Flüchtlinge helfen Flüchtlingen
Hier wird gemeinsam angepackt und gewerkelt. In diesem leerstehenden Haus in Ober-Hilbersheim, zuvor eine Gemeinschaftsunterkunft, sollen sieben solcher Apartments mit Küche und Bad für je ein bis zwei Flüchtlinge entstehen. Die Vorarbeiten erledigen an diesem Tag 13 freiwillige Helfer. Sie alle sind einst geflohen – aus Pakistan, Afghanistan und Syrien. So wie Odai Aloklh. Der 30-jährige Syrer lebt seit anderthalb Jahren in Deutschland. Zweimal die Woche beteiligt er sich an gemeinnützigen Arbeiten.
Odai Aloklh, Geflüchteter aus Syrien
Eigentlich mache ich das, weil es viel Spaß bringt und viele Erfahrungen. […] Mit anderen arbeiten und reden, über unsere Probleme. […] Wir können unser Deutsch verbessern.
„Refugees help Refugees“ – Flüchtlinge helfen Flüchtlingen. Der Name der WhatsApp-Gruppe, die Bernd Daum vom Sozialamt ins Leben gerufen hat, ist Programm. Unter den 60 Mitgliedern finden sich auch kurzfristig meist mehr als genug, die gegen eine Aufwandsentschädigung leichte Arbeiten erledigen. Ein Selbstläufer, seit zweieinhalb Jahren schon.
Bernd Daum, Mitarbeiter im Sozialamt VG Gau-Algesheim
Indem man halt Leute, die es jetzt schon länger gemacht haben, mit neuen Leuten zusammenführt. Und so gibt das halt einen Effekt, dass es einfach funktioniert. […] Es sind auch im Prinzip immer wiederkehrende Arbeiten, wie halt Renovierungsarbeiten, das Malen, das Abkleben und dann halt das Beräumen, die gleichen Möbel werden immer beschafft und auch gleich aufgebaut.
Aktuell betreut Bernd Daum 170 Flüchtlinge und 57 Wohnungen in der Verbandsgemeinde Gau-Algesheim. Da gibt es immer etwas zu tun – und nebenbei auch Raum, um Fragen zu Anträgen und Ämtern zu klären. Eine Win-Win-Situation, findet Bürgermeister Benno Neuhaus, denn eigene Mitarbeiter seien rar, Handwerker schwer zu bekommen. Flüchtlinge jedoch zu gemeinnützigen Arbeiten zu verpflichten, wie von einigen Politikern immer wieder gefordert, davon hält er wenig.
Benno Neuhaus (CDU), Bürgermeister Verbandsgemeinde Gau-Algesheim
Wir haben momentan 77 noch nicht anerkannte Flüchtlinge, die hier bei uns sind. Das heißt, wenn ich jedem von denen zwei Stunden am Tag Arbeit geben müsste, bräuchte ich rund 150 Stunden Arbeit pro Tag, die ich diesen Menschen auch geben kann und die sie dann auch ausführen können. […] Also, eine Arbeitsverpflichtung halte ich schlicht bei uns auf der kommunalen Ebene für kaum umsetzbar. Weil wir so viel Arbeit am Ende tatsächlich gar nicht haben.
So setzt die Verbandsgemeinde weiter auf Freiwilligkeit – und damit auf mehr Akzeptanz. Odai Aloklh jedenfalls will sich auch weiterhin engagieren und sein Deutsch verbessern.
Odai Aloklh, Geflüchteter aus Syrien
Eigentlich möchte ich hier in Deutschland bleiben, weil es hier viele Chancen gibt. Und […] ich möchte eine gute Person in dieser Gemeinschaft werden.
Sein Ziel: Eine Ausbildung im Baugewerbe. An den Voraussetzungen dafür arbeitet er tatkräftig. Das Gau-Algesheimer Modell – in den Augen der Beteiligten gelebte Integration und schon jetzt ein Erfolgsmodell.









