Ihr SAT.1 Regionalmagazin für Rheinland-Pfalz und Hessen

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Muslimische Ahmadiyya-Gemeinde trifft sich in Mendig

Aug. 23, 2024

„Liebe für alle – Hass für keinen“. Vielleicht haben Sie diesen Ausspruch schon einmal auf einem Autoheck oder einem Flyer gesehen. Es ist der Wahlspruch der Ahmadiyya-Bewegung – eine Muslimische Vereinigung, die weltweit rund 10 Millionen Mitglieder zählt. Im rheinland-pfälzischen Mendig hat heute das Jahrestreffen der deutschen Ahmadiyya begonnen, zu dem bis zu 50.000 Besucher erwartet werden.
Dementsprechend groß ist schon das Verkehrschaos am Vormittag. Tausende Gläubige wollen zum Flugplatz in Mendig, auf dem die Veranstalter eine Zeltstadt errichtet haben. Hier gibt es in den nächsten Tagen gemeinsame Gebete, Vorträge und Mahlzeiten. Alles wird von Ehrenamtlichen umgesetzt.
Sumair Ahmed, Teilnehmer:
„Ich bin heute hier, um mich spirituell weiterzuentwickeln, um meine Bindung zu Gott zu stärken und den Dienst an der Menschheit zu erweisen.“
Hamzah Shaheen, Teilnehmer:
„Diese Veranstaltung findet ja hier in Deutshcland statt und ich bin ein Mitglied dieser deutschen Gemeinde und deswegen sehe ich das als meine Verantwortung, dass ich hier auch einen Beitrag dazu leiste. Sei es Sicherheitsdienst oder eine andere Aufgabe.“
Die Ahmadis verstehen sich selbst als Reformisten und sprechen sich öffentlich für eine Trennung von Glaube und Staat aus. Die Gemeinde in Deutschland besteht bereits seit mehr als 100 Jahren. Von fast allen anderen Muslimen wird die Vereinigung aufgrund religiöser Differenzen strikt abgelehnt und sogar verfolgt – auch deshalb gibt es am Eingang des Geländes strikte Sicherheitsvorkehrungen. Geldgeber hat die Organisation keine. Alles hier wird aus Spenden der Gemeinde finanziert.
Die Islam-Forscherin Susanne Schröter beschäftigt sich schon länger mit der Ahmadiyya und blickt vor allem seit dem Angriff der Hamas auf Israel im vergangenen Jahr mit Sorge auf die Gemeinde.
Susanne Schröter, Frankfurter Forschungszentrum globaler Islam:
„Liebe für alle, Hass für keinen ist eigentlich ein Werbeslogan, mehr ist es nicht. Da steckt nichts Wirkliches hinter und dann muss man eben nochmal bohren, muss sagen, wie sind da die Positionen zu verschiedenen Themen? Ich habe unmittelbar nach dem Massaker eine Auseinandersetzung mit einem Imam gehabt, der Sachen gepostet hat: Israel ist das rassistischste Land der Welt, also eine komplette Delegitimierung des jüdischen Staates.“
Der Bundesvorsitzende distanziert sich auf unsere Nachfrage hin von solchen antisemitischen Postings und erinnert sich an seine eigenen Besuche in Israel.
Abdullah Uwe Wagishauser, Bundesvorsitzender Ahmadiyya Deutschland:
„Also ich habe es als ein sehr offenes Land und als ein Land erlebt mit Religionsfreiheit. Was wir jetzt allerdings in Gaza erleben, das verurteilen wir auf das schärfste. Natürlich verurteilen wir auch das, was am siebten Oktober passiert ist. Also wir rufen auf für einen Waffenstillstand. Wir rufen auch auf, dass man in diese Krisengebiete keine Waffen liefern soll.“
Am Nachmittag lauschen die Gemeindemitglieder einer Ansprache ihres religiösen Oberhauptes. Die Versammlung läuft noch das gesamte Wochenende.