Ausländische Fachkräfte gefunden – Wohnung gesucht
Delby Anthony, Pflegekraft: „Hallo, wie geht’s?“
Patient: „Ganz gut.“
Delby: „Ich werde Ihnen Blutdruck messen…“
Eine nicht mehr ganz so fremde Sprache in einem nicht mehr ganz so fremden Land. Delby Anthony hat bereits in ihrer Heimat Indien mehrere Deutschkurse absolviert; jetzt arbeitet sie als Pflegekraft im Universitätsklinikum Gießen/Marburg.
Delby Anthony, Pflegekraft
„Mein Traum war, nach Deutschland kommen und hier zu leben. Deswegen habe ich Deutsch gelernt und außerdem habe ich gehört, Deutschland ist sehr gut für das Familienleben.“
Doch genau da liegt das Problem: Ihr Mann und ihr Sohn leben noch in Indien. Sie hat zwar einen unbefristeten Arbeitsvertrag, aber das Problem liegt woanders, sagt Marijana Dobrijevic, die Integrationshilfe des Klinikums für ausländische Fachkräfte.
Marijana Dobrijevic, Integrationshilfe Universitätsklinikum Gießen/Marburg
„Das allergrößte Problem, was wir zurzeit haben, ist die Wohnungssuche, weil der Wohnungsmarkt so eng ist, und das ist ein sehr großer Leidensweg für die Mitarbeiter, weil sie ihre Familie nach Deutschland holen möchten.“
Delby lebt zurzeit noch in einem Schwesternwohnheim des Klinikums. Ohne eigene Wohnung darf sie ihre Familie nicht herholen. Für sie ist die Trennung schmerzhaft.
Delby Anthony, Pflegekraft
„Ich habe ein Kind, eine Junge, wenn er war elf Monate, bin ich hier hergekommen. Das ist sehr schwer als Mutter, ist sehr schwer. Ich vermisse meine Familie, mein Kind. Nicht einfach.“
Das Klinikum fürchtet auch, ausländische Fachkräfte wieder zu verlieren. Deshalb hat sich die Klinik jetzt erstmals an Vermieter gewendet, um Wohnraum für Personal zu finden. Denn zu den rund 150 internationalen Fachkräften sollen noch über 300 weitere hinzukommen. Die Klinik glaubt längst nicht mehr, den Bedarf mit Bewerbern aus dem Inland decken zu können.
Marijana Dobrijevic, Integrationshilfe Universitätsklinikum Gießen/Marburg
„Die nehmen wir auch sehr gerne an, aber das ist bei Weitem nicht genug.“
Der demographische Wandel verschärft das Problem. Immer mehr Menschen werden älter und pflegebedürftig; gleichzeitig gehen viele Pflegekräfte selbst in Rente. Der Hessische Pflegemonitor schätzt: Bis 2040 benötigt Hessen 18.000 neue Pflegekräfte allein in den Krankenhäusern. Soll dieser Bedarf größtenteils aus dem Ausland gedeckt werden, müssten noch mehr Wohnraum geschaffen werden, als ohnehin benötigt.
Delby hat ihr Ziel mittlerweile erreicht: Sie hat eine Wohnung in Gießen gefunden. In drei Monaten kann sie ihren Mann und ihren Sohn wohl nach Deutschland holen.









