Israelische Schüler zu Gast in Frankfurt
Sportstunde an der Carl-von-Weinberg-Schule. Heute allerdings kein gewöhnlicher Schulsport, denn die Gesamtschule hat Besuch. Zwölf Schüler aus Israel lernen beim Hindernis-Parcours und Basketball die Frankfurter Schüler kennen. Mit dabei sind Maor und Ofir. Die beiden stammen aus Nirim nahe dem Gazastreifen. Als ihr Dorf am 07. Oktober angegriffen wird, bleibt ihnen nichts als die Flucht.
Ofir, 13, Schüler aus Israel
„In den ersten paar Tagen hatte meine Familie sehr viele Probleme, wie schlafen und essen. Mir ging es irgendwann sehr schlecht, weil ich nicht genug gegessen habe, aber ich hatte einfach Angst. Ich hatte viel zu viel Angst, um es zu tun. Mit dem Gedanken, dass man sterben könnte.“
Maor, 15, Schüler aus Israel
„Früh am Morgen, bevor wir wussten, wie die Situation ist, bin ich ins Badezimmer gegangen. Und dann habe ich einen Terroristen hinter dem Fenster gesehen. Es war ein Wunder, dass er uns nicht gefunden hat. Wir haben uns in einem Zimmer eingeschlossen und er ist einfach in unser Haus gelaufen und hat auf den Fernseher geschossen, hat auf die Lampen geschossen. Er hat auf alles geschossen und ist dann wieder gegangen.“
Um den Jugendlichen eine Verschnaufpause vom Terror in der Heimat zu bieten, hat die hessische Landesregierung sie nach Frankfurt eingeladen. Bei sportlichen Spielen kommen sich die israelischen und deutschen Schüler schnell näher. Dass sie sensibel mit den Erlebnissen der Gäste umgehen müssen, dessen sind sich die deutschen Schüler bewusst.
Lilly Friedla, Schülersprecherin Carl-von-Weinberg-Schule
„Ich finde tatsächlich, dass man das denen gar nicht so stark anmerkt. Also ich habe ein bisschen erwartet, dass es noch so ein paar Hemmungen gibt und man bei Gesprächen vor allen Dingen so ein bisschen darauf achtet, aber bisher kam es noch nicht so richtig zur Sprache und ich finde, man merkt das auch gar nicht so wirklich. Also es ist wie so auf Augenhöhe einfach so ein gemeinsames Beisammensein, bisschen Spaß haben und Dinge erleben.“
Spaß haben die israelischen Schüler in der Frankfurter Sportstunde auf jeden Fall. Doch die Sorgen und Gedanken an die Heimat zu vergessen, das klappt nicht bei allen gleich gut.
Ofir, 13, Schüler aus Israel
„Hier hat man die Zeit, die man braucht, um seinen Körper und Geist zu entspannen. Hier ist es gut und wenn man zurück nach Hause kommt, ist man nicht so angespannt, dass etwas passieren wird.“
Maor, 15, Schüler aus Israel
„Ich kann hier nicht wirklich eine Pause vom Krieg machen, während meine Familie in Israel ist. Es fühlt sich nicht nach Pause an, aber es ist trotzdem schön, hier zu sein.“
In den kommenden Tagen werden die Jugendlichen gemeinsam Ausflüge unternehmen, aber auch an politischen Gesprächen teilnehmen. Heute schaut der hessische Bildungsminister Armin Schwarz vorbei und leitet selbst eine Übung an, um das wechselseitige Verständnis der Schüler zu stärken.
Armin Schwarz (CDU), Bildungsminister Hessen
„Dass wir tatsächlich die Jugendlichen zusammenführen, das stabilisiert nicht nur die Freundschaft und Partnerschaft mit Israel, sondern ist auch ein klares und deutliches Zeichen gegen Antisemitismus.“
Sobald es in Sicherheit möglich ist, wollen die deutschen Schüler zum Gegenbesuch nach Israel reisen. Bis dahin werden hier die ersten Freundschaften geknüpft. Für Ofir die beste Ablenkung vom Krieg in seiner Heimat.









