Ihr SAT.1 Regionalmagazin für Rheinland-Pfalz und Hessen

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Drei Jahre Krieg in der Ukraine

Feb. 25, 2025

Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine hat sich diese Woche zum dritten Mal gejährt. Wir sprechen mit dem ukrainischen Generalkonsul in Frankfurt über die Friedensverhandlungen. Vorher aber werfen wir einen Blick auf die Menschen. Mehr als 53.000 Geflüchtete aus der Ukraine sind in Rheinland-Pfalz aufgenommen worden, knapp 100.000 in Hessen. Eine von ihnen – Nataliia aus Mykolajiw. Wir haben die junge Frau in ihrem neuen Zuhause in Ober-Ramstadt besucht.
Nataliia ist 26 Jahre alt, als sich ihr Leben schlagartig ändert. Russland marschiert im Februar 2022 in die Ukraine ein, seitdem befindet sich das Land im Krieg. Zwei Monate nach Kriegsbeginn flieht die junge Frau nach Deutschland – allein.

Nataliia
„Meine Eltern sind alt. Sie wollen nicht, sie haben gesagt, das ist zu schwer mit der Sprache. Ich mache mir immer Sorgen, manchmal habe ich Nachrichten gesehen und es kommen Raketen und ich mache mir Sorgen. Und ich habe angerufen, aber meine Eltern haben nicht geantwortet. Und ich habe großen Stress.“

Das ist leider kein Einzelfall. Wegen des Krieges ist die Internetverbindung oft schlecht und das Telefonnetz abgeschnitten. Zuletzt hat sie vor drei Monaten mit ihren Eltern telefoniert. Ihre Heimatstadt ist Mykolajiw, das nah am Schwarzen Meer liegt. Und nah an der Stadt Cherson direkt an der Frontlinie, um die seit Beginn des Krieges ein erbitterter Kampf herrscht.

Nataliia
„Wegen diese ich kann nicht in die Ukraine fahren. Zum Beispiel ich habe Urlaub, aber ich kann nicht fahren. Meine Eltern haben gesagt: ‚Nein Nataliia du musst in Deutschland bleiben‘. Keine Chance jetzt. Aber ich vermisse meine Eltern. Ich möchte sie sehen, aber keine Chance jetzt.“

Im ersten Jahr wohnt Nataliia bei einer Gastfamilie, mittlerweile hat sie eine eigene kleine Wohnung. In Hessen hat sich die junge Ukrainerin ein neues Leben aufgebaut. Sie arbeitet als Verkäuferin in einer Bäckerei und besucht Deutschkurse. Ihr Ziel:

Nataliia
„Ich hätte gerne eine Ausbildung. Aber Probleme mit Sprache. Ich muss lernen und nicht nur lernen. Ich muss mit deutschen Leuten Kontakt haben. Ohne Kontakt geht es nicht.“

Die ständige Angst und der Stress haben ihre Spuren hinterlassen. Auch wenn sie hofft, dass der Krieg in der Ukraine bald vorbei ist – Ihre Zukunft sieht sie in Deutschland.
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Markus Appelmann, Moderator:
Das ist ein Schicksal von vielen. Bei uns ist jetzt der ukrainische Generalkonsul in Frankfurt im Studio, Vadym Kostiuk. Ich grüße Sie.
Vadym Kostiuk, Generalkonsul Ukraine:
Guten Tag.
Appelmann:
Herr Kostiuk, wie geht es den Ukrainern nach diesen drei Jahren Krieg?
Kostiuk:
Die Ukrainer kämpfen weiter. Die Ukrainer versuchen alles Mögliche zu tun, damit dem Land geholfen wird. Dass der ukrainischen Armee auch geholfen wird, dass jeder Verwandte, ihre Bekannte in der Ukraine sich besser fühlen. Wenn ihre Kinder, wenn ihre Urenkel auch sich in Deutschland befinden, in anderen Ländern, die unsere geflüchteten Personen auch hier aufgenommen haben. Wir glauben alle an den Sieg. Wir glauben alle, dass unser Land frei wird und dass die meisten Ukrainer so schnell wie möglich in ihre Heimatorte zurückkehren können.
Appelmann:
Wir haben gerade in diesem Beispiel gesehen, man wünscht sich Frieden. Jetzt haben Friedensverhandlungen begonnen zwischen USA und Russland. Die Ukraine ist bei diesen Friedensverhandlungen nicht dabei. Was halten Sie davon?
Kostiuk:
Das hat wenig Sinn, die Verhandlungen über Frieden zwischen der Ukraine und Russland zu führen ohne die Ukraine, ohne unseren westlichen Partner, sei es Europa, seien es die Länder der Europäischen Union. Letztendlich dieser Krieg befindet sich in Europa und europäische Länder müssen die wichtigste Rolle bei solchen Verhandlungen spielen.
Appelmann:
Heute Nachmittag waren sie zu Gast im Hessischen Landtag und die Landtagspräsidentin Astrid Wallmann hat an den russischen Überfall auf die Ukraine vor drei Jahren erinnert. Wir hören mal, was sie gesagt hat.

Astrid Wallmann (CDU), Präsidentin Landtag Hessen
„Doch in der vergangenen Woche mussten wir erkennen, dass in dieser Hinsicht selbst unsere schlimmsten Befürchtungen noch übertroffen wurden: Nicht nur wurde über die Ukraine und ihre europäischen Freunde hinweg ein Verhandlungsprozess mit Russland vereinbart, sondern in bislang beispielloser Weise erfolgte eine Täter-Opfer-Umkehr, indem nicht mehr dem autoritären Aggressor, sondern dem demokratisch legitimierten Verteidiger die Verantwortung für den Krieg zugesprochen wurde.“

Appelmann:
Frau Wallmann spricht von „Täter-Opfer-Umkehr“. Der amerikanische Präsident hat den ukrainischen Präsidenten Diktator genannt. Als Sie das gehört haben, was haben Sie da gedacht?
Kostiuk:
In den letzten Monaten haben in vielen Ländern die Regierungen gewechselt, und ich hoffe, dass es der Einzelfall wird, wo die Regierung noch nicht so gut sich in der Situation auskennt. Und ich hoffe, dass die Administration alles Mögliche dafür tut, dass der Vorsteher der amerikanischen Regierung, der Präsident Trump, sich besser in den Stoff hinein taucht und sich besser auskennen wird. Letztendlich ist es uns wichtig, was man macht und nicht das, was man sagt.
Appelmann:
Das haben Sie jetzt ganz diplomatisch natürlich ausgedrückt. Was braucht die Ukraine am dringendsten von Deutschland? Was ist die Rolle Deutschlands?
Kostiuk:
Wir hoffen sehr, dass in einigen Wochen, wenn die neue Regierung steht, Deutschland noch stärker die ukrainische Position einnimmt. Letztendlich kämpft die Ukraine nicht für eigenes Territorium. Wir kämpfen für die Freiheit des ganzen Europas und wir hoffen, dass weitere Hilfen, Finanzmittel, aber auch Waffen und Munition aus Deutschland und aus anderen westlichen, westeuropäischen Ländern nach Ukraine kommen werden.
Appelmann:
Sie kämpfen für die Freiheit Europas, haben Sie gerade eben gesagt. Jetzt hat heute der französische Präsident Emmanuel Macron den amerikanischen Präsidenten getroffen. Sehen Sie das da so eine Art Waffenruhe in der Luft liegt, oder ist das noch in weiter Ferne?
Kostiuk:
Das spüre ich persönlich noch nicht. Aber ich hoffe, dass diese Vorgehensweise dazu führen wird, dass die erste Schritte zum großen Frieden gemacht werden.
Appelmann:
Dankeschön an den ukrainischen Generalkonsul in Frankfurt, Vadym Kostiuk, heute im Studio.
Kostiuk:
Danke schön.