Ihr SAT.1 Regionalmagazin für Rheinland-Pfalz und Hessen

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Regierungserklärung von Bildungsminister Schwarz

Sep. 10, 2024

Vor zwei Wochen ging die Schule nach den Sommerferien wieder los. In Hessen gesellten sich zu den vielen neuen Schülern, über 60.000 waren es, auch alte Probleme, wie der Lehrermangel. 9.000 Lehrer fehlen an hessischen Schulen, sagt die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft. Der neue hessische Bildungsminister Armin Schwarz hat heute im hessischen Landtag in einer Regierungserklärung vorgestellt, wie er die Probleme an den Schulen bekämpfen will. Er setzt unter anderem auf mehr Quereinsteiger in den Lehrerberuf.
In Hessen gibt es so viele Lehrer wie noch nie zuvor: 65.000. Doch Bildungsminister Armin Schwarz will noch mehr Leute für den Beruf gewinnen. Und geht dabei neue Wege. Wer einen Universitätsabschluss hat, soll in Hessen auch ohne Lehramtsstudium ein Referendariat machen und später als verbeamteter Lehrer in einem statt zwei Schulfächern unterrichten dürfen.

Armin Schwarz (CDU), Bildungsminister Hessen
„Das ist neu und stößt auf größtes Interesse. Und schon direkt nach Bekanntgabe dieser Maßnahme hatten wir in der Recruiting-Hotline ganz viele Anfragen. Das sind hervorragende Maßnahmen zur Personalgewinnung, die uns insgesamt positiv stimmen können.“

Die AfD kritisiert: Dieser Quereinstieg entwerte den Lehrerberuf. Der Lehrermangel sei die Folge einer verfehlten Migrationspolitik. Inzwischen müssten 36.500 Kinder mit geringen Deutschkenntnissen in sogenannten Intensivklassen auf den Schulunterricht vorbereitet werden. Das binde jede Menge Personal.

Heiko Scholz (AfD), Abgeordneter Landtag Hessen
„Seit 2015 wurden über 150.000 sogenannte Seiteneinsteiger in das hessische Bildungssystem aufgenommen. Die Kosten dafür belaufen sich unter Einbeziehung des Doppelhaushaltes 2023/24 mittlerweile auf über 2 Milliarden Euro. Das kann kein Bildungssystem der Welt finanziell wie personell verkraften!“

Um Deutschkenntnisse zu verbessern, gibt es in den zweiten Jahrgangsstufen künftig an hessischen Schulen eine zusätzliche Stunde Deutsch. Und es soll mehr zweite Fremdsprachen geben, wie etwa türkisch oder ukrainisch.

Nina Heidt-Sommer (SPD), Abgeordnete Landtag Hessen
„Wir versetzen unser Bildungssystem so in die Lage, auf Veränderungen in der Schüler*innenschaft zu reagieren. So verwandeln wir Herausforderungen in Chancen.“

Aus Sicht der Grünen konzentriert sich die Landesregierung zu sehr auf Randthemen, die mit den tatsächlichen Problemen an den Schulen nichts zu tun hätten.

Daniel May (Bündnis 90 / Die Grünen), Abgeordneter Landtag Hessen
„Anstatt sich damit auseinanderzusetzen, warum Hessen im Vergleich der Länder in Deutschland im IQB-Bildungstrend im Lesen deutlich schlechter abschneidet, will der Minister mit uns eine Debatte über den Gender-Star führen. Anstatt darüber zu reden, warum 30 Prozent der Jugendlichen die Mindestanforderung in Mathematik nicht erreichen, möchte er über Cannabis sprechen.“

Die FDP bemängelt, dass zu viele Schulen marode und nicht zukunftsfähig ausgestattet seien.

Moritz Promny (FDP), Abgeordneter Landtag Hessen
„Digitalisierung ist kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit, um unsere Kinder auf die Zukunft vorzubereiten. Aber stattdessen initiiert der Kultusminister ein Blockflötenprojekt und das ist bereits zum Schulbeginn 2024/2025 gescheitert.“

Um Quereinsteiger schneller zu Lehrern zu machen, will Bildungsminister Schwarz das Gesetz ändern lassen. Die erste Lesung zu diesem Gesetzesentwurf soll morgen stattfinden.