Tag der Pflege
In der Pflege fehlt es derzeit an allen Ecken und Enden. Landesweit konnten allein im Juni 12.000 Leistungen nicht erbracht und rund 9.000 Pflegebedürftige nicht aufgenommen werden, schätzt die PflegeGesellschaft Rheinland-Pfalz. Pflegepersonal und Gelder sind knapp, mehr als die Hälfte der Pflegedienste kämpft mit großen wirtschaftlichen Problemen.
Das bekommt auch Raphaël Baumann zu spüren. Er leitet eine Pflegeeinrichtung in Zweibrücken mit 186 Mitarbeitern. Sorgen machen ihm die steigenden Kosten.
Raphaël Baumann, Leiter Johann-Hinrich-Wichern-Haus Zweibrücken
„Im Bereich der Lebensmittel haben wir Steigerungen bis zu 25 Prozent. Im Bereich anderer Sachkosten zwischen 8 und 12 Prozent, inflationär bedingt. Und auch bei den Personalkosten ist natürlich ein großer Aufwuchs. Wir wollen, sollen und müssen vernünftig bezahlen, damit die Pflege ein attraktiver Beruf ist und bleibt. Aber wenn wir das tun, haben wir natürlich erhöhte Kosten in diesem Bereich.“
Hier seien die Kostenträger gefragt, sich stärker zu beteiligen. Denn sonst müssten die Pflegebedürftigen die Zeche zahlen, was wiederum den Bedarf an Sozialhilfe steigen lasse.
Schon jetzt liegt Rheinland-Pfalz mit Kosten von über 2.700 Euro für einen Pflegeheimplatz rund 100 Euro über dem Bundesschnitt. Markus Mai, Präsident der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz, stellt heute klare Forderungen: Die Pflegekassen müssten die Rechnungen der Einrichtungen schneller und unbürokratischer bezahlen. In der Pflege müsse es mehr Qualität und Mitbestimmung geben.
Markus Mai, Präsident Landespflegekammer Rheinland-Pfalz
„Wir werden immer noch zu wenig gefragt und sehen halt auch in den Gesetzesentwürfen die Auswirkungen, wenn man halt nicht gefragt wird. Und deswegen ist es unsere dringende Forderung, dass wir da auch mehr gehört werden. Wenn die Pflege nicht funktioniert, dann funktioniert auch letztendlich das soziale Herz der Gesellschaft nicht mehr.“
Diese Einschätzung teilt auch der rheinland-pfälzische Arbeits- und Sozialminister Alexander Schweitzer. Er dämpft heute allzu hohe Erwartungen an eine Pflegerevolution und wirbt für kleine, praktische Schritte.
Alexander Schweitzer, Sozialminister Rheinland-Pfalz
„Wir unterstützen den Bund dabei, die Pflegeversicherung zu stärken. Da kann auch noch ein bisschen was passieren, da ist noch Luft nach oben. Wir haben eine eigene Fachkräfteinitiative zum Thema Pflege. Wir haben die Gesundheitsfachberufe im privaten Bereich komplett alle gebührenfrei gestellt. Das heißt, wir steigern die Ausbildungszahlen bei den Gesundheitsfachberufen jetzt ganz jüngst um 20 Prozent. Aber es ist ein riesen Aufgabenfeld.“
Ein Aufgabenfeld, das für die Landespflegekammer nicht zum politischen Gesundheitspoker werden darf – zu viel stehe auf dem Spiel. Stationäre Einrichtungen wie die von Raphaël Baumann in Zweibrücken sind aktuell voll ausgelastet. Um den Nachfragedruck nicht weiter zu erhöhen, gelte es nun vor allem, drohende Insolvenzen ambulanter Dienste abzuwenden.









