Ihr SAT.1 Regionalmagazin für Rheinland-Pfalz und Hessen

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Europawahl – warum gerade viele junge Menschen die AfD gewählt haben

Juni 14, 2024

Erfolg für die Union und die AfD, ein herber Schlag für SPD und Grüne. Überraschend war das Ergebnis vor allem in der jungen Wählergruppe. Erstmals durften auch Jugendliche ab 16 Jahren ihre Stimme abgeben. Warum jetzt mehr junge Menschen Parteien aus dem konserativen und dem Rechts-Außen-Spektrum wählen, das haben wir uns angeschaut.

Bei den einen überwiegt der Frust, bei den anderen die Freude über das Ergebnis. Verunsicherung und Unzufriedenheit mit der aktuellen Bundesregierung – davon profitieren bei der Wahl besonders CDU und AfD. Letztere kommt in Rheinland-Pfalz bei den unter 25 Jährigen auf 17 Prozent. Damit ist die AfD hier stärkste Partei bei den Jungwählern. Ein Grund ist aus Sicht von Politikwissenschaftler Uwe Jun die Aktivität in sozialen Netzwerken.

Prof. Uwe Jun, Politikwissenschaftler Universität Trier: „Der eine Unterschied liegt darin, dass die AfD wesentlich länger schon und recht erfolgreich in sozialen Netzwerken unterwegs ist und dort versucht viele Wählerinnen und Wähler zu rekrutieren. Und dort auch mit zum Teil eben sehr originellen Videobotschaften zu überzeugen.“

Diese Videos verbreitet die Partei vor allem auf der Plattform TikTok, die besonders bei Jugendlichen sehr beliebt ist. Celeste und Andre von der Integrierten Gesamtschule Auguste Cornelius in Mainz Hechtsheim haben in diesem Jahr das erste Mal gewählt. Überrascht hat sie das Ergebnis nicht.

Celeste Gotszalk, Schülerin IGS Auguste Cornelius: „Aber ich fand es halt erschreckend, weil ich der Meinung war, dass man aus der Geschichte gelernt hat einfach und, dass vor allem wir jüngeren Menschen einfach auch die Möglichkeit haben aufs Internet zuzugreifen und uns selber zu informieren.“

Die Ampelparteien, besonders die Grünen und die SPD, stehen nach der Wahl als die großen Verlierer da. Gerade bei den Jungwählern konnten sie nicht überzeugen. Und das obwohl das linke Parteienspektrum in dieser Wählergruppe eigentlich bisher gut abgeschnitten hat.

Roger Lewentz, SPD: „Ich glaube wir haben in der Ansprache, oder in dem Versuch diese jungen Leute zu erreichen völlig falsche Wege gesucht. Dass die sich auch bei TikTok sehr sehr stark informieren, müssen wir einfach zur Kenntnis nehmen, aber nicht nur zur Kenntnis nehmen, sondern selbst dorthin gehen.

Rund ein Drittel der Jungwähler setzt das Kreuz bei keiner der etablierten Parteien. Dafür stehen Kleinparteien wie Volt und die Tierschutzpartei hoch im Kurs.
 
Prof. Uwe Jun, Politikwissenschaftler Universität Trier: Wir erleben schon seit einiger Zeit einen Trend, und bei jüngeren Menschen ist das dann stärker ausgeprägt, weil die kaum eine Parteibindung haben, keine Parteiidentifikation, zu den Parteien, die ich als „One Issue“ Partei bezeichnen würde. Die also mit einem Thema versuchen erfolgreich zu sein und dieses eine Thema dann auch besetzen.“

Im Sozialkundeunterricht haben Celeste und Andre mit ihrer Klasse die Wahlergebnisse genau analysiert und diskutiert. Ihr Resümee – Um junge Menschen mit ihren politischen Inhalten besser zu erreichen, müssen auch die anderen Parteien stärker auf Social Media setzen.