Hessische Landtagswahl 2023: Robert Lambrou, Spitzenkandidat der AfD
Eva Dieterle, Moderatorin: Guten Abend, hallo.
Robert Lambrou (AfD), Spitzenkandidat Landtagswahl Hessen: Hallo Frau Dieterle, vielen Dank für die Einladung.
Dieterle: Herr Lambrou, bevor wir gleich mit den Themen loslegen, haben wir Sie auch beim Wahlkampf in Hessen begleitet. Und da werfen wir jetzt einen Blick drauf.
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Robert Lambrou, 56 Jahre alt, aus Wiesbaden. Und mit Migrationshintergrund – denn Lambrous Vater ist Grieche.
Seit 2013 ist Lambrou Mitglied der AfD, seit 2019 Abgeordneter im hessischen Landtag. Nun wirbt er als Spitzenkandidat im Wahlkampf um möglichst viele Stimmen.
Robert Lambrou (AfD), Spitzenkandidat Landtagswahl Hessen
„Ich war immer ein politisch interessierter Mensch. Ich war in meinem Studium 1 ½ Jahre Mitglied bei der SPD. Die hab ich auch gewählt bis 2012. Aber das Ereignis war wirklich, dass ich nicht mehr wusste, wen ich wählen soll, weil ich die Politk der anderen Parteien in der Eurorettungspolitik unverantwortlich fand.“
Inflation und Migration – das sind seitdem die Hauptthemen der AfD – auch in Hessen. Die Besucher der Wahlkampfveranstaltung in Gelnhausen sehen die Partei tatsächlich als die Alternative für Deutschland.
Sylvia Almami
„Weil die AfD die Interessen der Bürger vertritt, so wie das in einer demokratischer Union auch sein sollte.“
Rolande Österreich, Hausfrau
„Es ist nicht mehr normal, was hier abgeht. Diese ganzen Flüchtlinge, wir arbeiten, wir bezahle und die Andern komme da rein und chillen hier ab. Das kann’s nicht sein, oder?“
Vor der Halle, die Gegendemonstranten. Etwas, das es nur bei Wahlkampfveranstaltungen der AfD gibt. Die Besucher halten die AfD für unwählbar.
Andrea Rohde, Rechtsfachwirtin
„Weil die AfD – wie es mein elfjähriger Sohn gesagt hat – alles zerstören würde, wofür Deutschland steht. Für Toleranz, für Offenheit, für Demokratie. Alles das will die AfD zerstören.“
Julian Haunold, Kommunalberater
„Die tun zwar immer so als wären sie nicht so rechts, aber es gibt immer wieder Kommentare, Gruppen, Dinge, die rauskommen, die einfach so sehr an dunkle Zeiten erinnern.“
Bürgerlich-konservativ, so sieht Robert Lambrou seine Partei und auch sich selbst. Den Gegenwind nimmt er als Ansporn.
Robert Lambrou (AfD), Spitzenkandidat Landtagswahl Hessen
„Ich erlebe seit zehn Jahren, dass wir als AfDler ausgegrenzt werden, stigmatisiert werden, diffamiert werden, weil wir auch Tabus aufbrechen. Und insofern sind wir das gewohnt. Und diese Stigmatisierung, die bröckelt. Das sehen Sie auch daran, wie voll die Hütte ist. Das sind mehr als 800 Leute. Die Menschen sind es zu einem Teil satt sich so bevormunden zu lassen und wir sprechen die richtigen Themen an.“
Die AfD will Hessen wieder auf Kurs bringen – doch dafür braucht es nicht nur einen Aufschrei sondern eben auch die richtigen Lösungen.
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Dieterle: Und wir schauen auf das, was jetzt ist. Die schwarz-grüne Landesregierung hat in dieser Legislaturperiode für mehr Erwerbstätige gesorgt, für mehr Lehrer und für mehr Polizisten als jemals zuvor. Provokant gefragt: Wäre es da nicht eine gute Idee, sie weiterregieren zu lassen?
Lambrou: Aus unserer Sicht nicht, denn die Basis jeglicher solider Politik sind halt auch solide Finanzen. Und es ist die schwarz-grüne Landesregierung gewesen, die, nach den Grundsätzen doppelter Buchführung betrachtet, in den letzten zehn Jahren mehr als 50 Milliarden neuer Zahlungsverpflichtungen aufgehäuft hat. Wäre Hessen ein Unternehmen, müsste es sofort Konkurs anmelden, denn es wäre überschuldet.
Dieterle: Wir schauen jetzt auf das, was Sie mit Hessen vorhaben. Dazu werfen wir einen Blick ins Wahlprogramm. Wir kommen natürlich nicht zu allem, aber es gibt eine Übersicht zu den wichtigsten Themen, zu den markantesten Punkten, die uns aufgefallen sind. Das Wahlprogramm der AfD in 120 Sekunden.
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Flüchtlinge:
Kommunen sollen ihre Aufnahmekapazität für Flüchtlinge eigenverantwortlich festlegen. Anstelle von Integrationsmaßnahmen sollen Kenntnisse vermittelt werden, die die Flüchtlinge in ihren Heimatländern anwenden können. Kriminelle Ausländer will die Partei grundsätzlich abschieben, unabhängig von ihrem Aufenthaltsstatus.
Familie:
Die AfD will, dass neben den Kinderrechten auch Elternrechte in die hessische Verfassung aufgenommen werden. Außerdem soll ein Baby-Begrüßungsgeld eingeführt werden, wenn die Eltern des Neugeborenen deutsche Staatsbürger sind. Die Partei will Gleichstellungsbeauftragte durch Familienbeauftragte ersetzen. Bei der frühkindlichen Erziehung setzt die AfD auf die Familie statt auf die Betreuung in Krippen.
Energie:
Die AfD lehnt Maßnahmen zum Klimaschutz ab, stattdessen plädiert sie für Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel. Sie fordert einen Ausbaustopp für Windkraft- und Solaranlagen und stattdessen den Weiterbetrieb und Neubau von Kernkraftwerken.
Wohnungsbau:
Die AfD hält sozialen Wohnungsbau für den falschen Weg, den steigenden Wohnungsbedarf zu decken. Sie bevorzugt die bedarfsgerechte Förderung mit Wohngeld. Die Grunderwerbssteuer und die Grundsteuer sollen abgeschafft werden. Maßnahmen wie Mietpreisdeckel lehnt die AfD ab.
Bildung:
Die deutsche kulturelle Identität soll als Leitkultur an den Schulen vermittelt werden. Die AfD setzt auf ein differenziertes Schulsystem mit einer praxisorientierten Mittelstufenschule. Für behinderte Kinder soll es weiter Förderschulen geben. Islamischen Religionsunterricht lehnt die Partei ab. Die Sexualerziehung am Schulen soll nicht verpflichtend sein, sondern an die Zustimmung der Eltern gebunden. Verpflichtend soll es aber Informatikunterricht geben
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Dieterle: Ja, lassen Sie uns gleich bei der Bildung bleiben. Die fängt ja schon sehr früh an, im Kindergartenalter. In Hessen gibt es eine Kitaplatz-Garantie. Allerdings gibt es zu wenig Kitaplätze und zu wenig Personal dafür. Die Landesregierung will jetzt mit fachfremdem Personal gegensteuern. Dagegen haben Sie sich ausgesprochen. Was würden Sie denn tun?
Lambrou: Das ist ein Problem, was entstanden ist, weil der Staat hier falsche Erwartungen geweckt hat. Sie haben es ja gerade gesagt, dass es hier in Hessen ein entsprechendes Gesetz gibt und der Staat, die schwarz-grüne Landesregierung, schafft es schlicht und ergreifend nicht, ausreichend Erzieher bereitzustellen. Der Beruf ist in den Augen vieler nicht attraktiv genug. Wir müssen hier über höhere Gehälter sprechen, aber auch über bessere Ausbildungsmöglichkeiten, zum Beispiel auch über Entlohnung der Praktikas während der Ausbildung. Also man kann hier das eine oder andere tun, aber man kann hier keine schnellen und entscheidenden Lösungen herbeizaubern.
Dieterle: In Ihrem Wahlprogramm steht: “Der Staat muss die elterliche Betreuung genauso finanziell unterstützen wie Kitas und Tagesmütter.” Wie viel Geld stellen Sie sich da konkret vor und woher soll das Geld kommen? Denn das sind ja schon enorme Summen.
Lambrou: Na ja, enorme Summen ist es auch diese ganzen Kitas und Kitaplätze und die Erzieherinnen zu organisieren. Wissen Sie, aus unserer Sicht – wir sind eine freiheitliche Partei – hat der Staat Rahmenbedingungen zu setzen und die Bürger haben dann die Wahlfreiheit. Und wenn Menschen sagen, wir würden gerne unser Kind zu Hause betreuen, bei einem der Elternteile, die nicht arbeiten gehen, oder bei den Großeltern, dann muss der Staat genauso diese Möglichkeit schaffen, wie dass die Möglichkeit besteht, dass die Eltern sagen, wir geben unser Kind in eine Kinderkrippe oder in einer Kindertagesstätte.
Dieterle: Und in Zahlen ausgedrückt Was stellen Sie sich da vor?
Lambrou: Das hängt davon ab, wenn wir in die Regierung kommen, wie viel Geld zur Verfügung steht. Wenn wir in die Regierung kommen, würden wir einen Kassensturz machen. Jede Ausgabe und jede Aufgabe der Landesregierung muss auf Sinn und Unsinn überprüft werden. Wir haben in den letzten zehn Jahren erlebt, dass die Subventionen von 3,8 Milliarden € im Jahr auf 2022, 7,9 Milliarden € pro Jahr angestiegen sind. Da gehört eine Menge auf den Prüfstand. Da ist viel Unsinniges dabei. Dadurch entsteht dann finanzieller Spielraum für Sinnvolles.
Dieterle: Bei Bildung geht es natürlich auch um die Schulen. Wir haben uns jetzt mal einen markanten Punkt herausgegriffen, und zwar fordern Sie verpflichtenden Informatikunterricht an den hessischen Schulen. Wer soll denn diesen Unterricht geben? Schon jetzt suchen die Unternehmen ja händeringend nach IT-Experten. Flächendeckend im Land müsste man da ja sehr, sehr viele von haben.
Lambrou: Ja. Auch hier haben wir wieder ein Fachkräfte-Problem, was nicht über Nacht entstanden ist, wo es Teillösungen geben kann. Wichtig ist aus unserer Sicht, dass man hier Schulverwaltungsassistenten in größerer Zahl einstellt, damit die Lehrer sich auf das Vermitteln von Wissen konzentrieren können und nicht in Verwaltungstätigkeiten ersticken.
Dieterle: Bringt aber alleine noch nicht mehr Informatiklehrer.
Lambrou: Richtig. Ich habe ja auch gerade gesagt, hier kann es nur Teillösungen geben. Aber wissen Sie, im Rahmen einer Gesellschaft, wo Digitalisierung immer wichtiger wird, können wir uns nicht den Luxus leisten, dass wichtige Schulfach Informatik nicht verpflichtend einzuführen. Das haben wir in Hessen nicht, das ist ein echtes Defizit. Natürlich entsteht dann die Frage, wo diese Lehrer herkommen. Eine Teillösung habe ich Ihnen gerade genannt. Wichtig ist auch, die Studienplätze in Hessen für das Lehramt zu vereinheitlichen auf zehn Semester und auch auszuweiten. Es gibt eine ganze Reihe von weiteren Teillösungen, aber den Fachkräftemangel kann die AfD auch nicht über Nacht beheben.
Dieterle: Das ist unser nächstes Stichwort. Darauf wollen wir jetzt noch mal genauer eingehen. Denn der Fachkräftemangel in den unterschiedlichsten Berufsgruppen, das ist ein Thema, das die Unternehmen schon lange sehr umtreibt.
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Der Fachkräftemangel ist die große Herausforderung der kommenden Jahre. Prognosen gehen davon aus, dass alleine in Hessen bis zum Jahr 2028 rund 178.000 Fachkräfte fehlen werden.
Deutschland ist also auf qualifizierte Zuwanderung aus dem Ausland angewiesen. Doch in einer Umfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft unter den Hauptgeschäftsführern der Wirtschaftsverbände gibt jeder Zweite an, dass Unternehmen in AfD-Hochburgen Schwierigkeiten bekämen, ausländische Fachkräfte zu gewinnen. Mit großer Sorge blicken die Unternehmer aber vor allem auf einen langfristigen Erfolg der Partei: 85 Prozent befürchten, dass sich dann keine handlungsfähigen Landesregierungen mehr bilden lassen. 68 Prozent sehen ein hohes Risiko für die Fachkräftesicherung.
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Dieterle: Ja, wir haben es gerade gehört. Die Unternehmen fürchten ein weiteres Erstarken der AfD, weil sie dann sagen: “Dann kommen noch weniger ausländische Fachkräfte zu uns.” Was sagen Sie dazu?
Lambrou: Es wird jetzt vor der Wahl in Hessen und in Bayern alles aufgefahren, um Wähler, die sagen “Ich wähle zum ersten Mal die AfD” davon abzuhalten. Das sind Umfragen, die in Auftrag gegeben werden von Organisationen, die dieses Ziel verfolgen.
Dieterle: Aber es wurden ja Unternehmer gefragt, die ja mit Sicherheit nicht bestochen wurden für diese Antwort.
Lambrou: Also bei Umfragen muss man auch die Rahmenbedingungen kennen. Und was ich sagen kann, ist, dass wir den Fachkräftemangel ja nicht haben, weil es die AfD gibt, sondern weil die Landes- und Bundesregierung der letzten Jahre und Jahrzehnte den demografischen Wandel verschlafen haben.
Dieterle: Aber es geht ja um die Zukunft, um die Furcht vor der Zukunft, dass, wenn die AfD erstarkt, dass dann noch weniger ausländische Fachkräfte hierher kommen.
Lambrou: Das ist der Punkt. Es kommen jetzt schon relativ wenige echte Fachkräfte und sie kommen, weil die Rahmenbedingungen in Deutschland so unattraktiv sind, dass diese Menschen lieber in andere Länder gehen wie Kanada, USA oder Großbritannien, weil hier gibt es wesentlich weniger Netto vom Brutto und außerdem gibt es hier auch kaum bezahlbaren Wohnraum. Das ist in anderen Ländern völlig anders. Das sind die Gründe, warum solche Fachkräfte nicht kommen und nicht die AfD.
Dieterle: Auch wenn Sie die Umfrage des deutschen Wirtschaftsinstituts anzweifeln, laut dieser Umfrage stufen auch viele Unternehmer die AfD als nicht regierungsfähig ein. Das sind 96 % der Verbandsvertreter, die sagen, auf Bundesebene, 80 % sagen das auf Landesebene. Das spricht doch eine eindeutige Sprache. Warum haben Sie so ein schlechtes Image bei der Wirtschaft?
Lambrou: Wir haben kein schlechtes Image bei der Wirtschaft. Ich unterhalte mich mit vielen Verbandsvertretern, die kommen mittlerweile auch auf uns zu. Wir führen Gespräche. Das sind oft auch vertrauliche Gespräche, weil die enorme Stigmatisierung und Diffamierung dazu führt, dass sie diese Gespräche nicht offen führen können. Und da wird in diesen Gesprächen Klartext geredet und da wird sich beschwert und beklagt über die etablierten Parteien, die diese Situation, die wir in Deutschland haben, zu verantworten haben. Die AfD ist da durchaus eine Hoffnung für viele Verbandsvertreter, dass es besser wird. Das können sie öffentlich aber nicht sagen, weil sie dann gleich auch in diesen Strudel der Stigmatisierung, Diffamierung geraten. Also ich erlebe in Gesprächen mit Verbandsvertretern genau das Gegenteil von dem, was hier öffentlich gegen uns in Stellung gebracht wird.
Dieterle: Also in diesem Fall: Aussage gegen Aussage. Ich lasse das an dieser Stelle so stehen, weil wir jetzt noch auf einen weiteren Punkt zu sprechen kommen wollen. Die Unternehmen treibt nicht nur der Fachkräftemangel um, sondern auch die enorm hohen Energiepreise. Was würde die AfD in Hessen konkret tun, um diese Preise zu senken?
Lambrou: Das ist in letzter Konsequenz in erster Linie ein Bundesthema. Es müssen die Steuern und Abgaben, die in Deutschland sehr hoch sind auf Energie und Strom, runter. Was wir hier in Hessen machen können, ist, dass wir keinen weiteren Ausbau von Solar und Wind mehr fördern. Denn zur Wahrheit gehört das auch, auch wenn das immer wieder anders dargestellt wird, dass der Ausbau der sogenannten erneuerbaren Energien die Strompreise nicht reduziert. Sie werden erhöht, weil es müssen enorme Investitionen getätigt werden in die Leitungen, die den Strom dann auch befördern, die es so im Moment nicht gibt. Deswegen haben wir diese Forderung nach dem Ausbau-Stopp. Die Energiepreise sind ja, das kommt auch noch dazu, politisch gewollt sehr hoch. Die Grünen sagen es ja ganz offen. Sie reden über Deindustrialisierung. Das ist aber die Basis unseres Wohlstandes. Wir müssen alles tun, um die Strom und Energiepreise zu senken. Durch die Reduzierung der Abgaben und Steuern. Das ist möglich, es fehlt nur der politische Wille. Wir haben ihn.
Dieterle: Wir schauen uns dieses Zitat aus dem Wahlprogramm noch mal an: “Ausbbaustopp für Windkraft- und Solaranlagen.” Wir wollten wissen, wie die Wissenschaft das sieht und sind an die Goethe-Universität nach Frankfurt gefahren und haben bei Wirtschaftswissenschaftler Professor Volker Wieland nachgefragt.
Prof. Volker Wieland, Wirtschaftsexperte Goethe-Universität Frankfurt
„Der rasche Ausbau der erneuerbaren Energien ist sicher ein wichtiger Teil, der helfen kann um das Energieangebot zu verbessern und es ist natürlich auch entscheidend dafür, dass die Treibhausgasemissionen reduziert werden. Aber wichtig ist, dass wir die Netze und die Speichermöglichkeiten weiter ausbauen.“
Dieterle: Ja, “ein wichtiger Teil”. Und darauf wollen Sie wirklich verzichten?
Lambrou: Er hat gerade auf zwei große Probleme hingewiesen. Das eine hatte ich schon genannt, das heißt, die Netze, die hier ausgebaut werden müssen, das klingt jetzt so niedlich, das sind Milliardensummen, und die gehen dann in der Umlage auf den Strompreis. Die belasten ihn heute schon sehr hoch. Das sind etwa 20 % des Strompreises. Und dazu kommt auch das zweite, was er sagte: die Speicher. Wir haben keine signifikanten Speichermöglichkeiten für die erneuerbaren Energien. Wir sind eine der größten Industrienationen der Welt. Was wir brauchen, ist grundlastfähiger Strom und nicht Flatterstrom, der in einer Dunkelflaute nicht zur Verfügung steht. Das ist keine seriöse Energiepolitik. Die Energiepolitik ist gescheitert.
Dieterle: Sie fordern den Neubau von Kernkraftwerken. Mal angenommen, da würde in Deutschland jemand mitmachen – alleine die Genehmigungsverfahren, die würden doch Jahre dauern. Und jetzt zur aktuellen Versorgungssicherheit würde das gar nichts beitragen.
Lambrou: Wissen Sie, die Ampel-Bundesregierung, die hat ein Heizungsgesetz durchgepeitscht gegen alle Widerstände. Also wo ein politischer Wille ist, ist auch ein Weg. Die Radiant Energy Group aus Chicago hat ganz klar in ihrer Studie festgestellt, dass bis zu acht der abgeschalteten Kernkraftwerke in Deutschland innerhalb der nächsten drei Jahre, wenn der politische Wille da ist, wieder ans Netz gehen könnten. Wir brauchen grundlastfähige Energie, die haben wir in immer weniger Maße. Wir importieren Atomstrom aus Frankreich. Die Grünen wollen ja Klimaneutralität jetzt laut Wahlprogramm sogar bis 2035. Man muss den Menschen sagen, was das kostet. Das ist nicht bezahlbar. Kernkraft ist sicher, es ist sauber und es ist verfügbar, wenn der politische Wille da ist.
Dieterle: So viel zu dem, was die AfD dazu will. Wir können uns an diesem Thema nicht festbeißen, denn das nächste Thema wartet schon. Ein weiteres brisantes Problem ist die wieder steigende Zahl an Flüchtlingen. Sie wollen, dass weniger Flüchtlinge nach Deutschland kommen. Wie konkret wollen Sie das erreichen?
Lambrou: Wir wollen keine Begrenzung der Masseneinwanderung, die jetzt seit 2015 läuft, wir wollen ein Ende der Masseneinwanderung. Was kann man auf hessischer Ebene tun? Ganz konkret: Man kann die aktuell etwa 18.000 ausreisepflichtigen abgelehnten Asylbewerber mit einem viel höheren politischen Willen abschieben. Abschiebung ist Ländersache.
Dieterle: Ab er Sie wissen ja auch, warum es oft nicht funktioniert. Wäre es so einfach, wie Sie es sagen, würde es ja passieren.
Lambrou: Ich glaube, dass hier wesentlich mehr passieren könnte auf Länderebene. Die Grünen sind Teil der Landesregierung, die bremsen an der Stelle, wo sie können. Das zweite ist: Wir haben hier in Hessen ein freiwilliges Aufnahmeprogramm für Afghanen. Das muss sofort beendet werden. Eine schwarz-grüne Landesregierung, die sagt, sie will die Migration begrenzen, ist doch überhaupt nicht glaubwürdig, wenn sie ein freiwilliges Aufnahmeprogramm am Laufen hat. Wir haben im Landtag den Antrag gestellt, das zu beenden, und das wurde abgelehnt. Und dieses Programm läuft ja gerade erst in den letzten Monaten so richtig hoch. Das ist völlig schizophren. Und das Dritte, was man machen kann, ist, da, wo es rechtlich möglich ist, Umstellen von Geldleistungen an Migranten hin zu Sachleistungen. Also man kann auf Landesebene eine Menge machen.
Dieterle: So viel zur Landesebene. Nur mal angenommen, Sie wären Bundesinnenminister – was würden Sie einem Grenzbeamten sagen, was er tun soll, wenn ein Asylbewerber vor ihm an der deutschen Landesgrenze steht?
Lambrou: Frau Faeser tut so, als würde sie was tun, in Wirklichkeit …
Dieterle: Was würden Sie dem Grenzbeamten sagen?
Lambrou: Dass wir in Brüssel bei der EU sofort eine Notifizierung der Landesgrenzen beantragen würden, wie wir das zu Österreich an der Grenze haben. Und dann bestünde nämlich die rechtliche Möglichkeit, Migranten, die kommen, zurückzuweisen, ins Land, aus dem sie kommen …
Dieterle: Das sind aber natürlich langfristige Prozesse. Das heißt, eine schnelle Lösung haben Sie da auch nicht.
Lambrou: Das sind schnelle Lösungen. Wenn der politische Wille der Ampel-Bundesregierung vorhanden wäre, dann könnten sie diese Notifikation bei Brüssel schnell beantragen.
Dieterle: Eine Rechtsänderung ist schnell beantragbar in Brüssel.
Lambrou: Das ist keine Rechtsänderung, das ist ein formaler Prozess, dass man aufgrund bestimmter Situationen sagt: “Wir müssen an den Grenzen wieder stationäre Kontrollen machen.” Damit ist der Rechtsstatus verbunden, dass die Grenzbeamten auch Migranten, die die Grenze überschreiten, zurückweisen können in das Land, aus dem sie kommen.
Dieterle: So viel zu diesem Thema. Herr Lambrou, jetzt ist der richtige Zeitpunkt, um mal auf die aktuelle Umfrage zu schauen. Und das tun wir jetzt.
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Wenn am Sonntag Landtagswahl in Hessen wäre, käme die CDU laut Umfrage auf 31 Prozent. Die SPD würde 18 Prozent erreichen. Grüne und AfD kämen auf jeweils 17 Prozent. Die FDP würde mit 5 Prozent nur knapp in den hessischen Landtag einziehen. Die Linke würde mit 3 Prozent den Wiedereinzug deutlich verpassen.
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Dieterle: Herr Lambrou, die AfD hat aktuell gute Umfragewerte, wird aber von den anderen Parteien weiterhin, ja, geächtet, muss man sagen. Das heißt, eine Regierungsbeteiligung ist auch in Zukunft in weiter Ferne.
Lambrou: Abwarten. Boris Rhein hat einige Themen von der AfD übernommen: Begrenzung der Masseneinwanderung, Wiedereinstieg in die Kernkraft, Senkung der Grunderwerbssteuer – eine Forderung der AfD auch hier. Wenn er das inhaltlich ernst meint, dann kann er das am besten mit der AfD umsetzen. Mit den Grünen wird er es nicht schaffen. Mit der SPD dürfte es auch erheblich schwieriger werden.
Dieterle: Aber eben dieser Boris Rhein, den Sie gerade genannt haben, der hessische Ministerpräsident und CDU-Landesvorsitzende, hat ganz klar gesagt: “Mit der AfD partout nicht mit mir.”
Lambrou: Was soll er denn im Moment anderes sagen? Aber wissen Sie, wir haben auf Bundesebene über 20 % der Wähler, die sagen: “Wir wählen AfD.” Das sind über 12 Millionen Menschen. Hier in Hessen, wir haben es gerade gesehen, 17 %, das sind über 730.000 Menschen. Wie lange kann man eigentlich den Wählerwillen von so vielen Menschen ignorieren? Zumal wir in den Punkten, die ich eben genannt habe – wir bilden ja den Willen der Mehrheit der Bevölkerung ab. Wie lange kann man eigentlich in einer Demokratie regieren, ohne den Willen der Mehrheit der Bevölkerung in Sachfragen umzusetzen?
Dieterle: Herr Lambrou, ich glaube, wir haben einen Eindruck bekommen von dem, was die AfD gerne umsetzen möchte. Wie sich die Wähler entscheiden, das sehen wir dann am Wahlsonntag. Ich bedanke mich bei Ihnen, dass Sie sich heute meinen Fragen gestellt haben.
Lambrou: Vielen Dank, Frau Dieterle, hat mir viel Spaß gemacht.









