Ihr SAT.1 Regionalmagazin für Rheinland-Pfalz und Hessen

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Projekt Wunschgroßeltern

Sep. 10, 2024

Und jetzt kommen wir zu Großeltern, die man leihen kann. Zugegeben etwas plakativ ausgedrückt. Familien wohnen ja schon lange nicht mehr zwingend zusammen, was zur Folge hat, dass viele Großeltern ihre Enkel im Alltag nicht begleiten können. Ein Projekt im rheinland-pfälzischen Rhein-Lahn-Kreis bringt Senioren und Familien zusammen – eine Bereicherung für alle.
Kräftig Anlauf nehmen und los geht’s. Heute steht der Spielplatz auf dem Programm von Kamiya, Opa Wolfgang und Oma Heike. Die drei sehen sich mindestens einmal die Woche – zum Fußball spielen, Eis essen oder einfach nur Spaß haben.

Wolfgang K., Wunschopa
„Meine Enkel habe ich nicht aufwachsen gesehen so richtig, wie sie klein waren. Da waren wir in Schleswig-Holstein, da war der Weg noch weiter. Ja, und jetzt haben wir unsere Kamiya.“

Ihre Kamiya kennen sie seit fast einem Jahr. Über einen Zeitungsartikel ist Heike auf das Projekt „Wunschgroßeltern“ aufmerksam geworden. Da sie und ihr Mann gerne mehr Zeit mit Kindern verbringen möchten, bewirbt sie sich.

Heike K., Wunschoma
„Ich hatte eine Qualifizierungsmaßnahme auch erst mitgemacht und dann war das ruckzuck. Also ein paar Wochen später, wie gesagt, kam dann der Anruf.“

Organisiert wird das Projekt vom Seniorenbüro „Die Brücke“, der Caritas und Ehrenamtlichen. Potentielle Wunschgroßeltern müssen ein Führungszeugnis vorlegen, einen Fragebogen ausfüllen – und dann wird das passende Match gesucht.

Uschi Rustler, Seniorenbüro „Die Brücke“
„Wenn zum Beispiel die Oma einen Hund hat und die Familie sagt: ‚Mein Kind ist allergisch‘, dann passt das schon einmal nicht. Und oftmals ist es leider daran auch gescheitert. Also es muss alles berücksichtig werden und dann kommt es zu einer Vermittlung. Wenn wir als Verantwortliche der Meinung sind, dass es passt, dann heißt das natürlich noch lange nicht, dass dem so ist.“

Hier hat es direkt gepasst. Mit „Liebe auf den ersten Blick“ beschreiben sie ihr Kennenlernen. Als alleinerziehende Mutter ist Kelly dankbar, dass ihre Tochter jetzt Großeltern hat, die etwas mit ihr unternehmen können.

Kelly B., Mutter von Kamiya
„Damit sie einfach die Werte mitbekommt, die so wichtig sind, und die leider ganz oft gegenwärtig vergessen gehen. Und für mich auch – also die Heike, die Oma, die ist für mich auch wie eine Mutter. Und wenn ich mir wegen irgendwelchen Sachen Gedanken mache, dann erzähle ich ihr das auch.“

Anfangs hatte sie ein mulmiges Gefühl, als sie ihre fünfjährige Tochter mit den neuen Großeltern alleine gelassen hat. Aber für alle ist klar: Das kann nur funktionieren, wenn wir uns vertrauen.

Heike K., Wunschoma
„Man muss schon auch ein bisschen Zuversicht dabei haben. Man macht ja keine Fehler extra oder absichtlich. Man passt nach bestem Wissen und Gewissen aufs Kind auf.“

Derzeit sucht die Seniorenbrücke wieder potentielle Wunschomas und -opas. Ein Projekt, das zeigt, dass Familie nicht immer nur die Menschen sind, mit denen man verwandt ist.