Ihr SAT.1 Regionalmagazin für Rheinland-Pfalz und Hessen

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Wirtschaft blickt auf die US-Wahl

Nov. 5, 2024

Die Wahllokale in den USA sind geöffnet: Rund 240 Millionen US-Amerikaner sind aufgerufen, einen Präsidenten zu wählen – oder eine Präsidentin. Trump oder Harris? Das Ergebnis der Wahl wird auch Auswirkungen auf das amerikanischste aller Bundesländer haben – auf Rheinland-Pfalz. Hier lebt die größte amerikanische Community Deutschlands, vor allem wegen zahlreicher US-Militärstützpunkte. Auch wirtschaftlich ist Amerika wichtig für Rheinland-Pfalz. Viele Unternehmen blicken deshalb mit Spannung auf die Wahl.
Eine Beheizungsanlage für eine Bäckerei in Philadelphia: Bald soll sie den Ofen des Backbetriebs heizen, der Hotdog-Brötchen produziert.
Das Unternehmen Aura in Germersheim hat sie gebaut: Der Betrieb ist unter anderem auf den Bau von Maschinen spezialisiert, die hohe Temperaturen für Industrie-Prozesse gewährleisten.
Viel Geld verdient Aura damit im Ausland.
Patric Burkhart, Geschäftsführer Aura
“Da haben wir zwei riesige Absatzmärkte, der eine ist China, der andere USA. Früher war Europa auch sehr wichtig, ist es immer noch, aber die Nachfrage in Europa geht zurück und umso wichtiger ist es für uns in den USA präsent zu sein und unsere Anlagen in die USA zu verkaufen.“
Bei einem Wahlsieg Trumps befürchtet Patric Burkart negative Auswirkungen auf sein Unternehmen. Denn der Republikaner will Strafzölle auf ausländische Waren einführen – Aura-Anlagen würden sich dann für US-Kunden verteuern.

Patric Burkhart, Geschäftsführer Aura
„Zurzeit macht das USA-Geschäft rund 20% unseres Umsatzes aus. Wenn wir das verlieren würden, dann bedeutet das 20% weniger Umsatz, 20% weniger Arbeit, dann bräuchten wir auch weniger Menschen am hier am Standort Germersheim.“

Aura ist nur ein Unternehmen, das von Strafzöllen betroffen wäre: Die USA sind der zweitwichtigste Handelspartner von Rheinland-Pfalz. 2023 exportierten rheinland-pfälzische Unternehmen Waren im Wert von 5,8 Milliarden Euro in die USA – etwa Pharma-Produkte von Boehringer Ingelheim. Doch Trump stört das Handelsdefizit: Die USA importieren mehr Waren, als sie ausführen – Zölle seien dennoch eine schlechte Idee, warnt der Unternehmerverband.

Johannes Heger, Präsident Landesvereinigung Unternehmerverbände Rheinland-Pfalz
„Zölle ist eine ganz besondere Sache. Das sieht ja so aus, als würde man auf der anderen Seite der Zoll-Mauer erfolgreich produzieren kann. Es ist eine Bestrafung für die Bevölkerung eines Landes, wenn sie Zoll akzeptieren müssen, denn dort werden die Produkte teurer.“

Neben wirtschaftlichen Verwerfungen drohen auch sicherheitspolitische: Trump hatte 2020 als Präsident angekündigt, die US-Truppen in Deutschland stark zu reduzieren, als Strafe dafür, dass Deutschland zu wenig Geld für seine Verteidigung ausgebe – die Hälfte aller US-Truppen in Deutschland sind in Rheinland-Pfalz stationiert, etwa in Ramstein und Spangdahlem.
Doch Wolfgang Ischinger, der frühere Leiter der Münchener Sicherheitskonferenz, ist beim Thema Sicherheit vorsichtig optimistisch.

Wolfgang Ischinger, Ehemaliger Vorsitzender Münchener Sicherheitskonferenz
“Die USA sind in Deutschland ja nicht nur uns zu Liebe. Vielleicht einige auch uns zuliebe, aber sie sind im Grunde hier, weil sie wissen, dass diese Allianz, diese Präsenz, diese militärische, ökonomische und strategische Präsenz in ihrem ureigensten Interesse als Weltmacht ist.“

Patric Burkhart von Aura setzt weiter auf Amerika als wichtigen Handelspartner – und auf einen Wahlsieg von Kamala Harris.