Ihr SAT.1 Regionalmagazin für Rheinland-Pfalz und Hessen

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Schulstart mit alten Problemen

Sep. 4, 2023

Für die Schüler in Rheinland-Pfalz und Hessen hat heute Morgen der Wecker wieder früher geklingelt, denn nach sechs langen Wochen Sommerferien geht es jetzt mit dem neuen Schuljahr los. Für viele bedeutet das: neue Schule, neue Lehrkräfte oder einen neuen Sitznachbarn. Für die Schulen aber heißt es: Neues Schuljahr – alte Probleme.
Erst mal ein wenig Eingrooven. Für die Schul-Band der Integrierten Gesamtschule Anna Seghers in Mainz ging das Schuljahr streng genommen bereits gestern los, schließlich mussten sie für ihren Auftritt auch ein wenig proben. Heute also der Start, nicht nur für sie sondern auch für die knapp 100 Fach- und Förderlehrkräfte, die hier Kinder mit und ohne Lernschwierigkeiten gemeinsam unterrichten. Dafür braucht Schulleiter Christian Goldschmitt das geeignete Personal – und das fehlt überall im Land. Besonders groß ist der Mangel bei Grundschul- und Förderlehrkräften.

Christian Goldschmitt, Schulleiter IGS Anna Seghers Mainz
„Wir würden uns wünschen, dass wir schon frühzeitiger gucken: Wie kriegen wir mehr Förderschullehrerinnen und -lehrer, die eben direkt in die Schulen gehen? Wie machen wir diesen Beruf attraktiv? Wie können wir es schaffen, dass eben dann auch viel mehr Leute das Angebot wahrnehmen? Es sind ja nicht nur Förderschullehrerinnen und Förderschullehrer, sondern auch pädagogische Fachkräfte, die wir benötigen. Aber da ist auch in den Kindertagesstätten und überall ein ganz großer Mangel.“

Ein Grund für den Personalmangel: die rund 18.000 Kinder, die mit ihren Eltern seit 2022 aus der Ukraine und anderen Ländern nach Rheinland-Pfalz geflüchtet sind und hier die Schule besuchen. Auch wegen der hohen Zuwanderung ist die Zahl der heute eingeschulten Kinder mit 42.000 so hoch wie seit fast 20 Jahren nicht mehr. Bildungsministerin Stefanie Hubig kennt die Problematik und verweist gerade bei den Förderlehrkräften auf lang- und mittelfristige Maßnahmen, die bereits angestoßen wurden.

Stefanie Hubig ( SPD), Bildungsministerin Rheinland-Pfalz
„Einerseits dass wir in Koblenz starten können oder dass die Universität starten kann im nächsten Jahr mit dem Förderschullehramt. Das hilft uns jetzt nicht sofort, das ist klar, aber es wird uns perspektivisch helfen mehr Menschen zu gewinnen. Wir haben jetzt kurzfristig gesagt, dass diejenigen, die ein Masterstudium in der Sozialpädagogik oder in der Pädagogik haben, das die dann auch direkt in den Vorbereitungsdienst gehen können. Das heißt, wir haben jetzt geöffnet für Quer- und Seiteneinsteiger, um schnell mehr Lehrkräfte zu gewinnen. “

An Grundschulen sollen eine stärkere Nachschulung der Lehrkräfte und zusätzliche Sozialarbeiter dabei helfen, die Probleme zu lösen. Schließlich müssen in Rheinland-Pfalz immer häufiger selbst Erstklässler ein Jahr wiederholen. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft schlägt deshalb Alarm.

Klaus-Peter Hammer, Vorsitzender Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Rheinland-Pfalz
„Die Lehrkräfte können das alleine nicht machen. Deswegen haben wir einen Bildungsgipfel oder einen runden Tisch gefordert, wo alle Akteur:innen, die sich da einbringen können, mit am Tisch sitzen. Dazu gehört auch das Familienministerium, dazu gehört auch das Sozialministerium, da gehört zum Beispiel auch die Schulaufsicht dazu.“

Eine Forderung auf die die Ministerin heute nicht eingehen will. Sie verweist stattdessen auf 730 neu geschaffene Planstellen, mit denen es in diesem Schuljahr landesweit rund 42.500 Lehrer gibt – ein Höchststand. 270 der neuen Stellen können allerdings erst im Laufe des Schuljahres besetzt werden. Der Grund: Die entsprechenden Lehrkräfte sind noch nicht fertig ausgebildet.