Sommerinterview mit Tobias Eckert (SPD)
Eva Dieterle:
Herzlich willkommen zu 17 30 Sat eins live an diesem verregneten Freitag. Und das ist auch genau der Grund, warum unser heutiges Sommerinterview nicht auf der Dachterrasse stattfinden kann, sondern hier bei uns im Studio. Das ist definitiv gemütlicher. Wir reden heute über die hessische Landespolitik, denn da hat sich seit der Landtagswahl im vergangenen Oktober einiges getan. Hessen hat eine neue Landesregierung, die CDU hat einen neuen Koalitionspartner, und deshalb haben wir hier heute auch einen neuen Studiogast. Und das ist der neue Fraktionsvorsitzende der SPD im Hessischen Landtag, Tobias Eckert. Herzlich willkommen zu Ihrer Premiere hier bei uns Herr Eckert. Wir reden über Politik, doch vorher wollen wir sie ein kleines bisschen besser kennenlernen. Und das geht natürlich ganz prima an einem Ort, der Ihnen sehr am Herzen liegt. Und da haben sie uns mit hineingenommen. Das schauen wir uns jetzt an.
Das Schloss Mengerskirchen, der Lieblingsort von Tobias Eckert, Das Schloss in der kleinen Gemeinde im hessischen Landkreis Limburg-Weilburg, ist mittlerweile der Sitz des Rathauses und der Verwaltung. Hier hat Tobias Eckert seine ersten politischen Versuche gemacht und heute geht Tobias Eckert mit uns durch die historischen Räumlichkeiten. 2001, da ist Eckert 21 Jahre alt, wird er Mitglied der Gemeindevertretung in Mengerskirchen. Er möchte in seinem Ort etwas bewegen.
Tobias Eckert:
Ich mache unglaublich gerne Kommunalpolitik. Damit hat alles angefangen. Vor über 20 Jahren. Ich mache das weiterhin. Ich bin sehr oft deswegen hier und daher ist das für mich ein ganz wichtiger Ort. Ohne diesen Schritt in die Kommunalpolitik wäre ich vielleicht heute auch nicht im Hessischen Landtag.
Denn Eckert kommt nicht aus der klassischen Politiker-Familie. Zuerst macht er eine Ausbildung zum Verwaltungsfachmann, wird, bevor er den Weg in die Politik einschlägt. Seiner Heimat ist er auf dem Weg ins Parlament nach Wiesbaden immer treu geblieben. Einen Ort weiter in Diillhausen lebt Tobias Eckert bis heute.
Tobias Eckert:
Ich wohne seit Kindheit hier, wohne in dem Haus nach wie vor in meinem eigenen Mehrgenerationenhaus, sozusagen barrierefrei. Die Eltern drin in einer Wohnung und ich selber in einer Wohnung. Ich persönlich finde, das Kontrastprogramm hilft, um auch abschalten zu können. Direkt die Natur, direkt Wald, Wiesen vor der Haustür zu haben. Andere geben viel Geld dafür aus, um das im Urlaub zu erleben. Ich habe das sozusagen jeden Tag vor der Haustür.
Natürlich nur dann, wenn er nicht gerade im hessischen Landtag sitzt. Aber nach einer anstrengenden Plenarwoche ist das Nach Hause kommen dafür umso schöner.
Eva Dieterle:
Ja, da war das Wetter auf jeden Fall auch noch schöner als heute. Herr Eckert, so richtig entspannen, das geht am besten zu Hause, oder? Sie haben jetzt wahrscheinlich schon ein anderes Leben, als Sie es noch vor Ihrem Amthatten.
Tobias Eckert:
Es hat sich nicht nur durch den Fraktionsvorsitz, sondern auch die Rolle, dass wir als SPD jetzt mitregieren und mitgestalten können, natürlich unglaublich viel verändert jetzt seit Januar. Und von daher ist dieser Kontrast zwischen Wiesbaden und dann zu Hause im Westerwald schon ganz angenehm.
Eva Dieterle:
Nach 25 Jahren der Wechsel von der Oppositionsbank auf die Regierungsbank. Wie ist das? Muss man da regieren erst mal lernen?
Tobias Eckert:
Es ist schon eine große Umstellung, weil bisher haben wir hinterher gesagt, was die anderen vorher schlecht gemacht haben und jetzt arbeiten wir vorher dran, dass dann etwas Gutes nachher rauskommt. Und ich glaube, diese große Umstellung, das hat in den ersten 100 Tagen schon sehr gut funktioniert. Wir haben da ein gutes Miteinander, auch mit dem Koalitionspartner, aber auch innerhalb der Fraktion, weil natürlich Opposition nach 25 Jahren, das konnten wi- Und jetzt können wir Regierung und Regierungs-tragende Fraktion. Die Umstellung ist groß, aber bewältigbar.
Eva Dieterle:
Okay, das wollen wir uns jetzt noch mal genauer anschauen. Wir bleiben jetzt bei der SPD und schauen uns mal die Lage an in Land und Bund.
Die Deutschen Sie erwarten von der Politik in Bund und Land, dass sie Lösungen liefert bei der unkontrollierten Einwanderung, der inneren Sicherheit, den Energiepreisen, beim Wohnungsbau und und und. Doch bei den Resultaten des Regierens will sich keine Zufriedenheit einstellen. Im Gegenteil Die Umfragen zeigen eine massive Unzufriedenheit der Deutschen mit ihrer Bundesregierung. Vor allem die SPD, die den Kanzler stellt, wird massiv abgestraft, auch bei so mancher Landtagswahl in Hessen im vergangenen Herbst. Auch hier gingen die Wähler den Grünen, der FDP und vor allem der SPD zuhauf von der Fahne. Am Wahlabend waren die Genossen auf fünf und 10,1 % abgestürzt. Boris Rhein, der triumphierende Sieger von der CDU, erkannte indessen, dass ihm die SPD als Koalitionspartner politisch nützlicher sein könnte als sein bisheriger Partner. Die Grünen. War die SPD gefügiger oder gar, wie die Grünen argwöhnen, billiger zu haben? Fragen wir doch mal, wie billig oder wie teuer sich die SPD verkauft hat.
Eva Dieterle:
Die Frage möchte ich direkt an Sie weitergeben Wie billig oder wie teuer hat sich denn die SPD verkauft?
Tobias Eckert:
Es gab keinen Unterbietungswettbewerb, wer ist irgendwie billiger zu haben? Sondern ich glaube, und deswegen hat der Einspieler am Anfang kommunalpolitisch gezeigt, wo auch die großen Übereinstimmungen zwischen CDU und SPD in Hessen sind. Wir bilden das tragende Fundament in den Städten, Gemeinden und Landkreisen. Und diese Erfahrung hilft uns nachher auch, gute Landespolitik hinzubekommen. Die Menschen wollen konkrete Antworten auf konkrete Probleme und kein Schattenboxen, wie wir das vielleicht ab und an in der Politik schon mal erlebt haben. Und das eint. Und von daher hat am Ende nachher diese Klammer auch viel geholfen zu sagen, Wir können gemeinsam die wirklichen Probleme in Hessen angehen. Und daher steckt viel auch Sozialdemokratie im Koalitionsvertrag mit drin, die wir jetzt in den fünf Jahren mit umsetzen wollen.
Eva Dieterle:
In Hessen gab es im Oktober das schlechteste Wahlergebnis für die SPD aller Zeiten und auch in anderen Bundesländern sieht es düster aus. Was ist Ihre Erklärung dafür?
Tobias Eckert:
Ich glaube, genau das ist die Antwort: Die Menschen wollen von Politik nicht irgendwelche langatmigen Erklärungen, sondern sie wollen erleben, dass ihr Alltag besser wird. Und die eigentlichen Probleme tatsächlich verändern. Wir können jetzt in Hessen nach 25 Jahren endlich diese Antworten nicht mehr nur noch erzählen, sondern auch praktisch umsetzen. Und deswegen glaube ich, dass wir unseren Beitrag dazu leisten können in Hessen damit auch Vertrauen in die SPD für die wirklichen Fragen und Themen, die uns wichtig sind, auch wieder zurückkommt. Und natürlich spielt Berlin und spielen andere Ebenen eine große Rolle. Und auch da gilt weniger drüber reden, mehr machen und gemeinsam dann auch nachher nach außen tragen. Das ist glaube ein Schlüssel auch für Vertrauen. Es geht am Ende um Vertrauen in die Politik, in demokratische Parteien.
Eva Dieterle:
Trotzdem reden wir jetzt weiter darüber über Berlin. Sie haben das Stichwort gerade schon genannt. Da bekommt der SPD ja gerade das Regieren nicht in der Ampel mit FDP und Grünen. Durch die Streitereien unter anderem die Parteien kommen zu drittnur noch auf 1/3 der Wählerstimmen. Das kann der SPD nicht ausreichen.
Tobias Eckert:
Natürlich kann das nicht ausreichen. Aber es geht beim Regieren ja nicht darum, dass wir uns gut fühlen und dass es der Partei hilft, sondern es soll diesem Land helfen. Und wenn ich mir anschaue, was da so im Angebot ist, habe ich jemanden, der vielleicht bei aller berechtigten Kritik manchmal zu wenig Politik erklärt. Aus dem Kanzleramt heraus ist mir das allemal lieber als ein Dampfplauderer, der jede Woche irgendeine neue Sau durchs Dorf jagt, wie das der Oppositionsführer zum Beispiel tut. Und ich glaube, darum geht es nachher in Ruhe und Besonnenheit, auch Entscheidungen zu treffen. Und ja, die Kommunikation der eigenen Erfolge muss dann auch deutlicher werden, Weil Berlin macht viel mehr richtig, als es manchmal nach außen darstellt.
Eva Dieterle:
Was ist, wenn eigentlich schon genug erklärt worden ist, aber die Menschen einfach mit den Erklärungen nicht zufrieden sind? Sie sagen immer, es muss mehr erklärt werden. Vielleicht haben die Leute schon verstanden, wofür die Ampel steht.
Tobias Eckert:
Ich glaube tatsächlich, dass wenn ich mir anschaue, die einzelnen Themenfelder die Bundespolitik mit bearbeitet, dann hat der Streit innerhalb der Ampel-Regierung auf der einen Seite aber tatsächlich das mangelnde Maß an Erklärung und Darstellung, wo wir eigentlich Probleme haben. Politik neigt meiner Meinung nach leider zu oft: wir haben irgendeine Lösung präsentiert und ganz viele Menschen haben erst mal noch gar nicht gesehen, dass wir da echtes Thema haben, ein echtes Problem und da gemeinsam auch kommunikativ was darzustellen. Und ja auch noch die eine oder andere Hausaufgabe zu lösen. Die Ampel hat ja noch, auch noch ein ganzes Jahr bis zur nächsten Bundestagswahl und da gibt es noch was zu arbeiten.
Eva Dieterle:
Schauen wir uns mal einen Streitpunkt genauer an Die FDP., also genauer gesagt Finanzminister Christian Lindner will an die Sozialleistungen ran, denn die steigen seit Jahren schneller als das Bruttoinlandsprodukt. Muss da nicht auch die SPD einsehen, dass das so nicht weitergehen kann?
Tobias Eckert:
Ich glaube, das Problem liegt im Moment gerade woanders. Herr Lindner muss einsehen, dass wenn man gemeinsam was verabredet, wie zum Beispiel beim Rentenpaket, dass man es dann nicht einen Monat später wieder öffentlich in Frage stellt. Den Kurs der FDP auf Bundesebene. Was diese Fragen angeht, verstehe ich in keinster Weise und habe auch letzte Woche im Landtag in Wiesbaden deutlich gemacht, wer glaubt, dass man Wirtschaftspolitik und Sozialpolitik gegeneinander organisieren kann, dass man sagt, Wirtschaft und Allgemeinheit geht es besser, wenn wir nur ordentlich die Sozialleistungen runterfahren, Renten kürzen und Ähnliches mehr, der ist auf einem Holzweg und der sorgt dafür, dass diese Gesellschaft auseinandergetrieben wird. Und gerade das Gegenteil brauchen wir. Wir brauchen mehr miteinander als auseinandertreiben. Und da gibt es echt ein Thema auch in Berlin.
Eva Dieterle:
Bleiben wir beim Rentenpaket. In den nächsten Jahrzehnten sieht das prozentual höhere Rentenbeiträge vor. Das heißt also Arbeitnehmern bleibt weniger Netto vom Brutto. Ist das fair?
Tobias Eckert:
Es ist eine Frage des Respekts für die Lebensleistung von Menschen, dass man sagt, wir garantieren ein Rentenniveau, was auf längere Frist auch so festgeschrieben ist, wie man es im Rentenpaket, was im März vorgestellt worden ist, auch umsetzt. Da jetzt nachher dran zu rütteln und zu sagen, die Rente nach 45 Beitragsjahren wollen wir wieder zurücknehmen, ist genau das. Es ist respektlos gegenüber der Lebensleistung von Menschen. Und darum und darum geht es nachher dann auch den Menschen, die jetzt in Lohn und Brot sind, auch natürlich eine Perspektive aufzuzeigen, dass natürlich für sie auch dann am Ende des Berufslebens diese Rentenleistungen da sind. Und dafür ist die jetzige Form noch nicht das letzte Maß der Dinge. Aber ich finde, es ist eine Frage von Respekt und Sicherheit, dieses Rentenniveau auch auf Dauer festzulegen. Und ja, auch mit den Finanzierungsfragen.
Eva Dieterle:
Also Sie sagen auch, da ist noch etwas Luft nach oben. Die SPD will ja immer gerne ihre soziale Kompetenz betonen, in den Vordergrund stellen. Das ist auch bitter nötig. Warum? Da schauen wir uns jetzt an.
Die Ampel-Parteien haben bei Menschen mit geringen Einkommen massiv an Vertrauen verloren. Laut einer Umfrage im Auftrag der Bertelsmann Stiftung kommen SPD, Grüne und FDP bei einkommens schwächeren Menschen zusammen nur noch auf 21 %. Eine Zahl, die die SPD wachrütteln müsste, findet Juso Chef Philipp Stürmer. Er sagt: Die gesamte Ampel-Regierung schafft es aktuell nicht mehr, das soziale Aufstiegsversprechen einzulösen.
Eva Dieterle:
Ja, alarmiert Sie das auch, was Ihr Juso Kollege da sagt?
Tobias Eckert:
Nein, Ich glaube, es ist tatsächlich, dass die Wahrnehmung der Menschen, dass die Fragen wie kriegen wir eine bessere Zukunft für alle hin, dass da Politik aber in der Gänze offensichtlich nicht die passenden Antworten bisher so artikuliert, dass sie merken wir gemeinsam können Zukunft gestalten. Und ich glaube, da geht es auch viel um Sicherheit, den Menschen Sicherheit zu geben. Tatsächlich, dass ihr Arbeitsplatz nicht nur in Zukunft sicher ist, sondern sich bei einer verändernden Wirtschaft, Transformation durch Klimawandel, durch demografischen Wandel und Digitalisierung, dass der nicht nur sicher ist, sondern wir gemeinsam Chancen erarbeiten.
Eva Dieterle:
Aber nur noch 21 Prozent der Einkommensschwächeren haben Vertrauen in die Ampel Parteien? Das ist doch genau die Klientel, für die die SPD Politik macht.
Tobias Eckert:
Ja und genau und genau das ist aus meiner Sicht diese Unsicherheit, diese Wahrnehmung. Was passiert nachher mit mir? Die Frage, was passiert mit meinen Kindern? Und dort nicht nur drüber zu reden, sondern Antworten zu geben. Wir als Land Hessen haben jetzt mit dem Koalitionsvertrag die Fragen eines Hessen-Fonds. Wir wollen gemeinsam ein weitere wirtschafts starker Standort in Deutschland sein. Dafür brauchen wir Veränderung. Das kostet Geld. Da muss Politik mithelfen. Und wir wollen zeigen Ja, Politik lässt Menschen und Unternehmen da nicht alleine. Wir machen das am Standort Hessen im Interesse von Beschäftigung und Wachstum vor Ort. Und ich glaube, diese Beispiele muss man auch klar herausstellen, weil genau das ist die Adressatengruppe, über die wir im Einspieler auch gesehen haben. Menschen, die nachher von morgens bis abends unter der Woche arbeiten, sich und ihre Familie ernähren damit. Und die wollen schon auch merken, um sie wird sich gekümmert und gezeigt, es gibt eine Perspektive und es geht nicht alles den Bach runter, weil genau das ist es nämlich. Es geht weiter, wir müssen es nur aktiv gestalten.
Eva Dieterle:
Wir leben gerade in Krisenzeiten. Die ganze Weltlage hat sich verändert. Da muss auch irgendwie die Politik mithalten. Und deswegen fragen wir uns jetzt, wie steht es eigentlich um unsere Sicherheit?
Dieses Bekenntnis hört man in Deutschland immer seltener. Die Anzahl der Soldaten ist in 2023 gesunken. Auf 181.500 Männer und Frauen. Und das in einer Zeit, in der die weltpolitische Lage angespannt ist. Noch immer herrscht Krieg in der Ukraine und auch der Konflikt im Nahen Osten wird sich so schnell nicht lösen. Deutschland muss sich rüsten im wahrsten Sinne des Wortes. Um dem Personalmangel bei der Bundeswehr entgegen zu wirken. Diskutieren Politiker aktuell darüber, die Wehrpflicht wieder einzuführen? Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius sagt, Deutschland müsse Kriegs tüchtig werden. Sicherheit ist keine Selbstverständlichkeit, und wir müssen diese Diskussion führen, wird der SPD man in einer Pressemitteilung seines Ministerium zitiert. Man prüfe jetzt verschiedene Modelle. Bundeskanzler Olaf Scholz bezeichnet die Rückkehr zur Wehrpflicht hingegen als undurchführbar. Die Mehrheit der Bürger ist laut aktuellen Umfragen dafür, die Wehrpflicht wieder einzuführen.
Eva Dieterle:
Ja, wir müssen kriegstüchtig werden, um abschrecken zu können, sagt SPD Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius. Stimmen Sie ihm dazu?
Tobias Eckert:
Boris Pistorius hat mit der Aussage, die auch eingespielt worden ist, sehr, sehr recht, indem er sagt, Sicherheit ist nicht selbstverständlich. Und wir müssen da aktiv auch etwas für tun. An unserer äußeren und an der inneren Sicherheit. Und von daher sind die Entscheidungen, die unter Karl Theodor zu Guttenberg und zu anderen gefallen sind, in Deutschland zum Thema Bundeswehr sicherlich einer der Gründe, warum wir unsere Probleme in der äußeren Sicherheit haben, wie wir sie haben. Ich glaube nicht, dass eine Rückkehr zur Wehrpflicht nach altem Muster der richtige Weg ist. Und genau das ist aber auch die Debatte, die im Moment die Bundespolitik führt. Wie können wir gemeinsam sowohl soziale Infrastrukturen, aber auch die Frage der Wehrhaftigkeit unserer Demokratie durch die Bundeswehr so hinbekommen, dass es zum einen anders ausgestaltet als früher für alle ein Weg ist. Und zum anderen, und das ist ein Aspekt, der mich besonders umtreibt Wie bekommen wir das hin, dass das nicht immer nur bei jungen Menschen abgeladen wird? Wir diskutieren in der Frage der Wehrpflicht immer nur darum, junge Menschen, die sollen unsere Wirtschaft am Laufen halten, die sollen Kinder bekommen, die sollen Ehrenamt ausführen und dann ganz nebenbei auch noch dieses Land sozial und in der Sicherheit aufrechterhalten. Wenn, dann müssten wir eine Diskussion führen Wie können sich alle Menschen dafür einbringen und dann einen weiteren Begriff zu bekommen hinsichtlich der Wehrpflicht. Aber auf der anderen Seite auch die soziale Infrastruktur. Weil an den Fragen haben wir auch echte Baustellen in Deutschland.
Eva Dieterle:
Sie haben jetzt gerade zwei Sachen genannt: Debatte führen, Diskussion führen. Das klingt alles so, als hätten wir noch unfassbar viel Zeit. Haben wir diese Zeit, uns da noch so viele Gedanken darüber zu machen? Es gibt Aggressoren, die vielleicht gar nicht warten, bis wir mal irgendwann so weit sind.
Tobias Eckert:
Das hat ja auch nichts mit Abwarten, aber ich finde, in einer Demokratie gehört sich auch wirklich Entscheidungen auch vorher zu diskutieren. Gerade diese Aussetzung der Wehrpflicht durch Karl Theodor zu Guttenberg hat ja gezeigt, mal ganz schnell mal eben etwas entscheiden und dann erst mal nicht das Ende mit zu bedenken ist einer der Gründe, warum wir die Probleme jetzt haben, wie wir sie haben. Und deswegen bin ich sehr gespannt auf die unterschiedlichen Vorstellungen auch in Berlin, die diskutiert werden, hin zu einer Art Wehrpflicht neuen Modells in der Frage, wo nicht nur die Bundeswehr, sondern insbesondere auch soziale Dienstleistungen in und für die Gesellschaften eine Rolle spielen. Weil ich glaube, an der Stelle wird es uns als Gesellschaft auch ganz gut tun. Auch das hat was mit Sicherheit, nämlich inneren Zusammenhalt in dieser Gesellschaft zu tun.
Eva Dieterle:
Der Bundeskanzler lehnt die Wehrpflicht ab und unterstützt auch Boris Pistorius nicht bei seiner Forderung nach mehr Geld. Lässt er damit nicht vielleicht seinen wichtigsten Minister im Regen stehen? Boris Pistorius hat schon vor kurzem mal ziemlich genervt gesagt Ich muss das hier nicht machen.
Tobias Eckert:
Auch da finde ich die Diskussion immer wird das dargestellt als da ist Streit und Zerrissenheit. Ich finde, über so existenzielle Fragen eines Landes darf auch in einer Regierung unterschiedlich diskutiert werden. Am Ende zählt nur das Ergebnis, dass das dann nachher gemeinsam getragen wird. Ich glaube, die Bundeswehr hat tatsächlich große Herausforderungen in der Frage der Ausrüstung, der Beschaffung, auch des Umgangs mit den Soldatinnen und Soldaten. Und auch da sind nicht nur die zwei von Ihnen genannten Bundespolitiker gefragt, sondern die Frage, wenn wir Soldatinnen, Soldaten zum Beispiel in den baltischen Ländern stationieren als Zeichen der Sicherheit in Europa gemeinsam mit den Partnerinnen und Partnern, dann sollte vielleicht der Bundesfinanzminister auch dafür sorgen, dass dort Auslands-Zuschläge gezahlt werden, damit wir Menschen dafür auch motivieren können, diesen Dienst zu tun. Also es gibt mehrere Pakete als nur die eine Lösung. Die Bundeswehr hat ein Thema und wir haben durch den völkerrechtswidrigen Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine gemerkt, dass die Selbstverständlichkeiten, mit denen ich auch groß geworden bin, als Kind aus den Achtzigern leider Gottes eine trügerische Sicherheit war und wir uns da anders aufstellen müssen.
Eva Dieterle:
Kommen wir noch mal zu Herrn Pistorius. Er ist seit Wochen mit deutlichem Abstand der beliebteste Politiker in Deutschland. Jetzt hat der frühere SPD Chef Franz Müntefering gesagt, wer bei der nächsten Bundestagswahl für die SPD antritt, das sei noch offen., das Rennen. Was heißt das? Dass Scholz nicht gesetzt ist?
Tobias Eckert:
Das heißt, dass wir das machen, wie sich’s gehört. Das eine ist das Regierungshandeln. Die Bundesregierung ist gewählt. Bis nächstes Jahr. Die haben auch einen guten Job zu machen. Und die haben, wie wir eben schon diskutiert haben, auch noch ein paar Themen vor der Brust. Und die Partei bereitet sich trotzdem auf die Bundestagswahl dann vor. Sowohl beim Wahlprogramm und dann kommen auch Personalfragen. Und das machen wir, finde ich. Da bin ich ein bisschen strukturkonservativ, Das diskutieren wir dann in der Partei, entscheiden und tragen es dann außen und diskutieren auch solche Fragen nicht in der Öffentlichkeit, sondern erst miteinander und vertreten sie dann nach draußen.
Eva Dieterle:
Aber diese Debatte, Sie sind ja ein Debattenfreund vorhin könnte schon noch mal Fahrt aufnehmen, wenn das Ergebnis bei der Europawahl für die SPD desaströs wird.
Tobias Eckert:
Wer glaubt, dass am Ende gute Politik immer nur mit einer einfachen Personalentscheidung in die eine oder andere Richtung und dann ist alles gut oder ist alles schlecht, der hat Politik in der Tiefe nicht verstanden. Politik ist mehr als nur einzelne Personalentscheidungen. Wir haben eben über einige Themen gesprochen, wo Menschen sagen, was heißt das für mein Leben, was heißt das für mich? Und denen ist erst mal zweitrangig, wer das nachher macht. Davon bin ich fest davon überzeugt. Und an der Stelle, da haben wir in der Tat noch ein paar Baustellen, auch auf dem Weg bis zur Bundestagswahl.
Eva Dieterle:
Wir lassen das an dieser Stelle so stehen, denn wir haben in unseren Sommerinterviews – es ist ja ihre Premiere am Schluss immer noch eine etwas persönlichere, schnellere Runde. Diesmal ist es ein Entweder oder. Und ich bitte Sie, sofern es irgendwie möglich ist, sich auch wirklich für was zu entscheiden. Freundschaften in der Politik gibt es, oder nicht?
Tobias Eckert:
Ja, gibt es.
Eva Dieterle:
Mit wem sind Sie denn zum Beispiel befreundet?
Tobias Eckert:
Der Staatssekretär im Ministerium für Wissenschaft und Kunst, Christoph Degen Das würde ich als Freundschaft bezeichnen.
Eva Dieterle:
Okay. Mit Krawatte oder ohne?
Tobias Eckert:
Wie Sie sehen, ohne Krawatte. Bei Vereidigung, Beerdigungen, Hochzeiten. Mal so was ganz Besonderes. Aber ansonsten keine.
Eva Dieterle:
Handwerker rufen oder selber reparieren.
Tobias Eckert:
Eindeutig Handwerker rufen, weil es soll ja am Ende gut werden.
Eva Dieterle:
Selber kochen oder bestellen.
Tobias Eckert:
Wenn es die Zeit zulässt, lieber gerne selber kochen, weil ich finde gerade am Herd und dann im Miteinander mit meinem Partner, dass es dann auch eine sehr angenehme Abwechslung zu dem normalen Alltag.
Eva Dieterle:
Onlineshopping oder im Geschäft.
Tobias Eckert:
Ich bin hybrider Einkäufer, also sowohl als auch. Meine Bücher hole ich mir alle bei meiner Buchhandlung in Weilburg. Andere Sachen, die dann tatsächlich Standard sind. Die muss dann auch manchmal übers Internet bestellt werden.
Eva Dieterle:
Aufzug oder Treppe.
Tobias Eckert:
Ich gebe mir, das ist der gute Jahresvorsatz, und den halte ich bisher auch sogar durch, eit Januar im Landtag den Aufzug nicht zu nutzen, sondern nur noch die Treppen zu nutzen.
Eva Dieterle:
Da kann man ganz schön viel Wegstrecke zurücklegen im Landtag, Sommerinterview oder Landtagsdebatte.
Tobias Eckert:
Ich sehe da den Widerspruch nicht.
Eva Dieterle:
Es ist nicht immer ein Widerspriuch. Sie sollen sich entscheiden.
Tobias Eckert:
Sm Ende mag ich die Debatte tatsächlich im Landtag als den Kern unserer Demokratie natürlich eher, weil es geht nicht nur ums Senden, sondern auch das Ringen um Argumente. Und da manchmal dann noch mal reinzugehen und zu erklären, Hör mal, was du da gerade gesagt hast, das und das sind doch die Fakten, die dagegen sprechen. Und das sehe ich völlig anders. Davon lebt Demokratie und deswegen eindeutig die Parlamentsdebatte.
Eva Dieterle:
Nichtsdestotrotz Ihr erstes Sommerinterview haben Sie hiermit heute absolviert bei uns. Vielen Dank, dass Sie heute mein Gast waren und sich den Fragen gestellt haben.
Tobias Eckert:
Sehr gern









