Streik bei VW in Baunatal
Zwei Stunden vor ihren eigentlichen Schichtenden verlassen die VW-Mitarbeiter heute ihren Arbeitsplatz. Die IG-Metall Nordhessen hat zu den flächendeckenden Warnstreiks aufgerufen. Die Gewerkschaft fordert eine Lohnerhöhung um 7%, dazu 170 Euro pro Monat mehr für Auszubildende. Rund 15.000 Beschäftigte legen dafür vorzeitig ihre Arbeit nieder und damit die Produktion lahm.
Carsten Büchling, Betriebsratsvorsitzender VW Baunatal
„Das richtet wirtschaftlichen Schaden an, das ist ja auch Ziel von solchen Warnstreikmaßnahmen. Das Unternehmen durch Druck zu bewegen sich selbst zu bewegen.“
Obwohl die aktuellen Tarifverhandlungen der offizielle Streikanlass sind, geht es in Baunatal um weitaus mehr. Die VW-Geschäftsleitung in Wolfsburg plant mit Lohnkürzungen, Entlassungen und Standortschließungen. Die Angst und der Frust unter den Arbeitnehmern sind groß.
„Ich bin nicht umsonst hier hergekommen, um hier zu arbeiten. Das ist mein Arbeitgeber und der müsste eigentlich bestehen bleiben. Das ist ein Traditionsunternehmen. Das kann man nicht einfach so wegmachen.“
Aykut Erünsan
„Es ist halt so, dass wir halt nicht wissen, was morgen sein wird, weil alle Angebote abgelehnt worden sind. Und wir wollen halt eine sichere Zukunft haben.“
Jeffrey Grassmann
„Es ist angespannt an allen Ecken halt. Es ist halt so, das merkt man jedem an. Die Situation ist für jeden unzufrieden stellend, das ist vollkommen klar.“
Die Forderung ist klar! „Hände weg von unseren Tarifverträgen.“
Der Betriebsrat und die Gewerkschaft haben in Zusammenarbeit dem Konzern schon ein Zukunftskonzept vorgelegt. Mögliche Tariferhöhungen sollten nicht ausgezahlt werden, sondern stattdessen in einem Zukunftsfond angelegt werden. Dafür soll sich Volkswagen von den angekündigten Werksschließungen und Entlassungen distanzieren. VW lehnt dieses Angebot ab und fordert wegen der schwierigen Lage stattdessen zehn Prozent Lohnkürzung.
Auf unsere Anfrage äußert sich der Konzern schriftlich und bleibt dabei unkonkret:
„Volkswagen respektiert das Recht der Beschäftigten, an einem Warnstreik teilzunehmen. Das Unternehmen setzt weiterhin auf den konstruktiven Dialog mit der Mitbestimmung, um eine nachhaltige und gemeinsam getragene Lösung zu erreichen.“
Für die Beschäftigten ist das nicht genug.
Oliver Dietzel, 1. Bevollmächtigter IG Metall Nordhessen
„Natürlich bestreiten wir nicht, dass Volkswagen und eigentlich auch die ganze Automobilindustrie große Herausforderungen hat, nur ist unser Ansatz eben diese Herausforderung gemeinsam zu meistern. VW hat einen Weg gewählt, man macht das nicht mit den Beschäftigten, sondern gegen sie. Und das wird auf unseren erbitterten Widerstand stoßen.“
Diesen Widerstand will man schon morgen in einer außerplanmäßigen Betriebsversammlung in Baunatal zeigen.
Carsten Büchling, Betriebsratsvorsitzender VW Baunatal
„Wir gehen davon aus, dass ganz viele Kolleginnen und Kollegen von ihrem Rederecht Gebrauch machen werden, ihren Unmut, ihre Wut, ihren Zorn gegenüber dem Management zum Ausdruck bringen. Und deswegen freue ich mich auf eine Versammlung mit fast 8.000 Kolleginnen und Kollegen, die daran teilnehmen werden. Die wird sehr lebendig werden.“
Mit dem Rückenwind aus der Versammlung wollen die Arbeitnehmer in die nächste Runde der Tarifverhandlungen am 09. Dezember gehen.
Und noch eine aktuelle Meldung von Opel: Der Autohersteller hat beschlossen, die Produktion im Werk Rüsselsheim zu drosseln. Bereits seit dem 1. Dezember ist der Betrieb dort auf eine Schicht reduziert. Diese Maßnahme betrifft rund 1.600 Mitarbeiter. Laut Medienberichten will Opel die Kürzung aufgrund von schwächelnden Verkaufszahlen bis Ende Januar 2025 beibehalten. Für die laufende Woche seien Mitarbeiter ohne Abzüge freigestellt worden. Das sei als Anerkennung für die geleistete Arbeit gedacht.









