documenta erlegt sich Verhaltenskodex auf
Judenfeindliche Kunst, prominent ausgestellt 2022 mitten in Kassel. Bilder wie diese will der Aufsichtsrat der Kunstveranstaltung um jeden Preis vermeiden und hat deshalb gestern beschlossen, der nächsten Veranstaltung in drei Jahren einen sogenannten „Code of Conduct“, einen Verhaltenscodex aufzuerlegen. Dieser soll aber nur für die Geschäftsführung der documenta und nicht für deren künstlerische Leitung gelten. Hessens Kulturminister Timon Gremmels sprach davon, mit dieser Vorgehensweise wolle man eine „Balance zwischen dem Schutz der Kunstfreiheit und der Wahrung der Menschenwürde […] finden“.
Damit folgt der Aufsichtsrat den Empfehlungen einer eigens für die Aufarbeitung des Antisemitismus-Skandals engagierten Managementberatungsfirma nur teilweise. Denn die hatte ausdrücklich eine Einführung eines Verhaltenskodex für Geschäftsleitung UND die Kuratoren empfohlen. Ein Grund, warum die hessische AfD mit dem neuen Kompromiss gar nicht einverstanden ist.
Robert Lambrou (AfD), Fraktionsvorsitzender Landtag Hessen
„Der Verhaltenskodex sollte für die künstlerische Leitung gelten und die schwarz-rote Landesregierung muss das Thema ernst nehmen. Die schwarz-grüne Landesregierung hat es nicht ernst genommen, mit dem Ergebnis, dass 2022 wir keine documenta hatten, sondern eine Antisemita.“
Das neue Konzept sieht vor, dass die künstlerisch Leitung, sobald sie gefunden ist, eine Erklärung über ihren Umgang mit Menschrechten abgeben soll. So soll verhindert werden, dass sich die Ereignisse von 2022 wiederholen. Ein schlüssiges Konzept, sagen die hessischen Grünen.
Hildegard Förster-Heldmann (Bündnis 90 / Grüne), Abgeordnete Landtag Hessen
„Darum geht es doch, das zu vermeiden. Und deswegen finde ich es gut, dass es einerseits den Code of Conduct für die Geschäftsführung gibt und ich finde es auch gut, dass sich die Kuratoren wie auch immer erklären müssen und mit Respekt für Menschenrechte und der Würde auch umgehen müssen.“
Reichliche Diskussionen also bereits jetzt über eine documenta, für die es nach dem Rücktritt der Findungskommision im letzten Jahr noch nicht einmal eine künstlerische Leitung gibt. 2027 soll die Kunstausstellung dann wie gewohnt hier in Kassel ihre Pforten öffnen – in welcher Form auch immer.









