Inklusiver Biohof in Steinau
Martina Kandziora arbeitet seit 12 Jahren auf dem Hofgut Marjoß, kümmert sich hier um die Pferde und Esel. In ihrer Arbeit mit den Tieren geht sie vollkommen auf.
Martina Kandziora:
„Für mich eigentlich mehr oder weniger der perfekte Arbeitsplatz. Weil ich wollte nie was anderes als mit Pferden arbeiten und das ist ja jetzt auch genau das, was ich hier machen kann und darf. (…) Letztendlich sehe ich mich auch in 20, 30, 40 Jahren noch hier, weil das wirklich mein Traumberuf ist, den ich hoffentlich noch sehr sehr lange so machen kann und hoffentlich auch immer machen kann.“
Ihr Weg bis hierhin war allerdings steinig. Verhältnismäßig spät, erst vor 5 Jahren, wird bei ihr eine Form von Autismus diagnostiziert, aber schon immer hat sie große Probleme sich räumlich zu orientieren und sich Dinge zu merken. Und diese Beeinträchtigungen machen ihr bereits früh das Leben schwer.
Martina Kandziora:
„Das hat ja eigentlich in der Schule schon angefangen, dass ich halt immer den anderen mehr oder weniger so hinterhergehinkt bin. Auch so mit Lernschwächen und auch in der Schule mit Mathe. So alles was mit Orientierung halt zusammenhing, war für mich einfach schwierig. So Erdkunde. Die waren alle schon fünf Seiten weiter im Atlas und hatten alle schon das Land gefunden und ich wusste nicht mal welche Seite im Atlas ich überhaupt nehmen soll.“
Auf dem Hofgut Marjoß bekommt sie die notwendige Zeit und Aufmerksamkeit. Und es gelingt ihr, über sich hinauszuwachsen. Neben Landwirtschaft bietet das BWMK auch Beschäftigungsangebote/Berufsfelder in den Bereichen Holz- und Metallverarbeitung, Textilpflege, Digitale Archivierung und Gastronomie. Sascha Schüßler ist als Betriebsleiter des BWMK neben dem Hofgut Marjoß noch für vier weitere Einrichtungen verantwortlich.
Sascha Schüßler, Betriebsleiter Behinderten-Werk Main-Kinzig e.V.:
„Wir wollen Beispiele geben, wie man Teilhabe am Arbeitsleben machen kann. Wie man Menschen mit Behinderung an einem Arbeitsprozess beteiligen kann. (…) Wir sagen: Wir organisieren den Nachteilsausgleich. Das heißt, wir schauen sehr individuell auf den Menschen. Welche Stärken hat er und was braucht er, damit er diese Tätigkeiten ausführen kann. Das können intensive Einarbeitungen, Anleitungen sein. Das können aber auch Hilfsmittel sein wie Piktogramme, Bilder. Dass wir die Arbeit so strukturieren, dass der Mensch in der Lage ist die Tätigkeiten auch eigenständig auszuführen.“
Und auch wenn es natürlich nicht in jedem Fall gelingt: Oberstes Ziel ist immer die Integration in den 1. Arbeitsmarkt. Auf dem Hofgut arbeiten insgesamt 50 Personen mit Behinderung. Neben einer sorgfältigen Einarbeitung durch Fachpersonal helfen vor allem auch klar strukturierte Wochenpläne bei der Erledigung der täglichen Aufgaben. So auch für Susanna Turban.
Susanna Turban:
„Meine Hauptarbeit ist hier Eier holen. Und wir müssen halt gucken, dass wir jedes Mal, jeden Tag nach dem Futter gucken müssen, wenn was, wo was fehlt, da müssen wir was reinmachen. (…) Ich finde die Arbeit total schön hier. Ich fühl mich total wohl hier. Mir macht das total Spaß, ich versteh mich mit den anderen.“
Und nicht nur die etwa 1000 Hühner brauchen viel Aufmerksamkeit. Denn neben Eiern und Geflügel produziert der Biohof auch Fleisch, hausgemachte Nudeln und Honig.
Währenddessen kümmert sich Martina Kandziora weiter um das polnische Kaltblut Lise und das Mini-Schetlandpony Lotte. Anderen Menschen mit Behinderung möchte sie Mut machen, die Angebote des Behinderten-Werks wahrzunehmen, sich beruflich auszutesten. Denn sie hat so ihr Plätzchen gefunden. Das Hofgut im Spessart ist mittlerweile ihr zweites Zuhause.









