Ihr SAT.1 Regionalmagazin für Rheinland-Pfalz und Hessen

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Schüler lernen Wiederbelebung

Nov. 13, 2024

Er kann zu jeder Zeit auftreten und er kann jeden treffen: Rund 65.000 Menschen sterben pro Jahr in Deutschland am plötzlichen Herztod. Meist deshalb, weil ihnen nicht rechtzeitig durch eine Wiederbelebung geholfen wird. Das kann sich nur ändern, wenn sich mehr Menschen trauen, schnell zu reagieren und zu helfen. Und wenn sie dann auch wissen, was sie tun sollen. Hessen führt deshalb jetzt „Wiederbelebungsunterricht“ in den Schulen ein. Siebtklässler lernen, wie sie im Ernstfall helfen können. Wie jetzt in Schwalbach.
Für die Schüler der Friedrich-Ebert-Schule in Schwalbach am Taunus steht heute Herzdruckmassage auf dem Stundenplan. Auch Ceylin übt, wie man Leben rettet. Immer nach demselben Prinzip: Prüfen, rufen, drücken.

Ceylin, Schülerin
„Also erst mal wir haben das Prüfen. Das heißt, man soll den Kopf nach hinten legen. Zum Beispiel, ich sehe jetzt Josupah. Dann sage ich: Du mit dem schwarz-weißen T-Shirt, ruf mal den Notarzt mal an, dann ruft sie den an und in der Zeit fange ich dann an und wenn ich nicht mehr kann, dann macht sie dann weiter.“

Ceylin ist eines von 24 Kindern aus den siebten Klassen der Schule. Sie sollen ihr Wissen dann an ihre Mitschüler weitergeben. Und nicht nur an die.

Wiebke Simon, Schulgesundheitsfachkraft
„Wir wollen ja auch, dass diese Reanimation so niederschwellig bleibt, dass sie das zuhause vielleicht einfach auch ihren Eltern erklären können, dass die einfach auch geschult sind. Denn es kann ja immer jeden treffen. Deshalb haben wir gedacht, macht es irgendwie Sinn, wenn wir die selber in die Verantwortung holen.“

In 30 Schulen in Hessen wurde das Projekt bereits getestet. In diesem Schuljahr kommen 180 weitere Schulen dazu. Im Laufe der nächsten drei Jahre sollen dann alle weiterführenden Schulen den Wiederbelebungsunterricht anbieten.

Armin Schwartz (CDU), Kultusminister Hessen
„Hessen ist hier tatsächlich führend, wir sind das erste Bundesland, das mit dieser Maßnahme beginnt. Wir machen hier hohes Tempo – in der Hoffnung, dass wir andere Bundesländer begeistern können, dass sie uns folgen.“

Wie die Schulen das umsetzen, dürfen sie selbst entscheiden – in Projekttagen oder in Fächern wie Biologie oder Sport.
70.000 Menschen erleiden in Deutschland pro Jahr einen Herzstillstand außerhalb eines Krankenhauses. Nur in jedem zweiten Fall führen Ersthelfer eine Wiederbelebung durch.
Und: Mit jeder Minute, die das Herz stillsteht, sinkt die Überlebenschance um zehn Prozent.
Schnelle Hilfe ist also wichtig – und die funktioniert auch OHNE Mund-zu-Mund-Beatmung.

Prof. Thomas Voigtländer, Vorstandsvorsitzender  Deutsche Herzstiftung
„Bei fremden Menschen eine Mund-zu-Mund oder Mund-zu-Nase-Beatmung zu machen, das macht am langen Ende natürlich keiner. Oder jeder versucht, sich irgendwie aus der Situation zu mogeln. Und glücklicherweise haben jetzt Studien gezeigt, dass wenn man nur drückt der Effekt in den ersten Minuten eigentlich genau so gut wie wenn man drückt und beatmet.“

100 bis 120 Mal drücken – pro Minute. Ceylin und die anderen Kinder hier, sie sind stolz darauf, jetzt im Ernstfall helfen zu können.

Ceylin, Schülerin
„Anstrengend, aber es ist cool sowas jetzt zu wissen.“
Ilana, Schülerin
„Es fühlt sich eigentlich ganz gut an, weil man rettet einen Menschen.“

Einen Menschen retten – immer mit dieser Formel: Prüfen, Rufen, Drücken. Drei Worte, die Leben retten können.