Wiesbadenerin bangt um ihren Vater in Gaza
Wir treffen Sarah Naim in Wiesbaden. Sie bangt um das Leben ihres Vaters, Samir Naim. Er ist einer von vielen Zivilisten, die von den Bombardierungen Israels betroffen sind.
Sarah Naim, Studentin in Wiesbaden
„Es ist einfach sehr traurig. Er behält die Hoffnung und das ist jetzt auch das einzige Gut, das man gerade hat und man darf nicht aufgeben, man muss stark bleiben, anders wird sich nichts verändern. Aber grundsätzlich geht’s ihnen allen nicht gut. Sie sind alle zutiefst erschüttert und bangen einfach täglich um ihr Leben, sie haben täglich Lebensangst.“
Sarahs Vater Samir Naim hat 20 Jahre lang in Deutschland gelebt, studiert, ist deutscher Staatsbürger. Vor zwölf Jahren ist er zurück nach Gaza – hat dort eine Deutschschule gegründet, macht sich als Deutschlehrer für Bildung in Gaza stark.
Normalerweise lebt er hier in Beit Hanoun. Nach den ersten Bomben, die vor einer Woche um ihn herum einschlagen, flüchtet er nach Beit Lahia – knapp eine Stunde zu Fuß entfernt.
Dort sucht er in einer Schule Schutz vor den Bombardierungen.
Dann der Aufruf: Alle Zivilisten sollen in den Süden Gazas.
Samir hat Glück: Zusammen mit einer Frau und fünf Kindern schafft er es nach Deir al Balah. Wieder in eine Schule. Die Lebensumstände dort: prekär. Es mangelt an Medikamenten, Nahrung, Wasser. Auf dem Schulhof versuchen die Menschen provisorisch mit Bettlaken kleine Zelte zu bauen.
Von dort aus sendet Samir seiner Tochter heute Morgen ein Lebenszeichen.
Sarah Naim, Studentin in Wiesbaden
„Meistens bekomme ich von ihm morgens, also früh morgens ein Lebenszeichen – nenne ich das jetzt mal – und sagt mir einfach: ‚Wir leben noch.‘ Also es ist wirklich diese Versicherung, dass sie es geschafft haben durch die Nacht zu kommen.“
Gaza ist abgeschottet. Es gibt nur wenig bis gar keinen Strom, Handyakkus sind zu kostbar für ein Telefonat. Sarah ist mit ihrem Vater nur über Chats in Kontakt.
Chatverlauf:
„Hallo. Wir sind noch am Leben und erleben jeden Tag oder Nacht schlimmer als die davor.“
„Letzte Nacht hörte die Bombardierung nicht auf.“
„Und gestern wurden um die 60 Menschen auf ihrem Weg zur Flucht auf dem sogenannten sicheren Korridor getötet.“
„Also ist es in Wirklichkeit leider nirgends sicher.“
Israel will mit den Bombardierungen die Terrororganisation Hamas zerschlagen. Die Hamas wiederum nutzt die Zivilbevölkerung als menschliche Schutzschilder – die Terroristen verstecken sich in dichtbesiedelten Orten, provozieren so zivile Opfer.
Sarah Naim, Studentin in Wiesbaden
„Wo haben denn überhaupt die Hamas ihre Lager? Das weiß die Zivilbevölkerung ja auch nicht. Die wissen ja nicht, ist das hier jetzt nebenan und müssen wir Angst haben, dass wir davon ein Kollateralschaden werden, im Endeffekt. Das ist leider die Lebensrealität und deswegen sind die Zivilisten die Leidtragenden und es ist diejenigen, denen man jetzt unbedingt helfen muss.“
Ein Weg aus Gaza raus gibt es für die Zivilsten wie Sarahs Vater im Moment nicht.
Sarah Naim, Studentin in Wiesbaden
„Ich möchte natürlich auch die ganze Zeit hören: ‚So bitte, deutsche Staatsangehörige in Gaza sollen sich an die und die Grenze begeben und wir werden jetzt anfangen, sie da auszufliegen.‘ Das ist das, was man jetzt hören will aber es kam noch nicht und man ist so ein bisschen angespannt die ganze Zeit und wartet einfach auf irgendwas Neues und das kam jetzt leider noch nicht.“
Sarah steht im Kontakt mit dem Auswärtigen Amt und Bundestagsabgeordneten. Die Antwort: Man arbeite zurzeit an einer Lösung.









