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Die Stadt der Fotografinnen

Juli 17, 2024

Es mag daran liegen, dass es in Frankfurt große Zeitungsverlage gibt, ganz klar ist es allerdings nicht, warum es in der Mainmetropole seit Beginn der Fotografie viele Fotografinnen gab und gibt. Ob Architektur und Porträtfotografie oder Bildjournalismus, Frankfurt ist „Die Stadt der Fotografinnen“, und so heißt auch eine Ausstellung im Historischen Museum.
Das Historische Museum Frankfurt heute, die gleiche Ansicht aufgenommen kurz nach dem Zweiten Weltkrieg. Ursula Edelmann heißt die Fotografin. Sie besitzt schon damals ihr eigenes Atelier, genauso wie Nini und Carry Hess bereits 30 Jahre früher. Werke von 40 Frauen werden in der Ausstellung gezeigt.
Dorothee Linnemann, Kuratorin der Ausstellung
Wir haben bei manchen Glück gehabt und konnten noch viele Informationen recherchieren und finden und dann auch Lebensdaten, Lebensumstände. Eine Fotografin kam mit ihren Schwestern nach Frankfurt, weil die Schauspielerinnen waren und hier am Schauspiel dann Karriere machten und sie konnte im Schauspiel fotografieren. Aber bei manch anderen konnten wir leider nicht mehr herausfinden als die Atelierdaten und vielleicht über die gefundenen wenigen Fotos, auch wen sie so fotografiert haben.
Bereits 1844 gibt es erste Fotoateliers in Frauenhand. Weltberühmte Fotokünstlerinnen wie Ilse Bing oder Ella Bergmann prägen das Frankfurt der Weimarer Republik.  Mit Arbeiten für Zeitungen und Zeitschriften verdienen sie ihr Geld, sie machen Kunst und drehen Dokumentarfilme, sind genauso etabliert wie ihre männlichen Kollegen. Bis zum Nationalsozialismus. Viele Fotografinnen verlassen Deutschland freiwillig oder weil sie Jüdinnen sind, wie Jeanne Mandello.
Dorothee Linnemann, Kuratorin der Ausstellung
Jeanne Mandello konnte wie viele Fotografinnen dieser Zeit von ihrer Fotografie leben, aber sie konnte nicht immer von ihrer Kunstfotografie leben. Sie hat immer Kunst gemacht und ausgestellt, aber zum Beispiel im Exil in Südamerika, in Argentinien und Uruguay, dann hat sie hauptsächlich durch Tourismus und Landschaftsfotografie die harte Zeit überstanden. Aber sie war so gut, dass sie auch da viele gute Aufträge bekommen hat.
Ab den 1960 Jahren ist Frankfurt tatsächlich die Stadt der Fotografinnen. Bildjournalistinnen wie Barbara Klemm oder Angela Neuke und viele mehr. Top-Fotografinnen, die den Moment erkennen. Zeitzeuginnen, die in der Ausstellung auch zu Wort kommen.
Frei stehend: Frauen, der Frauenkörper, Frauenprozesse, ist ja immer mehr gefragt gewesen. Durch den Feminismus.
Sie sind die Chronistinnen ihrer Zeit, doch erst jetzt scheint die Zeit reif zu sein, um die Arbeit der Fotografinnen zu würdigen.
Dorothee Linnemann, Kuratorin der Ausstellung
Ich glaube, es liegt daran, dass es in den Museen, in den Institutionen auch viele Kuratorinnen gibt, die auch diese Themen wichtig finden und auch sagen, das gucke ich mir mal näher an. Gleichzeitig macht natürlich auch die Gleichberechtigung vor den Sammlungen und Ausstellungen nicht Halt. Es gibt einfach unglaublich gute Fotografinnen.
Die ganz vieles können. Ob Kunst, Porträt oder Dokumentar-Fotografie. Und das zu ganz unterschiedlichen Zeiten. Eine wirklich sehenswerte und umfangreiche Ausstellung, bis zum 22. September im Historischen Museum Frankfurt.