Ihr SAT.1 Regionalmagazin für Rheinland-Pfalz und Hessen

Ihr SAT.1 Regionalmagazin für Rheinland-Pfalz und Hessen

75 Jahre Berliner Luftbrücke

Juni 17, 2024

Und auch am Wochenende war in der Wiesbadener Clay-Kaserne am Flughafen in Erbenheim schon ne Menge los: Denn es gab etwas zu Feiern. Vor genau 75 Jahren endete die Berliner Luftbrücke. Nachdem die Sowjetunion die Stadt 1948 abgeriegelt hatte, versorgte die US-Armee die Menschen in West-Berlin monatelang aus der Luft. Viele der so genannten „Rosinenbomber“ starteten damals von Frankfurt oder eben von Wiesbaden-Erbenheim aus in Richtung geteilter Hauptstadt.
Moment mal, das Geräusch kenne ich doch… werden sich ganz alte Wiesbadener am Wochenende vielleicht gedacht haben: Es ist das Brummen der US-Militärflugzeuge der Typen DC3 und C47, die kurz nach dem Krieg in Dauerschleife zwischen Wiesbaden und Berlin hin- und herflogen, um die Menschen in der eingeschlossenen Stadt mit dem Nötigsten zu versorgen. Neben hochrangigen Militärs bei den Feierlichkeiten in Erbenheim mit dabei: Lucius D. Clay der Dritte. Sein Großvater General Lucius D. Clay war nach dem Krieg Oberbefehlshaber der US-Armee in Europa – und Hauptinitiator der Berliner Luftbrücke.
Lucius D. Clay III, Enkel von Lucius D. Clay: „Für ihn war Berlin von Anfang an ein Symbol für den amerikanischen Einsatz für Deutschland, für ein geeinigtes Deutschland. Und er war davon überzeugt, dass es extrem wichtig war, Berlin nicht aufzugeben. Auch aus strategischen Gründen für die kommenden Jahrzehnte. Und ich glaube, er hat damit recht behalten.“
Fest steht: Die Berliner Luftbrücke hat sich tief ins kollektive Gedächtnis der Deutschen gebrannt. Bis heute steht sie symbolisch für die deutsch-amerikanische Wiederannäherung nach dem Zweiten Weltkrieg. Dabei sticht ein US-Luftbrücken-Pilot besonders hervor: Gail Halvorsen, der so genannte „Candy Bomber“, von den Trümmerkindern in Berlin liebevoll „Onkel Wackelflügel“ genannt. Er kam auf die Idee, den Berliner Kindern eine Freude zu bereiten, indem er kleine Fallschirme mit Süßigkeiten über der Stadt abwarf.
Vera Mitschrich, Zeitzeugin: „Wir hatten ganz wenig. Und das was war, kam von oben vom Himmel. Von Gail für uns Kinder die Schokolade und das Chewing Gum. Und das andere war in den großen Care-Paketen. Das hat Mami dann geholt. Und da war… oh… Trockenkartoffeln. Und Milchpulver. Bäh. Aber wir haben es gegessen. Wir hatten nichts. Es war super super.“
Bis heute ist Vera Mitschrich den Amerikanern und vor allem Gail Halvorsen unendlich dankbar. Vor zwei Jahren ist der Candy-Bomber im Alter von 101 Jahren verstorben. Seine Tochter erinnert an den ganz besonderen „Spirit“, ihres berühmten Vaters.
Denise Halvorsen Williams, Tochter von Gail Halvorsen: „Er hat immer gesagt: Wenn Du etwas Kleines machst, kann es trotzdem zu etwas ganz Großem werden.“
Insgesamt retteten Amerikaner und Briten gemeinsam mithilfe der Luftbrücke rund zwei Millionen Menschen in West-Berlin vor dem Verhungern. In weniger als 11 Monaten brachten Sie in fast 300000 einzelnen Flügen mehr als 2 Millionen Tonnen Hilfsgüter in die Stadt – so lange, bis die Sowjets die Berlin-Blockade wieder aufgaben.