GEW kritisiert Schulpolitik der Landesregierung
Kommende Woche füllen sich wieder die Klassenzimmer, doch Vorfreude will keine aufkommen. In Frankfurt zeichnen die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft GEW, der Landeselternbeirat und die Landesschülervertretung ein düsteres Bild: Laut jüngsten Zahlen seien in Hessen mindestens 1.000 Lehrerstellen unbesetzt – mit großen Folgen.
Thilo Hartmann, Vorsitzender GEW Landesverband Hessen
„Darunter leiden natürlich ganz besonders die Schüler, die besonders angewiesen sind auf gute Bildung. Weil sie vielleicht von zuhause aus nicht unbedingt die teure Nachhilfe oder aber das adäquate Ersetzen des Unterrichtsstoffes von den Eltern mitbekommen können.“
7.000 Vollzeitstellen würden durch Vertretungslehrer ohne qualifizierte Ausbildung ersetzt. Ein weiterer Kritikpunkt ist die Ganztagsbetreuung: Zwar soll es ab 2026 einen Rechtsanspruch für Erstklässler auf eine Betreuung geben, die Vorbereitung dazu laufe aber schleppend. Elternvertreter befürchten zudem, dass viele Schüler durchs Raster fallen könnten.
Thorsten Sprenger, stv. Vorsitzender Landeselternbeirat Hessen
„Dann haben wir aber das Problem, dass andere Kinder, die vielleicht schon in der Ganztagsbetreuung waren, aber jetzt keinen Rechtsanspruch haben, vielleicht – ich sag’s mal ganz pauschal – vor die Tür gesetzt werden. Und die Eltern müssen sehen, wie sie damit umgehen.“
Weitere Sorgen bereitet ein offenbar wachsender Rechtsextremismus unter den Schülern. Laut Kultusministerium wurden allein dieses Jahr bereits knapp 90 rechtsextreme Vorfälle an hessischen Schulen bekannt. Schülervertreter fordern deshalb vom Land mehr finanzielle Mittel für Demokratiebildung und verpflichtende Besuche von Gedenkstätten.
Nele Vogel, stv. Landesschulsprecherin Hessen
„Tatsächlich erlebt man im Schulalltag so einiges. Ich bin jetzt in der zwölften Klasse und über Hakenkreuze bis hin zu Naziparolen habe ich auch an einem Gymnasium schon viel erlebt. Wir erleben das an allen Schulformen, mittlerweile sogar an Grundschulen.“
Hessens Kultusminister Armin Schwarz will sich am Freitag zum bevorstehenden Schuljahr äußern. Mit einem neuen Programm sollen sogenannte „Schulhelfer“ an knapp 100 Schulen Hilfsaufgaben übernehmen. Gewerkschaft, Eltern und Schüler bezweifeln aber, ob damit der Lehrermangel ausgeglichen werden kann.









