Auszubildende dringend gesucht
Mit ihrer Arbeit anderen Menschen den Tag versüßen, so beschreibt Dalia Balint ihre neue Aufgabe. Denn seit neun Tagen ist sie frischgebackene Auszubildende beim „De‘ Bäcker Becker“ in der Pfalz. Die künftige Konditorin ist durch ein Praktikum in diese Backstube gekommen. Für sie ist das alles kein Zufall.
Dalia Balint, macht eine Ausbildung als Konditorin
„Die Kreativität in der Küche ist eigentlich schon seit meiner Kindheit ein sehr großer Bestand meines Alltags. Und mir war auch relativ früh klar, dass ich demnach auch die Passion in der Küche irgendwann auch mal zu meinem Beruf machen möchte. Und es ist halt einfach wirklich toll, wenn man sein eigenes Produkt auch probiert und weiß, das schmeckt ja wie damals beim Bäcker. Jetzt kann ich das auch.“
Bereits seit 60 Jahren gibt es die Familienbäckerei, in der Dalia Balint jetzt arbeitet, und genau so lange wird hier auch schon ausgebildet. Inhaber Claus Becker steht jede Nacht selbst in seiner Backstube und bereitet den Teig vor – mit viel Hingabe und Erfahrung. Wissen, das er gerne weitergeben möchte. Doch die Bewerbungen fehlen: Drei neue Ausbildungskräfte kann er dieses Jahr einstellen. Mindestens acht Ausbildungsstellen sind in der Backstube, im Verkauf und in der Verwaltung noch unbesetzt. Bei insgesamt 65 Angestellten fallen die acht fehlenden Ausbildungskräfte ins Gewicht.
Claus Becker, Inhaber „De‘ Bäcker Becker“
„Ich brauche eine Ausbildungskraft nicht als Putzkraft, sondern sie sollte schon ihren Fachberuf dann auch lernen. Sie sollte lernen, wie ein Teig hergestellt wird, wie man mit Teig arbeitet, gerade hier in der Backstube, oder in der Konditorei, wie man Massen anschlägt, wie man Rotweinkuchen anschlägt und so weiter. Also wir sind gerne bereit auszubilden, weil das sind die Fachkräfte für morgen, die wir dringend in unserem Handwerk benötigen. Dass wir mittelfristig überleben können.“
Ein Problem, das viele Bäckereien kennen, denn bundesweit geht die Zahl der Auszubildenden im Bäckerhandwerk zurück. Claus Becker wird deshalb kreativ: Seine Auszubildenden findet er unter anderem über Werbung in den Sozialen Medien. Und auch im Ausland schaut er sich um.
Claus Becker, Inhaber „De‘ Bäcker Becker“
„Zur Zeit bekommen wir ganz viele Bewerbungen aus Marokko. Und tatsächlich bin ich jetzt auch da mal rangegangen und ich bin einfach mal gespannt, was dabei rauskommt.“
Bis Claus Becker weiß, ob diese Bewerber nach Deutschland kommen können und geeignet sind, werden einige Monate vergehen. Doch er gibt die Hoffnung nicht auf, dass bald mehr Auszubildende in seiner Backstube arbeiten.
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Eva Dieterle, Moderatorin: Das war nur ein Beispiel, denn in Rheinland-Pfalz sind aktuell noch rund 11.000 Ausbildungsstellen noch nicht besetzt. Und darüber spreche ich jetzt mit der Vorsitzenden der Geschäftsführung der Regionaldirektion Rheinland-Pfalz-Saarland der Bundesagentur für Arbeit, mit Heidrun Schulz. Guten Abend.
Heidrun Schulz, Bundesagentur für Arbeit Rheinland-Pfalz / Saarland; Guten Abend, Frau Dieterle.
Dieterle: Frau Schulz, warum sind in Rheinland-Pfalz noch so viele Ausbildungsstellen unbesetzt?
Schulz: Nun, das kann man von zwei Seiten sehen. Es sind nicht mehr Stellen, es sind sogar weniger als im Vorjahr waren. Es sind aber nach wie vor sehr viele, von denen wir wissen, dass sie auch nach Ende, nach Abschluss des Ausbildungsjahres unbesetzt bleiben werden. Und das ist keine gute Nachricht.
Dieterle: Wird sich denn da noch was tun in absehbarer Zeit an dieser Zahl?
Schulz: Wir sind sehr sicher, dass sich in den nächsten Wochen noch sehr, sehr viel tun wird und auch danach noch einiges. Es ist immer so, dass wir auch noch einige Bewerber und Bewerberinnen haben, die sich noch nicht entschieden haben. Es ist ja auch ein Markt, der dazu einlädt, sich die Zeit zu lassen. Und von daher wissen wir auch aus den Vorjahren, dass sich jetzt noch sehr viel tun wird.
Dieterle: Im Beitrag haben wir gerade gesehen, dass Bäckereibetriebe betroffen sind. Welche Branchen haben es denn noch schwer Auszubildende zu finden und warum?
Schulz: Also wir können ganz generell sagen, dass wir deutlich, deutlich mehr Ausbildungsstellen haben als wir Bewerber und Bewerberinnen bei uns in Jobcentern und Agenturen gemeldet haben. Es gibt da die großen Schwerpunkte, die im Handwerk liegen, die im Fachverkauf für Lebensmittel sehr stark liegen, die aber auch beispielsweise ganz stark bei Gas- und Wasserinstallateuren, bei Klimatechnik-Zukunftsberufen liegen. Dort haben wir seit Jahren große Lücken; Hotel- und Gaststättengewerbe, große Lücken. Es gibt wenige Berufe, bei denen wir noch sagen können, da gibt es wirklich genug Bewerber und Bewerberinnen. Man kann sie fast an einer Hand abzählen.
Dieterle: Heute können sich ja die Bewerber aussuchen, in welchem Ausbildungsberuf sie arbeiten möchten. Das war früher nicht so. Heißt das, die Unternehmen sind heute mehr gefordert denn je, Werbung für Ihren Betrieb zu machen?
Schulz: Absolut. Und das tun sie auch. Und es ist nicht nur die Werbung. Wir haben mehrere Entwicklungen, die im Moment zusammentreffen. Gerade die Corona-Zeit hat den Schülern und Schülerinnen ja zunächst mal wirklich den Weg auch verstellt in Praktika, in Annäherung an Ausbildungsbetriebe. Da tut sich jetzt wieder deutlich mehr. Wir sehen das beispielsweise daran, dass die Bewerber und Bewerberinnen jünger wieder sind, als sie es im Vorjahr beispielsweise waren. Aber es ist so, dass die Ausbildungsbetriebe sehr deutlich erkannt haben, dass sie viel Werbung machen müssen, dass sie auch ungewohnte Wege gehen, dass sie beispielsweise eine gute IT-Ausrüstung haben müssen, um up to date für ihre Bewerber und Bewerberinnen zu sein. Und was wir natürlich auch sehen, ist: Diejenigen, die schon im Betrieb sind, die die Ausbildung dort machen, sind Multiplikatoren in beide Richtungen. Wenn es gute Multiplikatoren sind mit lustmachenden Effekten, wirkt sich das ganz anders aus, als wenn jemand gestresst und eigentlich auch unmutig aus seinem Ausbildungsverhältnis kommt.
Dieterle: Sie haben die ungewohnten Wege angesprochen. Gibt es da auch Betriebe, die zum Beispiel Boni anbieten oder darüber hinaus Anreize schaffen?
Schulz: Ja, das erkennen wir immer mehr. Es ist natürlich schon eine deutliche Veränderung am Ausbildungsmarkt und wir erkennen, dass es beispielsweise solche Anreize gibt, wie gerade einfache IT-Geräte oder auch Unterstützung bei der Fahrt zur Ausbildung. Also auch wirklich neben den Hard Facts, wie beispielsweise deutlich gestiegenen Ausbildungsvergütungen, einige Incentives, die durchaus auch lockend wirken sollen.
Dieterle: Frau Schulz, wir sind auf die finalen Zahlen gespannt. Vielen Dank für die aktuellen Informationen und für das Interview.
Schulz: Das habe ich sehr gerne gegeben.









