Ihr SAT.1 Regionalmagazin für Rheinland-Pfalz und Hessen

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Lage der BASF vor dem Führungswechsel

Jan. 8, 2024

„Es bleibt kompliziert“ – so könnte man die Situation des Chemie-Riesen BASF auf den Punkt bringen. Und in diesen nicht einfachen Zeiten gibt der Vorstandsvorsitzende Martin Brudermüller sein Amt ab – Markus Kamieth übernimmt. Was bedeutet das für den größten Arbeitgeber in Rheinland-Pfalz mit der langen Tradition?
1865 hat die Badische Anilin- und Soda-Fabrik begonnen, in Ludwigshafen chemische Produkte herzustellen. Heute ist die BASF der größte Chemiekonzern der Welt, der in 91 Staaten mehr als 120.000 Mitarbeiter beschäftigt. Doch Vorstandschef Martin Brudermüller musste in den vergangenen Jahren mehrere Krisen bewältigen. Erst führte die Corona-Pandemie zu weltweit gestörten Lieferketten. Dann ließ der Krieg von Russland gegen die Ukraine die Energiepreise explodieren. Die BASF, der größte industrielle Gasverbraucher Deutschlands, musste energieintensive Produktionen drosseln. Zusätzlich wurde das Unternehmen durch die steigende Inflation belastet. Anfang letzten Jahres stellte Brudermüller klar: Wegen der hohen Energiepreise und der immer strengeren Auflagen ist Deutschland für die BASF kein attraktiver Standort mehr. Insbesondere am Stammsitz in Ludwigshafen werde es harte Einschnitte geben – inklusive Stellenabbau. Und auch in den anderen europäischen Staaten sehe er wenig Wachstumschancen.
O-TON Martin Brudermüller, Vorstandsvorsitzender BASF, am 24.2.2023
„Es ist ja nicht so, dass wir vaterlandslos sind oder sowas. Wir wollen ja in Europa investieren, wenn es geht. Aber im Moment, mit allem was ich Ihnen genannt habe: Überregulierung, langsam, kein Marktbedarf – ich kriege so viele E-Mails, wo die mir sagen: ‚Machen Sie doch ein Investitionsprojekt in Europa‘, dann sage ich: ‚Nennen Sie mir doch eins, wo man Geld mit verdient‘.“
Brudermüller hat deshalb längst entschieden, dass die BASF die größten Wachstumschancen in China hat. Der Chemiekonzern baut dort für zehn Milliarden Euro einen neuen Standort auf. Das ist wegen der geopolitischen Spannungen allerdings nicht unumstritten. Der künftige Vorstandschef Markus Kamieth wird also im April kein leichtes Erbe antreten – auch wenn er als Asienvorstand das China-Projekt immer unterstützt hat. Der 53jährige Chemiker über-nimmt den Chefsessel in unsicheren Zeiten. Die hohen Energiepreise, der milliardenschwere Umbau der Produktion zur Klimaneutralität und der umstrittene neue Standort in China dürften den Aktienkurs weiter belasten. Bisher blieben die Anleger ruhig, auch weil sie ansehnliche Renditen erhielten. Doch die wird die BASF nur weiter finanzieren können, wenn sie mit ihrer Produktion hohe Gewinne erzielt.