Auszubildende dringend gesucht!
Vor 16 Jahren hat sich Tobias Ruppert für eine Ausbildung als Maurer entschieden. Inzwischen hat er es bis zum Polier und damit zur Führungskraft gebracht. Den Weg einer Berufsausbildung im Handwerk würde er heute nochmal genauso gehen.
Tobias Ruppert, Polier Bauunternehmung Karl Gemünden
„Während der Ausbildung war ich noch ein bisschen zwiegespalten, aber nach der Ausbildung habe ich so richtig Blut geleckt und dann so richtig Spaß an dem Beruf entdeckt. Man lernt während dem Berufsleben noch so viel dazu, dass man eigentlich nie aufhört zu lernen, gerade im Bauhandwerk.“
Doch lernen – in einer Berufsausbildung –, das wollen immer weniger. Der Chef der Baufirma berichtet von einem brutalen Rückgang an Bewerbungen. Besonders groß ist die Lücke bei den Maurern.
Tim Gemünden Geschäftsführer Bauunternehmung Karl Gemünden
„Es wird eigentlich, obwohl wir unsere Bemühungen Jahr für Jahr auch steigern, immer schwieriger die ausreichende Anzahl an qualifizierten Auszubildenden für den Bereich Maurer zu finden. Wir schaffen es also Jahr für Jahr nicht, so viele Maurer als Azubis neu zu gewinnen, wie wir Abgänge durch Renteneintritte haben.“
Der demografische Wandel sorgt dafür, dass nicht genügend jüngere Arbeitnehmer nachfolgen. Der Fachkräftemangel fängt also bereits bei den Auszubildenden an.
Auch im Bildungssystem sieht Tim Gemünden Probleme. Nach der seien zu viele auf den vermeintlichen Königsweg fixiert – eine akademische Laufbahn. Anderen tollen Berufen, wie im Handwerk, fehle dagegen ein attraktives Image.
Tim Gemünden Geschäftsführer Bauunternehmung Karl Gemünden
„Wir müssen in der Politik und auch in der Schulform drauf achten, dass die Handwerksberufe von Anfang an promoted werden. Es gibt im Moment im schulischen Umfeld nichts, aber auch gar nichts, was auf Handwerk oder im Entferntesten auf Wirtschaft hinweist. Es gibt so seit vier, fünf Jahren die ersten Bestrebungen, Praktika wieder vorzuziehen. Das geht in die richtige Richtung, aber es reicht halt nicht, um einem Schüler wirklich klarzumachen: ‚Hier das könnte mein Weg sein.’“
Im Fall von Tobias Ruppert ein Erfolgsweg. Er verdiene heute genauso viel wie mancher Architekt. Sein eigenes Haus konnte er sich schon mit 26 Jahren kaufen.
Definitiv Argumente für eine Ausbildung.
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Eva Dieterle, Moderatorin:
Das wollen wir jetzt vertiefen. Bei mir ist die Vorsitzende der Regionaldirektion Rheinland-Pfalz / Saarland der Bundesagentur für Arbeit, Heidrun Schulz. Guten Abend, schön, dass Sie hier sind.
Heidrun Schulz, Regionaldirektorin Agentur für Arbeit Rheinland-Pfalz:
Guten Abend, Frau Dieterle. Ich freue mich.
Dieterle:
Frau Schulz, wir haben gerade ein Beispiel gesehen, aber das Ganze gilt natürlich auch für ganz Rheinland-Pfalz. Geben Sie uns bitte mal zu Beginn einen Überblick über die Lage. Wie ist das Ausbildungsjahr in Rheinland-Pfalz gestartet?
Schulz:
Nun, wir sind mitten im Start. Es wird sich noch sehr viel tun in den nächsten Wochen und auch Monaten und ich kann sagen, dass die Beschreibung schon genau zutrifft. Wir haben deutlich mehr jetzt auch noch gemeldete Ausbildungsstellen als wir Bewerber und Bewerberinnen haben. Das ist keine neue Entwicklung. Aber wenn ich sage, wir haben 9.600 offene Stellen, die noch da sind bei 5.800 Bewerbern und Bewerberinnen, dann ist das einfach eine Lage, die für die Unternehmen in den meisten Fällen schwierig ist.
Dieterle:
Sie haben gerade gesagt, es geht auch noch Monate. Sagen Sie es noch mal ganz konkret. Wie lange kann ich denn noch eine Ausbildung beginnen?
Schulz:
Der Start der Ausbildung ist in aller Regel am 01.08. oder am 01.09.. Dort ist es auch wichtig, dass die Schulen, wir haben ja eine duale Ausbildung, dass der schulische Zweig da auch mit an Bord ist, dass das startet. Aber gerade durch die Lage, die wir haben am Ausbildungsmarkt, dass es so knapp ist, die Richtigen zu finden und dass manche eben doch Spätstarter oder -starterinnen sind,
Schulz:
dadurch ist es inzwischen auch möglich, im Grunde bis zum Jahresende noch eine Ausbildung zu starten und das nicht Gehabte aufzuholen.
Dieterle:
Und in welchen Branchen ist es noch besonders gut möglich? Wer sucht noch händeringend?
Schulz:
Also ich kann wirklich sagen, dass wir in allen Berufen noch Ausbildungsstellen haben. Es gibt nur Berufe, bei denen die Knappheit noch deutlich ausgeprägter ist. Wir haben eben schon gehört, am Bau Ist das so, nicht bei allen Berufen am Bau. Es gibt beispielsweise die Malerberufe, bei denen durchaus mehr Bewerber und Bewerberinnen sind als in anderen Berufen. Eine ganz große Knappheit schon in der Ausbildung herrscht bei den Klempnern, bei den Gas- und Wasserinstallateuren. Was gerade auch deshalb schade ist, weil es absolut zukunftsträchtige Berufe sind, weil die Entwicklungen in der Energetik das ja auch mit brauchen, dass da gut ausgebildete Menschen sind. Und schon an der Ausbildungskante haben wir dort viel zu wenige. Das führt dazu, dass wir heute die Fachkräfte jetzt schon fast umsonst suchen.
Dieterle:
Wir haben auf der einen Seite die vielen offenen Stellen, auf der anderen Seite aber auch viele junge Menschen, die keinen passenden Ausbildungsplatz finden. Woran liegt das? Ist das nicht das richtige Interessensgebiet? Ist es mangelnde Qualifikation? Warum klafft da diese Lücke?
Schulz:
Wir haben wirklich zu viele junge Menschen, die aus den unterschiedlichsten Gründen nicht sofort, manchmal gar nicht den Anschluss nach der Schule in eine Ausbildung finden. Manchmal ist es einfach die Passung. Es ist eine zu enge Konzentration auf genau DIE Ausbildungsstelle mit DEM Inhalt an DER Stelle. Manchmal ist es aber auch eine hohe Unentschlossenheit. Ganz ehrlich gesagt, hat die Pandemie da noch mal deutlich dazu beigetragen. Es ist ja auch im Beitrag nochmal angesprochen worden. Über Jahre hinweg konnten keine Praktika stattfinden. Da gibt es jetzt sehr gute Initiativen mit allen Akteuren am Arbeitsmarkt gemeinsam. Und wir sehen, wir haben im letzten Jahr zum ersten Mal seit vielen Jahren wieder mehr neue Ausbildungsverträge im Land gehabt als in den Vorjahren. Wir sehen also erste Effekte da auch.
Dieterle:
In den vergangenen Jahren sind auch viele Geflüchtete zu uns gekommen, auch viele junge Menschen. Warum findet man die nicht in einer höheren Zahl in den Ausbildungen wieder? Weil eigentlich ist ja die Möglichkeit, eine Perspektive zu haben, das eigene Geld zu verdienen, eine Aufgabe zu habe, die beste Form der Integration.
Schulz:
Es gibt im Wesentlichen zwei Gründe dafür. Also zunächst einmal, Frau Dieterle, möchte ich sagen: Man findet sie. Man findet sie. Die Ukrainer / Ukrainerinnen sind inzwischen in einer doppelten Anzahl in Ausbildung, als es zu Kriegsausbruch war. Und auch bei den Geflüchteten aus den Asylherkunftsländern, die wir betrachten, haben wir in der Regel um die 2.000 Auszubildende in den Unternehmen. Allerdings ist es so, dass wir eine duale Ausbildung haben und eine duale Ausbildung hat das eine Kennzeichen, dass man in der Schule einigermaßen bis sehr gut Deutsch können muss, um da auch mitzukommen. Das ist ein großes Thema, auch in der Diskussion. Ich höre inzwischen ab und zu mal, dass es vielleicht für den einen oder die andere auch ganz günstig wäre, wenn dort auch Englisch möglich wäre als Sprache. Es ist auf jeden Fall ein Thema.
Das zweite große Thema an der Kante ist, die duale Ausbildung, wie wir sie in Deutschland kennen, ist in den Herkunftsländern überhaupt nicht bekannt. Wir müssen also erst mal die Basis dafür legen, dass diese duale Ausbildung in unserem Beschäftigungssystem absolut tragend ist. Wir haben es ja gehört bei dem Polier. Also man kann so ein Leben sehr gut gestalten mit einer dualen Ausbildung als Basis.
Dieterle:
Da ist also noch einiges zu tun. Ja, vielen Dank für diese aktuellen Infos zum Start des Ausbildungsjahres. Frau Schulz, danke für das Interview.
Schulz:
Danke!









