Proben für die „Dreigroschenoper“ in Bad Hersfeld
Es wird zugehauen. Es fliegen die Funken. Es kommt zu Rangeleien. Während es die Arbeiten am Bühnenbau in der Stiftsruine Bad Hersfeld schon in sich haben, steht wenige hundert Meter entfernt – bei der ersten Leseprobe für Brechts Dreigroschenoper – noch der Spaß im Vordergrund.
Im Vordergrund des Theaterstücks, das ursprünglich in Londoner Stadtteil Soho verortet ist: Der Konkurrenz- und Existenzkampf zwischen Peachum, dem Kopf der Londoner Bettelmafia, und dem Gangster Mackie Messer. Der Konflikt eskaliert, als Mackie Messer Peachums Tochter Polly heiratet. Und von da an dominieren das Stück Themen wie Betrug, Gewalt, soziale Ungleichheit und krumme Deals.
Joern Hinkel, Intendant
„Uns interessieren vor allem die Menschen, die da sind. Die Beziehungen, die sie zueinander aufnehmen. Aber auch die Deals, die sie miteinander schließen. Und das war damals auch schon so; die Abhängigkeiten, die geschäftlichen Beziehungen.“
Michael Schachermaier, Regisseur
„Alles, was jetzt dieses Schlagwort ‚Survival of the fittest‘ betrifft beispielsweise. Ja, oder um jetzt Donald Trump zu zitieren: ‚The art of the deal‘. Es geht in diesem Stück immer um Deals, um Vereinbarungen, um Geschäftsmodelle und um Geschäftemacherei. Und diese Verschränkung mit dem großen Aspekt einer, glaube ich, sehr menschlichen Not, nämlich der Gier, ist höchst interessant in diesem Stück.“
Aus Termingründen wurde die Rolle der Jenny zweifach und bewusst an ganz unterschiedliche Darstellerinnen vergeben: An Schauspielerin Anna Loos und Travestiekünstlerin Lilo Wanders. Beide freuen sich auf die Herausforderung „Freilichtbühne“.
Anna Loos, spielt Jenny
„Klar, also Freilichttheater hat immer etwas Herausforderndes, weil kann gut sein, beim Singen geht eine Mücke in den Mund, es kann regnen, es kann so viel passieren.
Lilo Wanders, spielt ebenfalls Jenny
„Ja, das ist ja auch interessant, ob wir sehr ausstellend werden oder einfach strahlen aus unserer eigenen inneren Kraft heraus. Übertreibung liegt mir eigentlich nicht, aber wenn es denn sein soll, dann wird eben übertrieben.“
Auch Simon Zigah, der die Rolle des Ganoven und Verführers Mackie Messer übernimmt, freut sich auf die ganz besondere Atmosphäre in der Stiftsruine:
Simon Zigah, spielt Mackie Messer
„Das ist einmalig. Diese Größe, dieser geschichtsträchtige Raum, dann Open Air. Das so nach vorne zu bringen und diesen Raum zu füllen, das ist für mich glaube ich die größte Herausforderung, aber auch eine Riesenfreude.“
Die Kostüme zeigen: Die Dreigroschenoper, gespickt mit vielen Gesangseinlagen, stellt die reiche Oberschicht der bettelarmen Unterschicht gegenüber. Und das bei 20 Aufführungsterminen mit Premiere am 21. Juni.









