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Freie Wähler wählen neue Landesspitze

Dez. 2, 2024

Zum ersten Mal haben die Freien Wähler in Rheinland-Pfalz eine Doppelspitze. Am Samstag wurden bei einem Sonderparteitag Lisa-Marie Jeckel und Christian Zöpfchen zum neuen Kopf der Partei gewählt. Die Freien Wähler bereiten sich damit auf die Bundestagswahl im kommenden Februar und auf die Landtagswahl in Rheinland-Pfalz im darauf folgenden Jahr vor. Mit einer Doppelspitze könne man sich besser auf den Wahlkampf konzentrieren und die Arbeit aufteilen. Ganz unumstritten ist das neue Duo allerdings nichts.
75 Prozent der Delegiertenstimmen fallen auf sie: die Landtagsabgeordnete und Bundesvorsitzende der Jungen Freien Wähler Lisa-Marie Jeckel. Und 77 Prozent auf ihn: den ehemaligen Generalsekretär. Christian Zöpfchen zeigt sich zufrieden.

Christian Zöpfchen (Freie Wähler), Vorsitzender Rheinland-Pfalz
„Das ist ein sehr ehrliches Ergebnis. Und vor dem Hintergrund, den der Parteitag hier ja auch darstellte, weil es ja nun mal ein Sonderparteitag ist und weil es ja dieses Mal auch um einen Wechsel der Landesführung geht, ist das durchaus ein sehr, sehr gutes Ergebnis.“

Mit „Hintergrund“ sind interne Streitigkeiten gemeint. Die hatten ihren Höhepunkt im vergangenen September erreicht. Danach kündigen der langjährige Landesvorsitzende Stephan Wefelscheid und andere Vorstandsmitglieder ihren Rückzug an, zwei Landtagsabgeordnete verlassen die Fraktion. Die Freien Wähler bilden seitdem keine Fraktion mehr im Landtag. Das bringt ihnen weniger Einfluss.
Am Samstag legt Stefan Wefelscheid dann nach zehn Jahren sein Amt auch offiziell nieder.

Stephan Wefelscheid (Freie Wähler), ehemaliger Landesvorsitzender
„Meine Damen und Herren, ich melde mich ab. Vielen Dank.“

Während es hinten zum Dank Blumen von einigen Wegbegleitern gibt, wird vorne mit der Tagesordnung weitergemacht. Wefelscheid zeigt sich gelöst.

Stephan Wefelscheid (Freie Wähler), ehemaliger Landesvorsitzender
„Eltern kennen das. Kinder wachsen auf, dann kommen sie in die Pubertät, dann wird es schwierig. Und dann muss auch manchmal Mama oder Papa einfach mal die Zügel lockerer lassen, weil die Kinder ihre eigenen Erfahrungen machen müssen. Das eine Kind hört halt auf das, was Mama sagt. Andere müssen auf die Herdplatte packen, um sich die Finger zu verbrennen. Wir werden sehen, wie stark die Schmerzen sein werden.“

Mit seinem Rücktritt sind die Probleme aber nicht vom Tisch. Nun liegt es an den neuen Landesvorsitzenden, sie zu lösen.

Christian Zöpfchen (Freie Wähler), Vorsitzender Rheinland-Pfalz
„Es wurde viel über Spaltung und Flügel gesprochen. Aber lasst mich eines sagen: Diese Partei hat keine Flügel. Was wir haben, ist Meinungsvielfalt. Und das ist unsere Stärke.“

Die Delegierten erwarten von ihrem neuen Führungsduo, die Partei wieder zu einen. Die zwei neuen Landesvorsitzenden:

Susanne Müller, Delegierte aus Birkenfeld
„Haben zumindest bisher bei der Basis nicht nachgefragt. Und das finde ich etwas bedauerlich.“
Christian Weides, Delegierter aus Kyllburg
„Ich gebe den beiden jetzt einfach mal mit in die Zukunft, sie sollen die Vergangenheit ruhen lassen. Eventuell mit den einzelnen Querulanten mal sprechen. Aber ansonsten ist es ein Neuanfang.“
Jean-Marc Lheritier, Delegierter aus Trier
„… wir etwas mehr nach vorne kommen. Dass die Freien Wähler etwas mehr Gewicht in der politischen Landschaft bekommen.“
Carina Kesse, Delegierte aus Bitburg
„Und die Werte, die sie selber eben auch genannt haben und die Ziele zu verfolgen. Und ich bin ganz zuversichtlich, dass die beiden das großartig machen.“

Ein Ziel ist es, bei der anstehenden Bundestagswahl so viele Wählerstimmen zu sammeln wie möglich. Die neue Landesvorsitzende will die derzeit schwache Wirtschaft ankurbeln, indem Bürokratie abgebaut und Energie günstiger werden soll. Außerdem sollen die Kommunen mehr in den Fokus der Politik rücken.

Lisa-Marie Jeckel (Freie Wähler), Vorsitzende Rheinland-Pfalz
„Bei uns in Rheinland-Pfalz ist ganz wichtig, die kommunale Finanzausstattung zu stärken. Ich denke, das kann man auch ein Stück weit auf den Bund übertragen. Generell brauchen wir besseren ÖPNV, bessere Digitalisierung. Das sind so die Themen.“

Bei einem weiteren Parteitag müssen die Freien Wähler jetzt schnell ihre Kandidatenliste für die Bundestagswahl Ende Februar festzurren. Viel Zeit für den Wahlkampf bleibt ihnen dann nicht mehr.