1 Million Besucher im ehemaligen Regierungsbunker
Nur zehn Sekunden. Das 25 Tonnen schwere Tor sollte in etwa einer Hiroshima-Bombe standhalten.
Heike Hollunder, Dokumentationsstätte Regierungsbunker
„Also auch nach 15 Jahren, die ich jetzt hier schon im Regierungsbunker verbringen durfte, fühle ich mich hier immer wieder total fasziniert von der Atmosphäre. Ich stelle mir vor, wie die Politiker hier in den 60er Jahren an den Übungen teilgenommen haben, da war auch Helmut Schmidt hier im Bunker. Ich finde, diese Energie spürt man hier noch immer. Ich finde es total faszinierend, dass der Regierungsbunker sich hier im idyllischen Ahrtal versteckt unter den Weinbergen, die Leute spazieren über den Rotweinwanderweg und hier unten wird der Dritte Weltkrieg geprobt oder wurde Dritte Weltkrieg geprobt.“
Was wie eine Gefängniszelle aussieht, ist das Schlafzimmer des Bundespräsidenten. Nur er und der Kanzler hatten Einzelzimmer, der Rest sollte hier unterkommen. Regierungsmitglieder, Beamte, Unternehmer. 30 Tage lang sollten sie von hier aus den Staat aufrechterhalten. Zwischen 1966 und 1989 gab es hier alle zwei bis drei Jahre eine NATO-Übung. Vorbereitung auf den Ernstfall.
Heike Hollunder, Museumsleiterin
„Es sind fast 3.000 Menschen hier eingezogen und haben natürlich auch die Versorgung geprobt. Wie klappt das, jeweils 600 Menschen pro Bauteil zu versorgen, medizinisch, mit Lebensmitteln, Wasser, der Bunker war nie ans Wassernetz angeschlossen, also auch wie klappt das mit der Wasserversorgung, klappt das mit der Luftversorgung?“
Ein insgesamt 17,3 Kilometer langes Tunnelsystem mit etlichen Abzweigungen, von Bad Neuenahr-Ahrweiler bis Dernau. Der Großteil wurde Anfang der 2000er zurückgebaut. Nur rund 200 Meter sind noch als Museum erhalten. Gleich am Eingang des Bunkers wartet die Dekontaminationsanlage.
Heike Hollunder, Kunsthistorikerin
„Die Regierungsmitglieder, die in den Regierungsbunker eingezogen wären, wären hier durchgemessen worden mit einem Dosis-Messgerät und wer Verstrahlung an seinem Körper getragen hätte, hätte hier in diese Duschanlage einziehen müssen und hätte hier geduscht mit kaltem Wasser, damit sich die Poren der Haut nicht öffnen und mit Säurezusätzen. Also mit Ameisensäure, Salzsäure, Zitronensäure, stark verdünnt natürlich.“
Wer in den Bunker wollte, musste insgesamt durch acht Tore hindurch – aus Sicherheitsgründen und zum Schutz vor der Druckwelle einer Bombe. Wer rein und raus darf, darüber wurde hier entschieden.
Heike Hollunder, Dokumentationsstätte Regierungsbunker
„Das ist das Herzstück der Anlage, von hier aus konnte man alle Türen, Tore klappen und Jalousien öffnen und schließen und zwar im Millisekundenbereich.“
Die Kommunikation mit den NATO-Verbündeten hätte sich hier abgespielt, im Fernschreibzentrum. Inklusive Maschine zur Verschlüsselung von Nachrichten. Für Ansprachen an die Bevölkerung stand ein kleines Fernsehstudio bereit. Damit Kanzler und Bundespräsident auch nach 30 Tagen noch vorzeigbar sind, gab es sogar einen Friseursalon. Der einzige Luxus im Bunker. 1997 gibt die Bundesregierung den Bunker auf. Heute betreibt der Heimatverein Alt-Ahrweiler das Museum. Reaktivieren ließe sich der Regierungsbunker nicht. Doch einem direkten Treffer mit einer modernen Atombombe hätte die Anlage wohl ohnehin nicht standgehalten.









