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70 Jahre Frankfurter Kleinmarkthalle

Juli 15, 2024

Die Frankfurter Kleinmarkthalle gehört seit 70 Jahren fest zum Frankfurter Stadtbild. In dieser Zeit hat sie sich zu mehr als nur einem Markt entwickelt. Die Halle dient nicht nur dem täglichen Einkauf, sondern ist auch ein beliebter Ort der Begegnung. Zwischen Tradition und Moderne, Jung und Alt.
Um halb fünf beginnt für Jutta Herzing der Arbeitstag. Blumen pflücken, Sträuße binden, Ware sortieren. Seit 70 Jahren empfängt ihr Traditionsgeschäft die Besucher am Eingang der Kleinmarkthalle. Der Laden ist seit seiner Eröffnung in Familienhand.

Jutta Herzing, Händlerin
„Mein Mann ist praktisch hier geboren, also nicht richtig, aber er hat hier Fahrradfahren gelernt im Keller. Ich bin mit meinem Mann zusammen seit ich 14 bin und kannte gar nix. Ich kannte Petersilie. Und in den Ferien habe ich dann immer mal geholfen und dann während dem Abitur habe ich gejobbt und so bin ich da reingeraten.“

Der tägliche Kontakt mit Kunden aus aller Welt – das ist ihre Leidenschaft.

Jutta Herzing, Händlerin
„Die Menschen fühlen sich einem auch verbunden und, ja, sie kommen. Was hat einer mal zu mir gesagt: ‚Sie brauchen nicht denken, ich komm wegen ihren Samen, ich komme wegen Ihnen.’“

Wurstwaren, Gewürze, oder frisches Obst und Gemüse – von regionalen bis hin zu internationalen Köstlichkeiten. In der Kleinmarkthalle ist für jeden etwas dabei.
Das historische Gebäude wird nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg im Jahr 1954 neu eröffnet. Seitdem drängeln sich täglich bis zu 25.000 Menschen durch die Gänge.

Inge Koob, aus Frankfurt
„Wir wohnen nicht weit von hier. Dann gehe ich hier in die Markthalle, da war ich jetzt beim Frisör hier vorne, und dann gehst du hier in die Markthalle, nimmst das Brot, Orchideen alles mit und dann gehst du wieder heim.“
Mark Hutter, aus Dieburg
„Je öfter man hier ist, desto wohler fühlt man sich. Man wird wieder erkannt, man freut sich, man kriegt immer kleine Rabatte, Geschenke. Es ist immer was Neues da. Immer saisonal, man hat halt große Auswahl von Obst, Gemüse, Gewürze alles. Es ist einfach wunderbar.“
Lara, Touristin aus Brasilien
„Ich denke, es ist schön, wenn man sich an einem neuen Ort wie ein Einheimischer fühlt. Und ich finde, dieser Ort gibt dir genau dieses Gefühl.“

Insgesamt verkaufen über 60 Händler ihre Waren. Ohne Hilfsbereitschaft und eine gute Kommunikation untereinander geht es nicht, weiß auch Suzan Altun.

Suzan Altun, Vorsitzende Interessengemeinschaft Kleinmarkthalle
„Die Interessengemeinschaft ist deshalb sehr wichtig für die Händler, dass man sich auch untereinander austauscht, Probleme miteinander bespricht und natürlich gemeinsam Lösungen findet, weil durch die gemeinsamen Lösungen kann man auch gemeinsam agieren. Deswegen haben wir auch über 30 Mitglieder.“

Eines dieser Probleme ist die Grundsanierung des Gebäudes, die im kommenden Jahr beginnt. Geplant sind unter anderem ein neues Dach mit PV-Anlage und eine Wärmedämmung. Und das alles bei laufendem Betrieb. Bei dem mehrjährigen Bauprojekt, müssen die Händler zum Teil mit großen Einschränkungen rechnen. Manche Stände werden ausgelagert.

Stephanie Wüst (FDP), Wirtschaftsdezernentin Stadt Frankfurt
„Es sind natürlich Herausforderungen, die wir sehr eng im Blick haben. Wir pflegen auch einen sehr engen Austausch mit den Händlerinnen und Händlern hier vor Ort, mit der Händlergemeinschaft. Es ist sehr sehr wichtig auch das Feedback einzuholen, wo wir auch im Dialog besser werden können, damit wir hier keinen einzigen Händler verlieren. Das ist ganz wichtig.“

Auch für Jutta Herzing. Für sie kommt eine Aufgabe des Stands nicht in Frage.

Jutta Herzing, Händlerin
„Mein Satz ist immer der von meinem Schwiegervater: ‚Einen Stand in der Kleinmarkthalle gibt man nicht auf.‘ Und das ist wirklich so.“