Weniger Kirchenmitglieder erfordern neue Strukturen
Das gemeinsame Gemeindebüro in Bad Nauheim. Hier sitzen die Verwaltungen von insgesamt 6 Gemeinden unter einem Dach. Durch die Zusammenlegung wurden die Verwaltungstätigkeiten gebündelt:
Juliane Mühlstein, Gemeindesekretärin:
„Die Riesenvorteile sind einfach, dass die Wege kürzer sind. Man hat alle Informationen parat. (…) Wir können uns besser auf bestimmte Aufgaben spezialisieren. Wir können die Arbeit dadurch wesentlich schneller und effektiver verrichten. (…) Und wir arbeiten super zusammen und man fühlt sich einfach wohl.“
Zudem sind hier hauptamtliche und ehrenamtliche Mitarbeiter miteinander vernetzt, arbeiten auf gemeinsamen Servern. Solche Formen der Anpassung sind auch dringend nötig. Denn: Die Bedeutung der evangelischen Kirche droht zu verblassen. (passendes Bild). In den letzten vier Jahren ist die Zahl der Mitglieder in den sechs hier vernetzten Gemeinden um rund 900 gesunken, das entspricht einem Rückgang von rund 8% Prozent.
Ulrich Schröder, Kirchenvorstandsvorsitzer Bad Nauheim:
„Wenn ich das hier für die Bad Nauheimer Kernstadt mal Revue passieren lasse. Vor gut 40 Jahren gab es hier so viele evangelische Mitglieder, wie heute in der ganzen Region Bad Nauheim/Ober-Mörlen. Und das ist doch logisch, dass dann auch die Ressourcen, die Kapazitäten angepasst werden müssen an die neue Situation.“
Und deshalb will die EKHN ihren Gebäudestand bis 2026 mithilfe eines Kategoriesierungsprozesses bewerten und anschließend an den künftig erwarteten Bedarf anpassen. Heißt im Klartext: Viele Gebäude, die den Gemeinden gehören, werden künftig nicht mehr für kirchliche Zwecke genutzt werden.
So, wie das Gemeindehaus Schwalheim – ein Holzbau aus den 70er Jahren.
Es ist renovierungsbedürftig und als nicht erhaltenswert eingestuft. Auch wenn es derzeit noch genutzt wird – innerhalb der nächsten drei Jahre wird es abgerissen, damit das Grundstück verkauft werden kann.
Die Verwaltung der Gemeinde Schwalheim ist deshalb bereits im gemeisamen Gemeindebüro in Bad Nauheim angesiedelt. Der Vorteil: Während die einzelnen Gemeindebüros teilweise nur 6 Stunden pro Woche geöffnet hatten, ist das gemeinsame Gemeindebüro von Montag bis Freitag von 8:00 Uhr bis 18:00 Uhr erreichbar.
Ulrich Schröder, Kirchenvorstandsvorsitzer Bad Nauheim:
„Im Vorfeld hieß es in den Ortsteilen, wenn das Gemeindebüro nicht mehr hier vor Ort ist, dann werden die Gemeindemitglieder weite Wege in Kauf nehmen müssen. Die Erfahrung ist, dass sich da niemand beschwert hat. Das zeigt doch, dass die allermeisten Kommunikationswege inzwischen per Telefon und Email funktionieren und, dass die Vorteile in der Zusammenarbeit deutlich überwiegen.“
Und deshalb bezeichnet auch Meike Naumann, seit 2015 als Pfarrerin in der Region tätig, das neue Gemeindebüro als „unglaublich große Entlastung“.
Meike Naumann, Pfarrerin:
„Weil eigentlich alles was an Verwaltungsdingen aufläuft ich immer eine entsprechende Ansprechperson im Büro und auch bei den Ehrenamtlichen habe. Sodass ich da wirklich entlastet bin.“
Anders als Gemeindehäuser, müssen Kirchen laut Ulrich Schröder differenziert betrachtet werden. Denn sie stünden meist unter Denkmalschutz und seien weiterhin, unabhängig von der Zahl der Besucher, eine wichtige Anlaufstelle. Nach dem Motto „Kirche kann mehr“ will die Gemeinde deshalb die Kirche in Schwalheim weiterhin als Gotteshaus nutzen, aber durch bauliche Anpassungen auch für nicht kirchliche Aktivitäten brauchbar machen. Alles in allem rechnet die EKHN damit, dass von den insgesamt 1200 Kirchen bis zu 10 Prozent aus der bisherigen Nutzung genommen werden müssen. Damit die evangelische Kirche in Hessen und Nassau eine sichere Zukunft hat und nicht noch mehr Plätze in den Gotteshäusern frei bleiben.









