Ihr SAT.1 Regionalmagazin für Rheinland-Pfalz und Hessen

Ihr SAT.1 Regionalmagazin für Rheinland-Pfalz und Hessen

Kuriose Fälle beim Datenschutz

Aug. 29, 2023

Daten sind in Zeiten der Digitalisierung ein wertvoller Rohstoff. Sie werden gesammelt, gehandelt und verkauft und das leider allzu oft auch illegal. Deshalb gibt es in Rheinland-Pfalz einen Landesbeauftragten für Datenschutz, der jedes Jahr über Fälle von Datenschutzverletzungen informiert – manche davon ernst, andere wiederum auch kurios.
Eine Katze auf dem Fenstersims. Ihr Besitzer hat ihr Halsband mit einer Kamera ausgestattet, um zu sehen, was sein Tier den Tag über so treibt. Doch der Nachbar fühlt sich von der Katze ausspioniert.
Ein Kuriosum, mit dem sich Rheinland-Pfalz` Datenschützer im vergangenen Jahr auseinander setzen mussten.

Dieter Kugelmann, Datenschutzbeauftragter Rheinland-Pfalz
„Die Realität übertrifft ja oftmals das, was man so an Erwartungen hat. Aber in der Tat, dass da jetzt die Katze mit einer Kamera auf dem Fensterbrett sitzt und der Mensch sich beobachtet fühlt, da dachten wir auch: ‚Okay?‘. Aber es ist ja schon ein Unterschied, ob ich das mir dann nur angucke und nichts speichere oder ob ich sage: ‚Tolle Bilder. Die lade ich jetzt im Internet hoch.‘ Dann wird es in der Tat schon kritisch.“

Der Nachbar hat in diesem Fall von einer Anzeige abgesehen, doch die anderen Fälle, mit denen sich die Datenschützer beschäftigen sind deutlich ernster.
Erst im Juni erbeuteten Hacker bei einem Angriff auf die Hochschule in Kaiserslautern sensible Daten der Mitarbeiter und Studierenden. Hier interessieren sich Kugelmann und seine Kollegen vor allem dafür, welche Daten verschwunden sind, wie man ähnliche Attacken in Zukunft vermeiden kann, aber auch, wie es überhaupt so weit kommen konnte.

Dieter Kugelmann, Datenschutzbeauftragter Rheinland-Pfalz
„Wir gucken schon, ob die Hochschule so gerüstet war – also technisch, vom Verfahren her, von den Abläufen her –, dass sie alles getan hat was sie tun konnte, um solchen Angriffen möglicherweise etwas zu entgegnen.“

Ein weiterer Fall: Der neue „Handy-Blitzer“, der Autofahrer überführen soll, die während der Fahrt auf ihr Mobiltelefon schauen. Auch hier gibt es datenschutzrechtliche Bedenken, weil die sogenannte „Monocam“ anders vorgeht, als ein herkömmlicher Blitzer.

Dieter Kugelmann, Datenschutzbeauftragter Rheinland-Pfalz
„Bei der Handykamera, die auf der Autobahnbrücke steht, werden erst mal alle Autofahrer aufgezeichnet und in einem zweiten Schritt wird aussortiert, wer hat das Handy seltsam gehalten oder vielleicht war es dann doch nur eine Banane. Also im zweiten Schritt wird aussortiert, wer überhaupt einen Rechtsverstoß begangen hat. Das heißt, es werden erst mal alle Unschuldigen, Schuldigen aufgezeichnet und das unterscheidet es von einem Rotlicht oder Geschwindigkeitsverstoß. Weil da haben sie es ja schon begangen und dann macht es Klick.“

Wo also ohne Anlass gefilmt wird, da sehen die Datenschützer die Grundrechte in Gefahr.
Als größte Gefahren für die Zukunft nennt Kugelmann die zunehmenden Cyberattacken aus dem Ausland und den unkontrollierten Einsatz von künstlicher Intelligenz.
Katzen mit Kameras, sind im Vergleich dazu eher harmlos.