Ihr SAT.1 Regionalmagazin für Rheinland-Pfalz und Hessen

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Bauen in Zeiten des Klimawandels

Sep. 9, 2024

Auch wenn es in diesem Jahr in Deutschland mal keine Rekordtemperaturen gab, war der Sommer 2024 weltweit gesehen schon wieder der heißeste seit Beginn der Aufzeichnung. Fast 0,7 Grad über dem Durchschnitt klingt erst mal nicht viel – hat aber das Zeug dazu, das Wetter auch bei uns im Mitteleuropa ordentlich durcheinander zu bringen. Extremwetterereignisse wie heftige Stürme, Starkregen und Überflutungen treten immer häufiger auf. Mit Folgen – auch für Stadtplaner und Häuslebauer.
Der Main bei Hanau. Trotz aller Idylle stehen hier keine Häuser. Aus gutem Grund. Zu groß die Gefahr durch Hochwasser – das wussten schon die Altvorderen. Und auch heute darf hier nicht gebaut werden, obwohl das viele gerne würden. Schließlich gilt „Wohnen am Fluss“ als „chic“. Doch die Stadt Hanau weiß das zu verhindern – alleine schon aus Versicherungsgründen. Zudem unternimmt Hanau seit Jahren große Anstrengungen, die Stadt zu entsiegeln, damit Regenwasser besser abfließen kann – etwa beim Umbau der Pioneer-Kaserne in ein neues Wohnareal. Das alles koste die Stadt zwar viel Geld – sei aber trotzdem unerlässlich.

Claus Kaminisky (SPD), Oberbürgermeister Hanau
„Es wäre viel viel teurer auf Sicht, wenn man das alles nicht machte. Wir können es uns nicht leisten, in weitere Klimakatastrophen sehenden Auges sozusagen hineinzukommen. Ich meine, man muss nicht immer das Beispiel Ahrtal bemühen. Aber Ahrtal kann jeden Tag woanders in dieser Republik sein.“

Wie müssen Städte und Gemeinden künftig planen und bauen, um gegen Extremwetterereignisse gewappnet zu sein? Das ist die zentrale Frage bei einem Treffen der Bau- und Immobilienbranche in Frankfurt. Mit dabei auch Hessens Wohnungsbauminister Kaweh Mansoori, dem es vor allem darum geht, dass Bauen und Wohnen auch in Zeiten der Klimakrise bezahlbar bleiben.

Kaweh Mansoori (SPD), Wirtschaftsminister Hessen
„Bauen muss ja nicht grundsätzlich teuer sein. Aber der Stand der Technik führt eben dazu, dass es teuer wird. Wir wollen, dass davon abweichend gebaut werden kann, dass einfacher gebaut werden kann. Einfach Bauen muss ja nicht schlecht Bauen sein. Dafür haben wir in Hessen auch eine Kommission eingesetzt, besetzt mit Menschen aus der Praxis und aus der Wissenschaft, die konkrete Vorschläge machen sollen.“

Zu dieser Expertenkommission gehört auch Thomas Reimann. Der Präsident des Verbands baugewerblicher Unternehmer in Hessen hält ebenfalls wenig von immer neuen Bauvorschriften und setzt stattdessen auf Eigenverantwortung.

Thomas Reimann, Präsident Verband baugewerblicher Unternehmer Hessen
„Es ist wie mit der Wärmepumpe. Man muss die Menschen mitnehmen. Wir müssen drüber sprechen und nicht verordnen. Wenn Menschen verstehen, was auf uns zukommt, wenn Menschen verstehen, wie wir zukünftig von Wetter betroffen werden, dann haben wir eine Chance, uns frühzeitig darauf einzustellen, bauliche Maßnahmen, die sicherlich auch Geld kosten, entsprechend umzusetzen, weil Menschen es dann auch möchten.“

Und doch scheint es so, als müsse man die Menschen hin und wieder vielleicht doch zur Vernunft zwingen. So berichtet etwa ein Vertreter aus der Versicherungsbranche, dass viele Bewohner des Ahrtals ihre durch die Flut zerstörten Häuser gerade gegen jeden Expertenrat genau an denselben gefährlichen Stellen wieder aufbauten – selbst dann, wenn sie für ihre Neubauten keinerlei Versicherungsschutz erhielten.