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Deutscher Ärztetag beginnt in Mainz

Mai 7, 2024

Zu wenig Personal, kaum Nachwuchs, zu viel Bürokratie und überall fehlt es an Geld – nur ein paar Baustellen des deutschen Gesundheitssystems, die heute zum Start des Deutschen Ärztetages in Mainz zur Sprache kamen. Bei der Veranstaltung geht es unter anderem um den länderübergreifenden Austausch der Ärzte untereinander, aber auch mit der Politik. Auch Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach ist dafür in die rheinland-pfälzische Landeshauptstadt gekommen.
Proteste vor dem Start des Deutschen Ärztetages in Mainz. Fachärzte, Hausärzte, Medizinische Fachangestellte – sie sehen die flächendeckende Gesundheitsversorgung in Deutschland in Gefahr. Eine eigene Praxis sei finanziell kaum noch zu stemmen, es gebe immer mehr Schließungen und keinen Nachwuchs.

Alexander Koop, Hausarzt aus Butzbach
„Wir haben auf der einen Seite mit sehr stark steigenden Kosten zu tun, während auf der anderen Seite die Einnahmen der Praxen in den letzten Jahren nicht mehr gestiegen sind.“
May Ziller, Gynäkologin aus Marburg
„Dass wir nicht die Patienten versorgen können, die wir gerne versorgen würden, weil wir einfach volle Sprechstunden haben, überfüllte Praxen haben, lange Wartezeiten haben.“
Konstanze Schmitt, Unfallchirurgin aus Marburg
„Wir können auch dem Patienten nicht mehr gerecht werden, weil auch die Zeit dann am Schluss fehlt durch die ganze Bürokratisierung. Man sitzt, wirklich … wir sind sieben Tage die Woche in der Praxis, also es ist nicht damit getan, dass wir 35 bis 38 oder 40 Stunden arbeiten. Wir sind am Wochenende drin, arbeiten den ganzen Papierkram auf.“

Bei der Eröffnung des Deutschen Ärztetages betont Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach heute: Er höre die Probleme die Ärzte.

Karl Lauterbach (SPD), Bundesgesundheitsminister
„Schon jetzt sind 5.000 Hausarztsitze nicht besetzt, es kann nicht so bleiben und die Entbudgetierung, auch die Entbürokratisierung der Hausarztpraxen sind wichtige Ziele, die wir in diesem Gesetz verfolgen.“

Bereits in der Vergangenheit kündigte Lauterbach an, das Gesundheitssystem mit zahlreichen neuen Gesetzen reformieren zu wollen und spricht heute von einer Zeitenwende. Auch der wirtschaftliche Druck auf Krankenhäuser müsse ein Ende haben.

Karl Lauterbach (SPD), Bundesgesundheitsminister
„Wir müssen wieder da hinkommen, dass die Medizin im Vordergrund unserer Krankenhausversorgung steht. Wir müssen das System vom Kopf auf die Füße stellen. Die Reform ist sehr ehrgeizig; einzelne Punkte sind umstritten, aber wir werden uns zum Schluss mit den Ländern aber auch mit den Ärzten einigen.“

Dass es Reformen braucht, da sind sich alle einig. Denn unter den aktuellen Bedingungen kämen nicht nur die Kliniken an ihre Grenzen, auch die Versorgung durch niedergelassene Ärzte im ländlichen Raum sei gefährdet.

Klaus Reinhardt, Präsident Bundesärztekammer
„Schon heute ist fast jeder vierte Berufstätige Arzt 60 Jahre oder älter. Und zugleich steigt der Versorgungsbedarf, aber eben nicht die dafür notwendige Zahl von Arztstunden. Wenn bestimmte Versorgungsbereiche derzeit nicht attraktiv genug sind, um genügend Nachwuchs anzuziehen, muss man sich darüber Gedanken machen, diese Bereiche wieder attraktiver zu machen. Mit Quoten wird man eher das Gegenteil erreichen.“

Das „Parlament der Ärzteschaft“ tagt noch bis Freitag in Mainz: Gesetzesvorhaben analysieren, diskutieren und Vorschläge für die Politik erarbeiten. Damit sie bald nicht mehr zum Protestieren auf die Straße gehen müssen.