Hessisches Kabinett tagt in Kindertagesstätte
In Hessens Kindertagesstätten arbeiten immer weniger Vollprofis, so das Fazit einer kürzlich veröffentlichten Studie der Bertelsmann Stiftung. Im letzten Jahr gab es in Hessen nur in 36 Prozent der Kita-Teams eine sogenannte „hohe Fachkraftquote“, bei der mehr als acht von zehn pädagogisch Angestellten über mindestens einen einschlägigen Fachschulabschluss verfügen. Und das bringt viele Nachteile mit sich, wie Verena König vom Kita-Fachkräfte-Verband weiß.
Verena König, Kita-Fachkräfte-Verband Hessen e.V.
„Weil die Personen, die gerne kommen möchten, die gerne in diesem Beruf arbeiten möchten, ganz oft überlastet sind und gar nicht wissen, wie sie adäquat pädagogisch darauf reagieren können, sondern halt aus dem Bauchgefühl und das ist halt nicht immer vorteilhaft. Nicht vorteilhaft für die Entwicklung, nicht vorteilhaft für die Personen, die gerne diesen Beruf ausüben möchte und da unheimlich an ihre Grenzen stößt.“
Während Erzieher eine klassische fünfjährige Ausbildung erhalten, müssen Quereinsteiger nur eine 160-stündige Qualifizierung abschließen. Diese Problematik war ein Thema bei der heutigen Kabinettsitzung der Hessischen Landesregierung in einer Wiesbadener Kita. Einer der zentralen Beschlüsse: Sogenannte „ Kita-Assistenzen“ sollen ab Sommer 2025 nichtpädagogische Aufgaben in den Kitas übernehmen und die Erzieher so entlasten.
Heike Hofmann (SPD), Sozialministerin Hessen:
„Die helfen zum Beispiel beim Anziehen der Kinder, wenn sie rausgehen wollen. Beim Schuhe binden. Die helfen beim Essenanreichen. Die unterstützen die Fachkräfte im nichtpädagogischen Bereich der Einrichtungen und sind deshalb ein Zugewinn, wir wollen 800 Plätze schaffen.“
Zudem wird der Landtagsabgeordnete und ehemalige Pädagoge Alexander Bauer zu Hessens erstem Kinderschutzbeauftragten, eine Fachstelle für Kinderrechte wird eingerichtet und eine Reihe von Landesprogrammen ausgeweitet. Aus Sicht der hessischen Landesregierung sind diese Beschlüsse ein wichtiger Schritt.
Boris Rhein (CDU), Ministerpräsident Hessen:
„Für mich bleibt als Fazit, dass wir mit diesem Maßnahmenpaket die Bildungs- und Betreuungsqualität stärken. Dass wir intensiver werben um Fachkräfte. Dass wir insbesondere Erzieherinnen und Erzieher von bürokratischen Aufgaben entlasten wollen. Und wir unterstützen die Kommunen trotz schwieriger Haushaltslage beim Platzausbau.“
Aus der hessischen Opposition kommen kritische Stimmen. Aus Sicht der hessischen Afd mindert die geringere Fachkraftquote die Qualität der pädagogischen Arbeit und gefährdet eine gute Betreuung und Bildung der Kinder. Für die hessische Grünen-Fraktion fehlt es im Maßnahmenpaket von Schwarz-Rot an zentralen Lösungen.
Für den Kita-Fachkräfte-Verband Hessen ist klar: Das Berufsbild Erzieher muss deutlich attraktiver werden. Um das vorhandene Personal halten und Neuzugänge gewinnen zu können. Um der Kinder Willen, denn sie seien unsere Zukunft.









