Ihr SAT.1 Regionalmagazin für Rheinland-Pfalz und Hessen

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Bernkastel-Kues nimmt 450 Flüchtlinge auf

Sep. 27, 2023

Die Zahl der Flüchtlinge in Rheinland-Pfalz erreicht einen neuen Höchststand. Im Sommer waren in Rheinland-Pfalz rund 135.000 Geflüchtete registriert – fast dreimal so viele wie im Sommer 2016 hier gelebt haben, als ebenfalls viele Flüchtlinge kamen. Und wieder denkt die Regierung darüber nach, zum Beispiel Turnhallen zu belegen – oder wie an der Mosel ein altes Hotel mal wieder als Flüchtlingsunterkunft zu reaktivieren. Dabei erhält das Land erstaunlich viel Rückendeckung von den Anwohnern.
Seine besten Tage hat das ehemalige Vier-Sterne-Hotel „Moselpark“ in Bernkastel-Kues eindeutig hinter sich: Noch vor wenigen Jahren Luxus-Unterkunft für Kurgäste und Touristen, wirkt der Gebäudekomplex inzwischen eher wie eine etwas heruntergekommene Jugendherberge. Für das Land Rheinland-Pfalz ist das ehemalige Hotel hoch über der Mosel jedoch von großem Wert, denn es eigne sich hervorragend als Flüchtlingsunterkunft auf Zeit.

Christiane Luxem, Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion Trier
„Zunächst haben wir jetzt einmal für ein Jahr geplant. Wir werden aber entsprechend flexibel reagieren können, je nachdem, wie das Fluchtgeschehen ist. Und hoffen natürlich, dass wir das nicht so lange in Anspruch nehmen. Es ist keine langfristige Anlage, die wir gerade angehen. Aber natürlich können wir das im Moment halt nicht sagen, weil die Zahlen halt sehr stark steigen.“

Auf einer Bürgerversammlung stellen sich die Verantwortlichen den Fragen der Anwohner. Die sehen der Reaktivierung der Erstaufnahmeeinrichtung auf dem Kueser Plateau erstaunlich positiv entgegen: Und das, obwohl die rund 450 Flüchtlinge, die im Hotel untergebracht werden sollen, in etwa der Einwohnerzahl des gesamten Ortsteils entsprechen.

Leo Wächter (CDU), Bürgermeister Verbandsgemeinde Bernkastel-Kues
„Nach den positiven Erfahrungen, die wir vor Monaten gemacht haben, denke ich mal, es ist eine grundsätzliche Willkommenskultur auch da. Es wird immer welche geben, die dagegen sind, das ist vollkommen klar. Aber insgesamt stelle ich schon eine breite Bereitschaft der Bevölkerung fest, auch dafür Sorge zu tragen, dass die Flüchtlinge hier eine vernünftige Unterkunft letztendlich auch haben.“

Größter Kritikpunkt der Anwohner am Vorgehen der Landesregierung: Dass nun plötzlich alles so schnell geht …

Markus Werner, Anwohner
„Am Freitag fand ich in meinem Briefkasten ein Flugblatt, dass de facto jetzt von heute an gerechnet in fünf Tagen die ‚Party‘ hier (in Anführungsstrichen) losgehen soll. Da fühle ich mich auf gut Deutsch veräppelt.“

Und doch müssten sich die Anwohner auf dem Kueser Plateau vor allem eine Frage stellen:

Karin Fass, Anwohnerin
„Ob wir uns als ‚Leidtragende‘ bezeichnen dürfen, wo wir doch alle unseren Lebensstandard haben. Aus meiner Sicht sind die Leidtragenden die Flüchtlinge.“

So viel Mitgefühl und Harmonie auf einer Bürgerversammlung zu einer Flüchtlingsunterkunft dürften dieser Tage eher selten sein. Die Menschen hier haben aber ihre Gründe, entspannt zu bleiben: Sie haben mit der Erstaufnahmeeinrichtung in ihrer Nachbarschaft so gut wie keine negativen Erfahrungen gemacht.