Gendern verboten – Lehrkräften drohen Konsequenzen
Sind das Schüler, Schülerinnen und Schüler – oder Schüler:Innen?
Korrekt sind nur die Wörter ohne Gender-Stern- oder Punkt, so legt es der Rat der deutschen Rechtschreibung fest.
Rat der Deutschen Rechtschreibung
„Wortbinnenzeichen wie Unterstrich, Gender-Stern, Doppelpunkt oder andere Sonderzeichen gehören nicht zum Kernbestand der deutschen Orthographie.“
Die Kultusminister der Länder haben Anfang Juli beschlossen, den Empfehlungen des Rats zu folgen; gehen dabei aber unterschiedlich vor.
Stefanie Hubig (SPD), Bildungsministerin Rheinland-Pfalz:
„Schülerinnen und Schüler können gendern in der Arbeit. Wenn es um die Sternchen geht, dann wird es angestrichen, aber es führt nicht zu einem Abzug. (…) Ich glaube, es ist wichtig, dass sich Sprache weiterentwickelt, wir sprechen auch nicht mehr wie im 19. Jahrhundert und wir wollen unseren Schulen den Freiraum geben, den sie brauchen.“
Eine zu lasche Auslegung der Beschlüsse, kritisiert die CDU-Opposition.
Jenny Groß (CDU), Mitglied des Landtages Rheinland-Pfalz
„Es gilt das, was der Rat der Deutschen Rechtschreibung festsetzt und sie haben nichts anderes gemacht, wie eine Bestätigung dessen, was in den letzten Jahren schon galt und hier gab es entsprechend die Bestätigung, dass Gendern eben nicht aufgenommen wird; dass man selbstverständlich darauf achtet, das man die Geschlechter anspricht.“
Einen Freiraum, den es auf der anderen Seite des Rheins nicht mehr gibt. Hessen fährt beim Thema Gendern einen Hardliner-Kurs. Per Erlass hat das Kultusministerium kurz vor den Abitur-Prüfungen festgesetzt: Gendern mit Sonderzeichen führt in allen schriftlichen Arbeiten zum Punktabzug.
Kritik gibt es dafür vom Verband Bildung und Erziehung; zwar solle man in Schulen Gendersprache kritisch besprechen …
Stefan Wesselmann, Vorsitzender Verband Bildung und Erziehung Hessen
„Aber kurz vor den Abschlussprüfungen als Ministerium herzugehen und zu sagen, per Erlass verordnen wir jetzt, dass (…) das als Fehler werten und anstreichen ist, das war für uns eine sehr überzogene Maßnahme. Wir haben eigentlich andere Baustellen an Hessens Schulen, als sich so intensiv mit der Frage des Gender-Verbots zu beschäftigen.“
Und was halten die Menschen in Rheinland-Pfalz von möglichen Konsequenzen fürs Gendern? Wir haben nachgefragt.
Zainab Rezaei, Studentin
„Ich finde, es sollte nicht verboten werden, man soll halt darüber sprechen, okay, wer das machen will, soll das machen.“
Horst Jost
„Wenn Kultusministerium meint, man soll das weglassen, dann soll man es weglassen.“
Thomas Mann
„Ich finde es persönlich sehr wichtig, alle Geschlechtsformen in der Sprache zu benennen. Man sollte sich nur einmal festlegen in der deutschen Sprache, wie die Regelung ist.“
Ein Wunsch, der sich bislang nicht erfüllt hat. Entstanden ist ein föderaler Flickenteppich: Unionsgeführte Bundesländer sind beim Gendern meist strenger, SPD- oder grüngeführte Länder oft toleranter.
Auch deshalb dürfte wohl noch lange über das Thema Gendern gestritten werden.









