Ihr SAT.1 Regionalmagazin für Rheinland-Pfalz und Hessen

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Ehrenamt in Vollzeit – Bürgermeister an der Belastungsgrenze

Nov. 29, 2023

Sie sind Krisenmanager, sie sind erster Ansprechpartner im Ort, sie sind so etwas wie die Rundum-Dienstleister. Es geht um Bürgermeister. Viele ehrenamtliche Bürgermeister in Gemeinden beschweren sich jetzt, die Aufwandsentschädigung stehe in keinem Verhältnis zum Arbeitsaufwand. Ortstermin in Dienheim bei Oppenheim. Hier treffen wir die Bürgermeisterin des beschaulichen Ortes.
Barbara Krenzer vor Ort bei der Planung des Dienheimer Weihnachtsmarkts. Kommendes Wochenende geht es los, auf dem Parkplatz muss noch alles für die Buden vorbereitet werden. Letzte Absprachen mit dem Team vom Bauhof, dann geht es für die Ortsbürgermeisterin mit dem Rad schnell weiter. Nächste Station: Die Kindertagesstätte der Gemeinde, bei der Kita-Leiterin Personallisten und Rechnungen abzeichnen. Viel Bürokratie, doch die 42-Jährige hat Spaß an ihrem Ehrenamt.

Barbara Krenzer (FWG), Bürgermeisterin Diehnheim
„Mich begeistert halt die Arbeit mit den Menschen und die Anliegen sind so richtig aus dem Leben. Nicht nachzulassen, sich nicht mit etwas zufrieden zu geben, sondern eine Alternative oder Lösung zu finden.“

Die öffentliche Garten- und Grabpflege koordinieren, Ausschusssitzungen vor- und nachbearbeiten oder sich auch einfach um die Post kümmern: Ohne Sekretärin steckt Barbara Krenzer bis zu 30 Stunden pro Woche in ihr Ehrenamt, zusätzlich zu ihrem Teilzeitjob in einem Vertrieb in Wiesbaden. Für ihre Familie bleibt da nur noch wenig Zeit, ihr Ehemann Dirk muss sie tatkräftig unterstützen.

Dirk Krenzer, Ehemann der Bürgermeisterin
„Irgendwie bin ich auch der Privatsekretär der Bürgermeisterin. Ob das jetzt jemand tagsüber ist, der an der Tür klingelt. Irgendwelche Botengänge, die ich regelmäßig mache. Telefonanrufe nehme ich an.“

Als Aufwandsentschädigung erhält Barbara Krenzer vom Land knapp über 1.000 Euro im Monat – das ist vielen ehrenamtlichen Bürgermeisterkollegen angesichts des Zeitaufwands zu wenig. Einige fordern das Bürgermeisteramt in Vollzeit, andere eine Gebietsreform und damit weniger Ortschefs, denn mit knapp 2.400 eigenständigen Kommunen hat Rheinland-Pfalz mehr als jedes andere Bundesland.
Barbara Krenzer macht einen weiteren Vorschlag: Bürgermeister sollten sich zwei Wochentage von ihrem Vollzeit-Hauptberuf beurlauben lassen können.

Barbara Krenzer (FWG), Bürgermeisterin Diehnheim
„Dass sie da einen Rechtsanspruch haben, vom Etat der Ortsgemeinde ein Lohnkompensation zu erhalten.“

Barbara Krenzer wünscht sich auch finanziell mehr Anerkennung fürs Ehrenamt als Bürgermeisterin. Denn über ihre Pflichten hinaus hat sie quasi Bürgersprechstunde rund um die Uhr.

Barbara Krenzer (FWG), Bürgermeisterin Diehnheim
„Egal wo ich hinkomme und wenn ich mit meinen Kindern auf dem Spielplatz bin oder zum Kindergarten gebracht habe oder vom Joggen komme – ständig werde ich angesprochen.“

Das Land verweist auf Anfrage von 17:30 Sat.1 live darauf, dass die Aufwandsentschädigung Anfang kommenden Jahres um sechs Prozent ansteigt. Darüber hinaus seien aber keine Veränderungen geplant. Für Barbara Krenzer bietet sich eine andere Möglichkeit: Ihr Arbeitgeber hat ihr jüngst eine Vollzeitstelle angeboten. Darüber muss sie aber erst nachdenken, denn dann hätte sie keine Zeit mehr für ihr Ehrenamt als Bürgermeisterin.