verfahren sind natürlich für die Entwicklung eines Wirtschaftsstandorts eine Katastrophe.“

In einem offenen Brief fordern CDU-Vertreter nun einen Rückzug der Klage, gleiches empfehlen auch SPD und sogar die Grünen. Die Eifeler Christdemokraten überlegen gar „auf die Straße zu gehen“ und werfen dem BUND eine ideologische Blockadehaltung gegen das Projekt vor.

Agnes Tillmann-Steinbuß, Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND)
„Das ist völlig falsch, also uns wird etwas unterstellt, theoretisch wären ja viele Kompromisse möglich, nur dass ein so großer Biotopkomplex insgesamt zerstört wird, da gibt es keinen Kompromiss.“

Inzwischen hat sich das rheinland-pfälzische Wirtschaftsministerium als Vermittler eingeschaltet und ein moderiertes Gespräch angeboten. Der BUND zeigt sich bereit dazu. Politik und Verwaltung wollen alle Hebel in Bewegung setzen um dem Großprojekt doch noch die Starterlaubnis zu erteilen.